Die Karlsruher Eislauffläche am Schloss war möglicherweise Ziel eines islamistischen Anschlags. Das Ungewöhnliche an dem Fall ist, dass der in der vergangenen Woche festgenommene Verdächtige schon vor seiner Festnahme seinerseits einen Bekannten islamistischer Umtriebe bezichtigte. Es war dies ein V-Mann der Polizei. | Foto: Donecker

Islamisten unter sich?

Zweifelhafter V-Mann belastet Karlsruher Terror-Verdächtigen

Wie fühlt sich das an für den Spezialfahnder der Polizei? Seit Monaten beschattet er verdeckt und akribisch diesen ihm als gefährlichen Islamisten vorgestellten Mann. Und der fährt, seine professionellen Verfolger im Schlepp, geradewegs zur nächsten Polizeidienststelle.

V-Mann schon im November angezeigt

Mindestens zweimal ist das den Beamten passiert, die Dasbar W. observierten – den Mann, dem vorgeworfen wird, er habe einen Terroranschlag auf die Karlsruher Eisbahn „erwogen“.

Wie berichtet, wurde der gebürtige Freiburger, dessen Eltern aus dem kurdischen Teil des Iraks stammen, am vergangenen Mittwoch festgenommen.

Anschlag auf Karlsruher Eisbahn „erwogen“?

Dasbar W.’s Verteidiger, der Karlsruher Rechtsanwalt Marc Jüdt, bestätigt gegenüber den BNN: „Mein Mandant hat einen Bekannten wegen des Verdachts einer islamistischen Straftat angezeigt.“

Dies soll bereits im November geschehen sein. Inzwischen hat sich herausgestellt, bei dem angezeigten Bekannten handelt es sich um einen V-Mann des Landeskriminalamtes.

Vom V-Mann radikalisiert?

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung war Dasbar W. noch wenige Stunden vor seiner Verhaftung am vergangenen Mittwoch bei der Polizei, um seine Sorge, der Mann könne einen konkreten Anschlag planen, zu bekräftigen.

Er versuche, ihn zu radikalisieren und in „seltsame Geschäfte hineinzuziehen“. Selbst den Karlsruher Christkindlesmarkt als mehr oder weniger konkretes Anschlagsziel soll der Bekannte angesprochen haben.

Beim Gabelstapler-Lehrgang kennengelernt

Doch der V-Mann, den der Festgenommene bei einem Lehrgang für Gabelstaplerfahrer kennengelernt haben soll, hat zu diesem Zeitpunkt seinen Kontaktpersonen beim Landeskriminalamt längst schon Dasbar W. als möglichen islamistischen Terroristen genannt.

„Die haben sich gegenseitig für Islamisten gehalten“

„Mein Mandant und sein Bekannter haben sich gegenseitig für Islamisten gehalten“, fasst Jüdt seine Sicht der Dinge zusammen. Aber das Landeskriminalamt schenkt dem eigenen V-Mann mehr Glauben als Jüdts Mandanten. Das ist spätestens seit dessen Festnahme klar.

Bundesanwalt will Meldung „nicht dementieren“

Bei der Generalbundesanwaltschaft gibt man sich indes bedeckt. Dass es tatsächlich eine Strafanzeige gegen den V-Mann gab, erstattet vom derzeitigen Angeklagten und wegen des Vorwurfs, der Bekannte stehe möglicherweise dem islamistischen Terror nahe, wollte eine Sprecherin des Generalbundesanwaltes „nicht dementieren“.

Anzeige nur ein Ablenkungsmanöver?

Der Haftbefehl gegen Dasbar W. stütze sich allerdings nicht nur auf Angaben des V-Mannes, sondern auch auf Erkenntnisse aus den vorangegangenen längeren – auch technischen – Überwachungsmaßnahmen.

Beim Landeskriminalamt, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, sehe man in der Anzeige gegen den V-Mann nur ein Ablenkungsmanöver.

Zweifelhafte Glaubwürdigkeit

Dasbar W. habe möglicherweise geahnt, dass es sich bei seinem Bekannten um einen V-Mann der Polizei handle und habe dann versucht, seinerseits in die Offensive zu gehen, den Mann als Terroristen anzuschwärzen und sich selbst aus der Schussbahn zu bringen.

Allerdings gebe es auch Stimmen im Landeskriminalamt, die die Glaubwürdigkeit des eigenen V-Mannes in Zweifel ziehen. Schon einmal habe er seinen Kontaktleuten beim LKA nur die halbe Wahrheit erzählt.

„Objektive Überprüfungsmöglichkeiten fehlen“

In einer Aktennotiz der Landesbehörde heißt es offenbar an einer Stelle: Aufgrund „fehlender objektiver Überprüfungsmöglichkeiten“ der Aussage des V-Mannes über Dasbar W. könne „keine abschließende Bewertung des Wahrheitsgehalts erfolgen“.

Propaganda für den IS

Gleichwohl befindet sich Dasbar W. seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Bei den „weitere Indizien“, die die Generalbundesanwaltschaft in der vergangenen Woche dazu brachten, zuzuschlagen, handelt es sich unter anderem um Propaganda-Videos, die Dasbar W. für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ erstellt und im Internet verbreitet haben soll.

Als Paketfahrer beworben

Außerdem soll er sich bei mehreren Paketdiensten vergeblich als Fahrer beworben und das Gelände rund um die Eislauffläche am Karlsruher Schloss ausgekundschaftet haben.

Die Sicherheitsbehörden hielten es deshalb für unabdingbar, den Mann zu verhaften.

Berliner Fehler vermieden

Man wollte offenbar nicht die gleichen Fehler begehen, die der Berliner Polizei nach dem tödlichen Anschlag auf den dortigen Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im vergangenen Jahr vorgeworfen wurden, man hätte zu lange gezögert und den Verdächtigen wieder aus den Augen verloren.

In der Karlsruher Bevölkerung war auch genau dieses Vorgehen auf große Zustimmung gestoßen. Eben weil die Polizei schon weit im Vorfeld eines möglichen Anschlags zugegriffen hätte, fühlten sich viele Bürger sicherer.