ZKM
Diese Installation zeigte das ZKM beim Kala Ghoda Festival in Mumbai. | Foto: ZKM

Open Codes auf Reisen

ZKM legt im indischen Mumbai einen strahlenden Auftritt hin

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Einen Auftritt mit Strahlkraft hat das ZKM in Mumbai hingelegt. Im Wortsinn. Die Karlsruher präsentierten sich beim einwöchigen Kunstfestival im Kala Ghoda Viertel – und zogen dort unter anderem mit einer Lichtkunstinstallation so viele Menschen an, dass die Polizei den Stecker zog.

„Wir haben ein maximales Publikum angesprochen“, sagt ZKM-Geschäftsführerin Christiane Riedel, die wie viele im ZKM-Team inzwischen einige Indienerfahrung hat.

Martin Wacker vermittelte ZKM die Indienkontakte

Den ersten Kontakt vermittelte Martin Wacker von der Marketing und Event GmbH. Vor vier Jahren brachte er ZKM-Chef Peter Weibel und den indischen Unternehmer Abhijit Pawar zusammen. Der bat das ZKM, im Januar 2017 für eine seiner Konferenzen eine Vortragsreihe und eine kleine Ausstellung zu konzipieren.

Zum Abschluss fand ein Galadinner statt, an dem die damals vor Ort weilende Delegation aus Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg teilnahm. Ebenfalls dabei war der Leiter des Goethe-Instituts, Martin Wälde, mit dem Christiane Riedel ins Gespräch kam.

Wunsch wurde Realität

Auf der Terrasse des Hotels offenbarte Martin Wälde ihr seinen Wunsch: Ein Jahr lang wollte er gerne mit dem ZKM zusammenarbeiten. Was an diesem Abend ein Traum war, wurde Realität.

Zwei Hackathons richtete das ZKM 2018 in Mumbai aus. Zweimal präsentierte man dort eine Version der Ausstellung Open Codes in den Räumen des Goethe-Instituts – das mitten im Kala Ghoda Viertel und damit in der Festivalmeile liegt.

13.000 Besucher sahen Open Codes

Genau die Festwoche über war dort nun im Februar „Open Codes – The Art of Coding“ zu sehen. 22 Werke schaffte das ZKM nach Indien. 350 Quadratmeter standen im Goethe-Institut für die Schau zur Verfügung, die am Ende 13.000 Besucher sahen.

Extra eingeladen wurden Kinder aus dem Slum Dharavi. Dort leben auf zwei Quadratkilometern 800.000 Menschen. Die Kleinen lernen eine Programmiersprache, mit dem auch ein Stickroboter gesteuert werden kann, den das ZKM nach Mumbai mitbrachte. Die Jungen und Mädchen aus dem Slum sahen, wie sie ihr Wissen anwenden können. Sie befassten sich mit Kunst, mit Gestaltung, besuchten das Festival und stürzten sich begeistert in die Open Codes Ausstellung, wie Christian Lölkes erzählt, der beide Schauen in Mumbai kuratierte.

Beliebtes Selfie-Motiv

Doch nicht nur im Goethe-Institut war das ZKM präsent. Vor der Tür standen die Installationen, die in sozialen Netzwerken bald tausendfach auftauchten – als beliebtes Selfie-Motiv. Dabei war der Karlsruher Lichtkünstler Rainer Kehres erstmal gar nicht so sicher, was er in Indien zeigen sollte.

Das Kala Ghoda Viertel insgesamt ist geprägt von Galerien, Kunst, Boutiquen. Bedeutende Museen finden sich dort ebenso wie das berühmte Lions Gate. „Das Kala Ghoda Festival ist extrem quirlig und bunt“, sagt Christian Lölkes, der im Februar 2018 die Veranstaltung erstmals erlebte.

Wir setzen noch eins drauf

Rainer Kehres sah die Fotos. „Erst dachte ich, dass wir da besser etwas ganz straightes machen – schwarz-weiß vielleicht“, erinnert sich der Künstler. Bald jedoch war er sicher: „Nein, wir setzen noch eins drauf.“

Das passte zu den Vorgaben der Inder, die sich etwas „Buntes, Hübsches“ wünschten. Sie bekamen etwas Farbenfrohes und Interaktives dazu. „Light Cube“ heißt das Werk, das die Karlsruher im Herzen der Festivalmeile entstehen ließen.

