Einen Blick in den Norden bietet die Karlsruher Bücherschau, die bis 1. Dezember Island in den Mittelpunkt rückt, aber zugleich ein Forum für regionale Autoren bietet.
Einen Blick in den Norden bietet die Karlsruher Bücherschau, die bis 1. Dezember Island in den Mittelpunkt rückt, aber zugleich ein Forum für regionale Autoren bietet. | Foto: Artis

Bücherschau öffnet am Freitag

Zwei Wochen lang können Karlsruher literarisch nach Island reisen

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Karlsruhe steht wieder im Zeichen des Buches – nicht nur im Regierungspräsidium am Rondellplatz, wo bis 1. Dezember die Bücherschau stattfindet, sondern auch an anderen Orten, an denen einige der etwa 90 Veranstaltungen stattfinden.

Zum Auftakt kommt an diesem Freitag Jón Gnarr in das Buchcafé. Der Komiker, Punkmusiker und Autor war von 2010 bis 2014 Oberbürgermeister von Reykjavik, nachdem seine „Besti flokkurinn“ (Die beste Partei) deutlich die Wahlen gewonnen hatte. Reinhilde Rösch, Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg, zeigte sich zufrieden mit der Stabilität des Buchmarkts. Die Branche wertet sie als Beweis ihrer Anpassungs- und Innovationsfähigkeit.

Nach dem Krieg reisten deutsche Frauen als Arbeiterinnen gen Island

Deutsche Frauen als Gastarbeiterinnen? Zwischen Nordsee und Bodensee gilt als selbstverständlich, dass sich Arbeitskräfte aus Polen, Rumänien oder der Türkei als Putzfrau, Krankenschwester oder Servierkraft verdingen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das anders. 1949 erschien in der sich gerade konstituierenden Bundesrepublik eine Anzeige des isländischen Bauernverbands. Gesucht wurden Frauen aus Deutschland.

„strandakúnst“ klingt wie „Strandkunst“, heißt aber „Kunst in Strandir“, einer Gegend in Nordwestisland. Dabei ist „kúnst“ ein Fremdwort. Eigentlich heißt Kunst auf Isländisch „list“. Die Aufnahme entstand in Hólmavík.
„strandakúnst“ klingt wie „Strandkunst“, heißt aber „Kunst in Strandir“, einer Gegend in Nordwestisland. Dabei ist „kúnst“ ein Fremdwort. Eigentlich heißt Kunst auf Isländisch „list“. Die Aufnahme entstand in Hólmavík. | Foto: Ljos Mynd

Fast 300 gingen auf die Annonce ein, bestiegen einen Frachtkutter und landeten in meist harten Lebensverhältnissen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Schicksal dieser Frauen durch den Film „Maria“ (1997) bekannt. Das Liebesdrama von Einar Heimisson (1966 bis 1998) hat die historischen Fakten als Hintergrund, die 15 Jahre später Heike Fink für ihren Dokumentarfilm „Eisheimat“ aufgriff.

Harte Schicksale der Auswanderinnen literarisch festgehalten

Sechs Frauen, die geblieben waren, kommen in dem eindrucksvollen Streifen zu Wort. Ihnen hatte bereits 2011 Anna Siegel ein literarisches Denkmal gesetzt. In ihrem Buch „Frauen, Fische, Fjorde“, das inzwischen um drei Kapitel aktualisiert wurde, schildert sie wie es einigen von denen erging, die das Abenteuer Auswanderung auf sich nahmen. Aus diesem romanhaft verfassten Werk wird die Autorin am 19. November um 20.15 Uhr im Buchcafé lesen.

Djupavik besaß einst die modernste Heringsfabrik Europas. Heute leben nur wenige Menschen in dem Ort an den Westfjorden.
Djupavik besaß einst die modernste Heringsfabrik Europas. Heute leben nur wenige Menschen in dem Ort an den Westfjorden. | Foto: Ljos Mynd

Neun Termine auf Bücherschau drehen sich um Island

Neun Termine sind dem Gastland während der zweiwöchigen Karlsruher Veranstaltung gewidmet. Hinzu kommt am 17. November ein kompletter Island-Tag, der um 12 Uhr mit einer kleinen Irreführung, sprich: mit einem Kursus „Isländisch für Anfänger“ beginnt – die Sprache ist dermaßen kompliziert, dass da kaum mehr als ein paar Brocken hängen bleiben dürften. Es gibt eine Lesung und einen Workshop für Kinder, Erwachsene dürfen, angeregt von Anna Dhom mit Island-Wolle stricken, um dann ab 18 Uhr im Meidinger Saal Dhom nochmals zu begegnen: dort in ihrer Funktion als Leiterin des Reisebüros Island Tours.

