Treffpunkt zweier Kulturen ist das Zelt des Zirkus Maccaroni im Otto-Dullenkopf-Park. Für das Projekt „Circus for global change“ erarbeiten Artisten aus Deutschland und Nicaragua eine gemeinsame Show.
Treffpunkt zweier Kulturen ist das Zelt des Zirkus Maccaroni im Otto-Dullenkopf-Park. Für das Projekt „Circus for global change“ erarbeiten Artisten aus Deutschland und Nicaragua eine gemeinsame Show. | Foto: Jörg Donecker

Austauschprojekt mit Nicaragua

Zirkus mit globalen Zielen

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Ein Satz Deutsch, ein Satz Spanisch: Bewegungen verstehen die Artisten auch ohne Sprachkenntnisse, sonst ist derzeit ein wenig Übersetzungsarbeit gefragt beim Zirkus Maccaroni. Für das Projekt „Circus for global change“ sind Schüler der Escuela de la Comedia y el Mimo aus Granada in Nicaragua angereist. Zusammen mit der Karlsruher Gruppe präsentieren sie am Sonntag, 22. Juli, um 13.30 Uhr auf der Kulturbühne von „Das Fest“ sowie am Montag, 23. Juli, im Zirkuszelt im Otto-Dullenkopf-Park das Ergebnis.

UNO-Agenda 2030 im Blick

Mit Blick auf die UNO-Agenda 2030 erarbeiten sie in rund zwei Wochen ein neues Zirkustheaterstück.
Zur Einstimmung auf die Probe springen die insgesamt 16 Artisten aus Deutschland und Nicaragua singend im Kreis. „Wir stehen seit etwa drei Jahren mit der Schule in Kontakt, da sie uns immer auf ihrer Europatournee besucht hat“, erklärt Irmgard Schucker-Hüttel, Leiterin des Aktions- und Zirkusbüros vom Stadtjugendausschuss. Ziel des Projekts sei nicht nur der kulturelle Austausch. Die Teilnehmenden sollen sich mit den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 auseinandersetzen.

Besuch in Nicaragua

„Mitmachen darf jeder, der zwischen 15 und 35 Jahren alt ist“, sagt Schucker-Hüttel. Ein Besuch der Gäste in ihrem Heimatland ist für Februar 2019 geplant. „Allerdings ist momentan noch unsicher, ob wir aufgrund der schwierigen politischen Lage tatsächlich fliegen können“, bedauert sie.

Ideen auf persönlicher Ebene.

Ausbeutung, Plastik, Import: Für die Entstehung des Zirkustheaterstücks sammelt die Gruppe zunächst Gedanken zu Schlagwörtern, die mit dem Thema „Nachhaltiger Konsum“ zusammenhängen. „Jeder Tag ist ein Prozess“, erklärt Projektleiter Timo Brennecke. Stadtführungen und Vorträgen nutzt die Gruppe, um daraus ihre Fragestellungen für das Stück zu entwickeln. „Ihre Ideen und das Wissen wollen wir auf eine persönliche Ebene bringen. Was ist unser Anliegen? Was wollen wir zeigen?“

Ideen sammeln die Artisten aus Nicaragua und Karlsruhe gemeinsam.
Ideen sammeln die Artisten aus Nicaragua und Karlsruhe gemeinsam. | Foto: Janina Keller

Förderung für Zirkus

75 Prozent der Projektkosten übernimmt das Programm Weltwärts durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Doch jede Gruppe habe auch einen Eigenanteil zu tragen. „Die Escuela hat aber aufgrund der Lage in ihrem Land nicht die Möglichkeit, den Betrag aufzubringen“, sagt Brennecke. Das wolle man mit Spenden abdecken.

Eine neue Kultur

„Die Kinder und jungen Erwachsenen kommen zum Teil aus sozial benachteiligten, finanziell und familiär schwierigen Verhältnissen“, erzählt Gisha Mareina, Präsidentin des Vereins. „Ich bin das erste Mal im Ausland und lerne eine neue Kultur kennen“, erzählt Alba Largaespada. Karlsruhe sei groß und wunderschön, fasst die 18-Jährige ihre Eindrücke zusammen. Besonders beeindruckt habe sie das Bahnfahren.

Bei uns gibt es sehr viel Müll.

Den ersten Kontakt mit der europäischen Kultur hat auch José Felix Leal-Castillo. Um die Nachhaltigkeit in Nicaragua stehe es im Vergleich sehr schlecht, betont er mit Blick auf das Projektthema. „Bei uns gibt es sehr viel Müll. Mit der politischen Situation im Land hat sich das alles noch verschlechtert“, sagt der 31-Jährige. Viele Politiker arbeiteten nicht mehr, als Resultat dessen funktioniere die Müllversorgung nicht.

Erst einstimmen, dann loslegen: Die Zirkusgruppe pflegt ihre eigenen Rituale vor der Probe.
Erst einstimmen, dann loslegen: Die Zirkusgruppe pflegt ihre eigenen Rituale während der Probe. | Foto: Janina Keller

Die Bedeutung der Kunst

Der Aufenthalt in Deutschland habe große Bedeutung für ihn. Denn er werde in Gedenken an zwei verstorbene Freunde auf die Bühne gehen – einer von beiden habe das Projekt erst möglich gemacht. „Der Zirkus hat mich früher selbst aus Situationen rausgeholt, in denen ich sonst untergegangen wäre“, erzählt er und ist bis heute Teil der Schule. „In einem Land wie Nicaragua wird Kunst nicht geschätzt.“ Im Zirkus habe er gelernt sich zu sozialisieren. Denn dort treffen Kinder aus armen und reichen Familien aufeinander. „Wir wollen den Kindern vermitteln, die Wertschätzung für Kunst nie zu verlieren.“