Stahlwürfel war zunächst nackt

Am Tag vor dem Start mussten alle Beteiligten erst einmal warten, bis das Militär um 22 Uhr die stark befahrene Straße sperrte. In der Nacht baute das ZKM dort einen Stahlwürfel auf. Vier Meter maß er – und war zunächst nackt.

Die Karlsruher besorgten in Mumbai weiße Lampions aus Papier. Bunte Stoffe, Folien, Scheren, Klebepistolen und vieles mehr wurden herbeigeschafft. Dann waren die Menschen gefragt: In Workshops durften sie die Ballons in bunte Lampen verwandeln.

Ab 23 Uhr wurde umgehängt

Eine Aufgabe, der sich Kinder, Erwachsene, ganze Familien und Senioren stellten. War ein Stück fertig, wurde es in den Würfel gehängt. Aber immer erst nachts, wie Christian Lölkes berichtet: „Das Festival ging jeden Tag von 10 bis 22 Uhr. Erst ab 23 Uhr, wenn alle weg waren, durften wir umhängen und testen.“

Mitglieder des Karlsruher Chaos Computer Clubs entwickelten eine Technik, um die Lampen gezielt an- und auszuknipsen. Technik, Kunst, Interaktion und ein Werk, das sich von Tag zu Tag veränderte: Damit begeisterten die Karlsruher die Gäste.

1,1 Millionen Besucher

Die Woche über wurden insgesamt 1,1 Millionen Besucher gezählt. „Zu sagen, dass es voll war, wäre untertrieben“, so Christian Lölkes. Da blieben immer wieder Menschen stehen, die ihre Lieblingslampe beleuchtet fotografieren wollten – und der Rückstau wurde größer und größer.

Polizei zog den Stecker

Als dann schließlich die Polizei den Stecker zog, um dem Ansturm Herr zu werden, nutzten die Beamten übrigens selbst die Chance, im Würfel Fotos zu machen, wie Rainer Kehres erzählt.

Am Ende wurde das Metall des Würfels in Indien recycelt. Einige Künstler nahmen ihre Lampe mit nach Hause. 50 Stück packte Rainer Kehres in den Koffer. Es ist denkbar, dass sie in Karlsruhe irgendwann als Teil eines Kunstwerkes zu sehen sind.

Globen bildeten die „Silk Road“

Ebenfalls im Gepäck befanden sich zwölf Globen. Die waren einst im Kohi in der Südstadt zu sehen. Am Äquator zerteilt, reisten sie nach Indien, wo sie unter dem Titel „Silk Road“ beleuchtet den Weg ins Goethe-Institut aufzeigten. Auch sie flogen später wieder zurück nach Karlsruhe.
Der strahlende Auftritt war erstmal Abschluss der Reihe mit dem Goethe-Institut, zumal dessen Leiter nach Myanmar wechselte. Möglicherweise folgt irgendwann ein Projekt in Pune, der Karlsruher Partnerregion. Kontakte in Indien ergaben sich im Lauf der Monate jedenfalls viele, auch zu Museen dort.

Auf dem Sprung nach Peking

Und das ZKM ist ohnehin international unterwegs. Gerade laufen Vorbereitungen für eine Ausstellung in Peking. Open Codes wird unter anderem in Bilbao präsentiert.

In Indien war das Interesse an Karlsruhe groß, gerade als IT-Standort, sind sich die Beteiligten einig. Touristikanbieter waren ebenfalls interessiert an der Stadt – nahe des in Indien durchaus bekannten Schwarzwalds.

Termin

Am 30. Mai gibt es ab 20 Uhr im Kohi einen Bildervortrag über die in Indien gezeigte Lichtkunst. Die Ausstellung Open Codes im ZKM ist bis 7. April bei freiem Eintritt zu sehen.