Über 400 Tonnen wiegt eine der beiden Kokskammern, die am Samstagmorgen vom Karlsruher Pionierhafen ins MiRO-Werksteil 2 transportiert wurden. Zahlreiche Interessierte folgten dem stählernen Riesen am Straßenrand.
Über 400 Tonnen wiegt eine der beiden Kokskammern, die am Samstagmorgen vom Karlsruher Pionierhafen ins MiRO-Werksteil 2 transportiert wurden. Zahlreiche Interessierte folgten dem stählernen Riesen am Straßenrand. | Foto: jodo

Transport zur MiRO Karlsruhe

Zwei Schwergewichte auf großer Fahrt

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Nach knapp drei Stunden ist es geschafft: Die beiden über 400 Tonnen schweren Kokskammern, die vergangene Woche per Schiff von Rotterdam in den Karlsruher Pionierhafen gebracht wurden, haben ihren Lagerplatz im Werksteil 2 der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) erreicht. Dort werden sie nun fertiggestellt und im März 2018 in die Anlage eingebaut.

Die Vorbereitungen laufen

7.30 Uhr: Während die Stadt langsam erwacht, herrscht am Pionierhafen bereits reges Treiben. Die Polizei ist mit einigen Fahrzeugen und Motorrädern im Einsatz, um die Dea-Scholven-Straße und die Esso-Straße für den Transport abzusperren. Mitarbeiter der niederländischen Spezialfirma Wagenborg Netlift besprechen ein letztes Mal den Ablauf.

Start im Morgengrauen

8 Uhr: Erste Zuschauer haben sich an der Strecke eingefunden und schießen Handyfotos, als sich die Selbstfahrer mit ihrer je 35 Meter langen Fracht in Bewegung setzen. Gesteuert wird jedes Fahrzeug, welches 16 Achsen hat, per Fernsteuerung. Der Mitarbeiter mit der gelben Warnweste muss gleich nach wenigen Metern Augenmaß beweisen. Die Straße am Ausgang des Pionierhafens ist eng. Eine Steinmauer kommt den stählernen Riesen gefährlich nahe. Langsam bewegt sich der Konvoi vorwärts, bis die Engstelle überwunden ist.

Beschwerlicher Weg über die Alb

8.50 Uhr: Die beiden „Coke Drums“ erreichen über die Dea-Scholven-Straße die provisorische Albquerung. Sie ist mit Kies aufgeschüttet: Die Brücke über den Fluss, der zwischen Hafen und Raffinerie liegt, kann die große Last nicht tragen. Auch die Bahngleise daneben sind überschüttet, die Oberleitung abgebaut. Vorsichtig überqueren die Kokskammern das Flussbett. Den Verantwortlichen ist die Erleichterung anzusehen.

Ein gutes Auge mussten die Arbeiter haben. An dieser Steinmauer blieb nur wenig Platz zum Manövrieren. | Foto: jodo

Ölverlust führt zu kurzer Zwangspause

9.20 Uhr: Kurz vor der Esso-Straße muss der erste Selbstfahrer anhalten. Das Spezialfahrzeug verliert Öl. Werksfeuerwehr und Polizei beraten sich. Der Schaden kann jedoch behoben werden. Große Baumwolltücher werden bereitgelegt, um bei einem erneuten Ölverlust schnell reagieren zu können. Nach rund zehn Minuten Pause wird der Transport fortgesetzt.

Es wird nochmal eng

10 Uhr: Zwei Stunden nach dem Start erreichen die beiden Kokskammern das MiRO-Tor. Wieder wird es eng. Sollte die schwere Ladung am Eisentor hängen bleiben, könnte sie beschädigt werden. Auch bei einem Straßenschild, das an einer Kreuzung steht, ist Millimeterarbeit gefragt. Um auf der Zielgeraden nicht mit Straßenlaternen zu kollidieren, fährt der Transporter ganz dicht am rechten Straßenrand. In den Bäumen, die am Wegesrand stehen, knirscht es, einige Äste fallen.

Jeder Selbstfahrer wurde mittels einer überdimensionalen Fernbedienung von einem Arbeiter gesteuert. | Foto: jodo

Die letzten Meter des Konvois

10.30 Uhr: Die Kokskammern, jede mit einem Durchmesser von 8,20 Metern, kommen auf dem großen Lagerplatz an. Der wurde zuvor präpariert. Zwei Waagen stehen bereit, um die Behälter zu wiegen, die letztlich ein paar Kilogramm schwerer sind, als angenommen.

Große Erleichterung bei den Verantwortlichen

11 Uhr: Die lauten Motoren der Selbstfahrer verstummen. Drei Stunden hat der Weg über die knapp vier Kilometer lange Strecke gedauert. An Ort und Stelle warten die beiden Kokskammern nun auf ihren Einsatz. Ein 2 000 Tonnen schwerer Kran wird im Januar aufgebaut. Für den Einbau der Behälter, in denen später Gas- und Benzinkomponenten, Gasöle und Koks entstehen, wird die Anlage 60 Tage stillstehen. Arbeiter, Polizei und Feuerwehr stärken sich mit Erbsensuppe. Es wird gescherzt und gelacht. Die Anspannung vom frühen Morgen ist verflogen.