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Nach dieser Werbeveranstaltung bleibt immerhin noch Zeit für die Begegnung mit einer isländischen Autorin: Ab 20.15 Uhr liest im Buchcafé Yrsa Sigurdardóttir aus ihrem Thriller „R.I.P.“. Passend zu der mörderischen Erzählung wird isländischer Schnaps serviert, der auf der Insel ob seines düsteren Labels „svarti daudi“ genannt wird, auf deutsch: „Schwarzer Tod“.

Lyrischer Abend am Samstag in der Bibliothek

Reykjaviks Wahrzeichen: die Hallgrímskirkja, deren Gestaltung von dem für Island typischen Säulenbasalt inspiriert ist.
Reykjaviks Wahrzeichen: die Hallgrímskirkja, deren Gestaltung von dem für Island typischen Säulenbasalt inspiriert ist. | Foto: Ljos Mynd

Weniger brutal und hochprozentig geht es zuvor am 16. November in der Bibliothek zu. Da gestaltet der Maler Jón Thor Gíslason zusammen mit dem Autor und Übersetzer Wolfgang Schiffer einen Abend, der um isländische Lyrik kreist. Schiffer hat zuletzt im ELIF-Verlag die Bände „Ljód muna rödd / Gedichte erinnern eine Stimme“ mit Werken von Sigurdur Pálsson und „frelsi / freiheit“ von Linda Vilhjálmsdóttir herausgebracht, die sich nicht zuletzt mit den politischen und finanzkapitalistischen Verwerfungen in ihrem Land auseinandersetzt.

Musikalisch begleitet von dem Gitarristen Volker Schäfer werden die Texte auf Deutsch und Isländisch zu hören sein. Wer mehr das Praktische sucht, dem empfiehlt sich an diesem Abend ab 20.15 Uhr im Buchcafé Kristof Magnusson mit seiner ebenso lesenswerten wie informativen „Gebrauchsanweisung für Island“.

Auch Filme sind auf der Bücherschau zu sehen

Weiteres zu dem nordeuropäischen Land bieten am 21. November um 19.30 Uhr im Meidinger Saal der Dokumentarfilm „Ausgerechnet Island“, eine Lesung mit Steinunn Sigurdardóttir am 27. November um 20.15 Uhr („Heidas Traum. Eine Schäferin auf Island kämpft für die Natur“; Buchcafé) und ein Abend mit Thilo Mischke, der am 28. November im Buchcafé ab 20.15 Uhr aus seinem Buch „Die Isländer, die Elfen und ich“ liest.

Zu guter Letzt gibt es am 30. November im Meidinger Saal eine Live Reportage in 3D, bei der der Fotograf Stephan Schulz „Island & Grönland. Naturparadiese des Nordens“ vorstellt und damit einen visuellen Schlussakzent unter die Bücherschau setzt.

Info
Vom 15. November bis zum 1. Dezember findet im Regierungspräsidium am Rondellplatz, aber auch an anderen Orten die 37. Karlsruher Bücherschau statt. Ein Themenschwerpunkt liegt auf Island, dem Gast der Bücherschau, daneben gibt es ein stark regional orientiertes Programm. Vormittags finden Schülerlesungen statt, am 24. November wird ein Umwelttag veranstaltet, der seinen Abschluss in einem Vortrag von Sylvia Schaab findet. Die Journalistin erklärt dann: „Es geht auch ohne Plastik“ – fast schon ein Appell an die Buchbranche.
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 10 bis 20 Uhr, Sonntag: 11 bis 20 Uhr
Eintritt: Tageskarte: 2 Euro / 1 Euro; Dauerkarte: 5 Euro / 4 Euro. Freier Eintritt für Kinder bis einschließlich 14 Jahren, Kindergartengruppen, Schulklassen und Inhaber der SWR2-Kulturkarte.