Schneeziege
Neuzugang im Tierpark Oberwald: McPit ist eine renitente Schneeziege | Foto: Timo Deible

Robuste Kletterkünstler

Zwei Schneeziegen sind neu im Tierpark Oberwald

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Resistent gegen Kälte und renitent gegen die Pfleger sind die beiden Neuzugänge im Tierpark Oberwald: In der Außenstelle des Karlsruher Zoos sind nun zwei Schneeziegen zu sehen. Die robusten Kletterer mit dem zotteligen weißen Fell sind den nördlichen Rocky Mountains beheimatet und werden nur in elf europäischen Tierparks gezeigt.

In der Außenstelle des Karlsruher Zoos im Tierpark Oberwald gibt es neue Bewohner. Zwei Schneeziegen leben nun in der weitläufigen Anlage. Die Tierart, die ihrem Namen zum Trotz eher mit Gämsen als mit Ziegen verwandt ist, gibt es nur in zehn weiteren europäischen Zoos.

Kein Streicheltier

McPit hat langes weißes Haar, einen Bart, schwarze Knopfaugen und kommt gleich mal neugierig an den Zaun, als sich auf der anderen Seite etwas tut. Ein sanftes Streicheltier ist er aber definitiv nicht: Sobald Revierleiter Robert Ruder sich dem Gehege nähert, senkt er den Kopf, schart mit dem Vorderhuf und scheint zu überlegen, ob er Anlauf nehmen soll.

Tolle, imposante Tiere

Zoochef Matthias Reinschmidt

McPit ist eine zwölfjährige Schneeziege und kam gemeinsam mit seinem dreijährigen Sohn Olaf in den Tierpark Oberwald. Der Augsburger Zoo hat die beiden aus Platzgründen abgegeben, und Zoochef Matthias Reinschmidt nutzte die Gunst der Stunde. „Es sind tolle, sehr imposante Tiere, die ich schon lange in Karlsruhe zeigen wollte“, sagt er. Ursprünglich waren McPit und Olaf für den Zoo in Nowosibirsk vorgesehen, doch mit den erforderlichen Einfuhrpapieren klappte es nicht. Worüber man nun in Karlsruhe nicht unglücklich ist.

Schneeziegen
Keine Streicheltiere sind die Schneeziegen McPit und Olaf, die nun eines der weitläufigen Gehege im Tierpark Oberwald bewohnen. | Foto: Timo Dieble

Wenn 80 Kilogramm Anlauf nehmen…

McPit macht eine kurze, drohende Bewegung Richtung Zaun, dann dreht er ab, wendet Ruder sein zotteliges Hinterteil zu und trottet von dannen. „Er ist ganz schön aggressiv“, hat Ruder bereits festgestellt. Zum Saubermachen und Bereitlegen des Futters geht er daher nur ins Gehege, wenn McPit und Olaf abgesperrt sind. „Wenn 80 Kilogramm Anlauf nehmen, dann hört der Spaß auf“, sagt er. Zumal, wenn der Angreifer auch noch Hörner auf dem Kopf hat. „Bitte auf Abstand zum Zaun bleiben! Verletzungsgefahr durch Hörner“, warnt daher auch ein Schild am Gehege.

Zaun mit Sprungschutz

Das ist 7 000 Quadratmeter groß, kann geteilt werden und beherbergte zuvor die Kropfgazellen-Männergruppe, die in eine freie Anlage näher am Hauptweg umzogen ist. Der Zaun, der ohnehin erneuert werden musste, wurde durch eine stabilere Variante ersetzt, die auch einem Elch standhalten könnte, berichtet der Revierleiter. Durch einen schrägen Aufsatz kann der Zaun zudem nicht übersprungen werden.

Neue Kletteranlage

Sehr behände sind die Schneeziegen nämlich: In ihrer Heimat in den nördlichen Rocky Mountains leben die Tiere in bis zu 2 700 Metern Höhe und überwinden dort mühelos auch sehr steile Felswände. Weshalb das Team im Oberwald für die beiden Schneeziegenböcke eine mehrteilige Kletteranlage aus mächtigen Akazienstämmen gebaut hat.

Breite Klauen

Die interessiert McPit aktuell aber nicht. Er schart mit den breiten Klauen, mit denen er auch auf steinigem Untergrund Halt finden würde, im Waldboden und bereitet sich ein bequemes Plätzchen, um sich abzulegen. Nach kurzer Pause ist er aber wieder auf seinen stämmigen Beinen und steuert eine Senke an, um dort am Reisig zu knabbern. Olaf macht es seinem Vater nach.

An extreme Kälte angepasst

Hauptsächlich ernähren sich die Neuen im Oberwald aber von Heu, zudem kommen Pellets und Kraftfutter an die Futterstellen. Aktuell munden den Tieren auch noch Fichten, die nicht zu Weihnachtsbäumen wurden, erzählt Ruder. In den Rocky Mountains sind Gräser, Kräuter, Laub, Moose und Flechte die Hauptnahrungsmittel. Ihr zotteliges, weißes Fell und ihr wolliges Unterfell lassen Schneeziegen auch mit extremer Kälte zurechtkommen. Im Sommer ist das Fell deutlich kürzer und weniger dicht.

Stabiler Bestand

Obwohl Schneeziegen mit Pumas, Wölfen und Braunbären sowie vereinzelt auch mit Kojoten, Schwarzbären, Vielfraßen und Steinadlern viele und mächtige Feinde haben, ist ihr Bestand stabil. Anders in Zoos: Gerade mal elf europäische Tierparks zeigen die robusten Kletterkünstler. Da es sich meist um Paare und gelegentlich auch um Einzeltiere handelt, wird es auch nicht einfach sein, irgendwann eine Partnerin für Olaf zu finden. „Langfristig wollen wir aber schon züchten“, erklärt der Zoochef.