Seelöwenbaby Henry und seine Mutter Chica
Henry, der Eroberer: Im Karlsruher Zoo unternahn der kleine Seelöwe unter dem wachsamen Blick seiner Mutter Chica seinen ersten Ausflug nach draußen. | Foto: jodo

Im Zoo Karlsruhe

Der kleine Seelöwe Henry erobert seine neue Welt

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Bisher war nur sein herzzerreißendes Rufen zu hören, nun ist er auch zu sehen: Im Karlsruher Zoo durfte Seelöwenbaby Henry erstmals auf die Außenanlage. Das forsche Jungtier überraschte auch seine Pfleger und planschte sich sofort in die Herzen der Zoobesucher.

Chica passt auf

Henry fackelt nicht lange: Sobald der Schieber aufgeht, ist der gut fünf Wochen alte Seelöwe draußen und eine Sekunde später stürzt er sich kopfüber ins Wasser. Zur Überraschung der Pfleger nutzt der kleine Draufgänger das ganze Becken und lässt sich auch von den stürmischen Begrüßungen seiner Geschwister Gino und Fiona nicht verunsichern. Seine Mutter Chica bleibt eng an seiner Seite – und weist den Ein- und die Zweijährige auch schon einmal lautstark oder mit einem Nasenstüber zurecht.

Babyfell saugt sich voll

Seit Henrys Geburt am 2. Juni waren er und seine Mutter im nicht einsehbaren Innengehege. Die ungestörte Zweisamkeit fördert nicht nur die Mutter-Kind-Bindung, der kleine Seelöwe ist zunächst auch nicht wasserfest: Sein Babyfell würde sich vollsaugen und ihn nach unten ziehen. Daher verbringen Seelöwenjunge ihre ersten Wochen bis zum Fellwechsel an Land – und im Zoo eben in der Innenbox. In einem flachen Becken hat Henry sich dort aber schon vorsichtig ans Wasser gewöhnt – offensichtlich sehr erfolgreich.

Stevie und die Damen

Bis Henry vor vielen begeisterten Zoobesuchern seinen großen Auftritt hatte, dauerte es aber: Seelöwenbulle Stevie sollte nach drinnen. Zwar gilt er als fürsorglicher und liebevoller Chef der Seelöwengruppe, kann aber auch sehr stürmisch sein. Gerade jetzt: „Stevie ist aktuell sehr auf die Damen fixiert – da kann ein Jungtier schon einmal unter seine Flossen geraten“, erklärt Revierleiter Moritz Ehlers. Speziell Stevies Interesse an Chica ist groß: Schließlich war sie sechs Wochen außerhalb seiner Reichweite.

Wenn Fisch uninteressant ist

Eben weil er in Stimmung ist, wollte Stevie aber eines auf gar keinen Fall: Raus aus dem Becken und weg von seinen anderen Damen Olivia und Ilana. Da konnte Moritz Ehlers noch so verlockenden Fisch vor Stevies Nase halten. „In der Paarungszeit ist auch Futter für die Seelöwen nicht interessant, da hungert sich ein Bulle viel von seinem Fett runter“, erklärt Zoo- Pressesprecher Timo Deible.

Die Hormone

Bis zum Zugang ließ Stevie sich locken, schließlich ist er gut trainiert, neugierig und sehr kooperativ – wenn ihm nicht gerade die Hormone dazwischengeraten. Den mächtigen Kopf steckte Stevie mehrfach ins Innengehege – um dann abzudrehen und auf dem immer noch gut gepolsterten Bauch zurück ins Wasser zu gleiten. „Sobald sich jemand dem Schieber nähert, ist er weg“, konstatierte Deible. Schließlich ist Stevie nicht nur stürmisch, sondern auch ziemlich schlau.

Alle Register

Schließlich ziehen Moritz Ehlers und seine Kollegen Thomas Ramm und Nicole Wiederich alle Register: Chica und ihr Kleiner rutschen ein Abteil weiter und räumen bereitwillig ihre Innenbox – und in genau diese bequemt sich Stevie schließlich.

Präsentation fällt aus

Inzwischen wäre es Zeit für die kommentierte Fütterung der Seelöwen. Da die Tiere aber ohnehin kein Interesse haben, gibt es lediglich ein paar Fische direkt aus dem Eimer. Die vielen Zoobesucher, die sich bereits ums die Anlage gruppiert haben, warten stattdessen gespannt auf Henry. Der planscht sich dann sofort in die Herzen der Zoobesucher. Ob über oder unter Wasser: Henry wird begeistert beobachtet und wo er auftaucht, freuen sich die Zuschauer über das forsche Jungtier. „Das ist viel besser als eine normale Fütterung“, sind sich zwei Zehnjährige einig. Auch Ehlers ist angetan: „Henry hat einen guten Start hingelegt“, sagt er. „Jetzt können wir die Tiere mit gutem Gewissen alle zusammen lassen.“

Henry hat einen guten Start hingelegt

Wieder zusammen

So muss auch Stevie nicht lange drinnen bleiben: Als Henry zur Mittagszeit seine neue Welt erobert und sich ein bisschen müde geschwommen hat, darf der Bulle wieder zu seinem Harem. Und geht auch mit Henry höchst fürsorglich um.