Deko ist meist Frauensache, weiß die Karlsruher Hochzeitsplanerin Juliane Eichendorf. Gerade bei den Farben setzten sich die Bräute eher durch. | Foto: Sandbiller

Wedding Planner in Karlsruhe

Zu Gast auf der eigenen Hochzeit

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Hochzeitsvorbereitungen sind aufwendig, zeitintensiv und nicht selten nervenaufreibend. Wer diese Schwierigkeiten umgehen möchte, engagiert einen Hochzeitsplaner. Für die herrscht gerade noch Hochsaison, denn DEN Hochzeitsmonat gibt es schon lange nicht mehr. Und auch die Wünsche der Brautpaare werden immer individueller.

Sommerzeit ist traditionell auch Hochzeitszeit. Dieser Tage treten viele Paare vor den Traualtar. Der große Tag kann für Braut und Bräutigam aber auch schnell zu einem der stressigsten werden. Wer keine Lust hat auf stundenlange Internetrecherchen, zahllose Angebote von Floristen, Caterern und Locations oder penibel ausgearbeitete Sitzpläne, der engagiert einen Hochzeitsplaner. Die Branche boomt, für viele Wedding Planner ist ihre Tätigkeit jedoch nur ein Nebenerwerb. So wie für Judith Günther: Die gelernte Restaurantfachfrau und Diplom-Hotelbetriebswirtin arbeitet als Hochzeitsplaner im Nebengewerbe.

Ich sage meinen Paaren gerne: ,Das einzige, was ihr an diesem Tag selber tun müsst, ist Ja sagen’

Hochzeitsplanerin Juliane Eichendorf

Anfangs plante sie Hochzeiten für Freunde und half ihnen mit ihrem großen Netzwerk, insbesondere in der Gastronomie. Seit drei Jahren steht sie auch fremden Paaren bei ihrem großen Tag zur Seite, oft von Anfang an. Sie sieht sich mehr als Begleiterin denn als Dienstleisterin. Ihr Ziel sei es, den Paaren während der aufregenden Zeit der Hochzeitsvorbereitung zur Seite zu stehen und sie so zu entlasten, dass sie am Ende Gast auf der eigenen Hochzeit sein können. Auch Hochzeitsplanerin Juliane Eichendorf ist es wichtig, dass das eigentliche Fest für das Brautpaar so entspannt wie möglich verläuft. „Ich sage meinen Paaren gerne: ,Das einzige, was ihr an diesem Tag selber tun müsst, ist Ja sagen’.“ Wie auch Günther bietet Eichendorf ein Rundum-Sorglos-Paket an. Sie tritt auch als freie Traurednerin auf.

Die Chemie muss nicht nur zwischen Braut und Bräutigam stimmen

Im Schnitt dauert es ein bis eineinhalb Jahre vom Beginn der Planung bis zur eigentlichen Trauung. Dass die Chemie zwischen Brautleuten und Hochzeitsplaner stimmt, ist besonders wichtig – immerhin geht es um den schönsten Tag im Leben eines Paares. „Es ist ein unheimlicher Vertrauensbeweis, wenn jemand die eigene Hochzeit in fremde Hände gibt“, sagt Eichendorf.

Die Karlsruher Hochzeitsplanerin Judith Günther ist oft auch bei der Trauung dabei, wie hier auf der Hochzeit von Daniel und Alexandra in der Stephanskirche in Karlsruhe. | Foto: privat

Nicht selten entwickelt sich aus dieser intensiven und intimen Beziehung auch eine Freundschaft. Judith Günther hält auch nach der Hochzeit Kontakt zu manchen Paaren, gratuliert etwa zum ersten Hochzeitstag. Sie werde auch jedes Mal aufs Neue emotional, wenn sie beispielsweise beim Brautkleid-Kauf dabei ist oder mit dem Paar auf der Hochzeit anstößt.

Deko ist immer noch Frauensache

Wer hat aber nun in Sachen Hochzeitsvorbereitung das Sagen? Frau, Mann oder Hochzeitsplaner? Die Planungshoheit liege natürlich bei den Paaren, bestätigen Günther und Eichendorf. Tatsächlich setzen sich die Bräute besonders bei der Farbgestaltung und der Dekoration durch, verrät Eichendorf, während die Männer sich eher um das Hochzeitsauto kümmern. „Das Paar sollte aber immer auf sein Bauchgefühl hören und die Hochzeit nur für sich und nicht für andere feiern“, sagt sie.

Judith Günther erlebt oft, dass mindestens ein Dienstleister aus dem näheren Umfeld der Brautleute kommt: Sei es der Freund, der gerne als Barkeeper auftritt, oder die Tante, die die Hochzeitstorte bäckt. „Am Ende wollen nur wenige die eigene Hochzeit vollkommen mir oder dem Schicksal überlassen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Den perfekten Hochzeitsmonat gibt es nicht (mehr)

Worauf auch erfahrene Hochzeitsplaner keinen Einfluss haben, ist das Wetter. „Den perfekten Monat zum Heiraten gibt es nicht mehr“, erklärt Eichendorf. „Man muss immer einen Plan B haben.“ Überhaupt stehe und falle viel mit der Location. Wollen Braut und Bräutigam an einem bestimmten Datum oder in einer bestimmten Location heiraten, tut frühzeitige Planung Not, am besten ein bis eineinhalb Jahre im Voraus.

Mit weniger Gästen habe man aber nicht automatisch weniger Probleme, stellen Günther und Eichendorf fest. Gerade an Locations für sehr kleine, aber auch große Hochzeiten ab 100 Personen bestehe in Karlsruhe ein Mangel. Mit ihren rustikalen Weingütern stellt die Pfalz für die Fächerstadt auch einen wichtigen Konkurrenten dar. „In Karlsruhe fehlt eine richtige Hochzeitslocation im Grünen“, sagt Günther.

Wedding Planner als Ausbildungsberuf

Auch dem wachsenden Boom in der Hochzeitsbranche mag es geschuldet sein, dass die Eventakademie in Baden-Baden seit 2012 in Kooperation mit dem IHK-Bildungszentrum in Karlsruhe eine Ausbildung zum Wedding Planner anbietet. In dem zweiwöchigen Kurs lernen die Teilnehmer nicht nur, welche Trauungsformen es gibt und wie man ein Hochzeitsbudget erstellt, sondern beispielsweise auch, wie man ein eigenes Unternehmen gründet. Ob ein Hochzeitsplaner dieses Zertifikat braucht, darüber scheiden sich die Geister. Für Juliana Eichendorf war die Ausbildung wichtig, um einige Grundlagen zu erlernen, wie sie selbst sagt. Als gelernte Restaurantfachfrau ist Judith Günther hingegen überzeugt, dass eine spezielle Ausbildung nicht nötig ist, aber der Hochzeitsplaner ausgebildet sein sollte in dem, was er tut.