RUND GEHEN DIE GESCHÄFTE BEIM BGV: Die Versicherungsgruppe aus Karlsruhe verbucht einen Rekord beim Gewinn und bei den Beitragsrückerstattungen. | Foto: jodo

Karlsruher BGV-Gruppe

Zwischen den Welten

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Das ist der Zeitgeist: Immer mehr Verbraucher streamen Musik via Spotify. Sie schauen sich ihre Lieblings-TV-Serie – wann sie es wollen – über Netflix an. Oder sie nutzen ein Auto über Anbieter wie Stadtmobil, wenn sie es auch wirklich brauchen. In der sogenannten Shared Economy müssen die Dienstleistungen hip sein und bei Nichtgefallen schnell wieder kündbar. Dieser Trend wirkt sich auch auf Anbieter von Versicherungen aus.

Bei der Versicherungsgruppe BGV/Badische Versicherungen hat man das früh erkannt. Wenn Verbraucher schon aufs eigene Auto verzichten, dann versichert man eben regionale Car-Sharing-Anbieter. „Wir sind hier bundesweit der größte Versicherer“, so der stellvertretende BGV-Chef Edgar Bohn am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz. Und mit dem neuen Angebot „Fleximobil“ wende man sich an junge Fahrer und Wenigfahrer, damit für sie bei all dem Sharing-Hype ein eigenes Auto interessant bleibt: Hier gibt es einen Grundbetrag; ansonsten wird nach gefahrenen Kilometern der Versicherungsbetrag berechnet. Ein Stecker in der Diagnose-Buchse im Fußraum des Autos meldet die Kilometer – und nur diese. „Wir wollen nicht wissen, ob einer zu schnell gefahren ist“, sagt Bohn zu dem Angebot, das zuvor unter dem Arbeitstitel „Telematik-Light-Tarif“ lief. Als Bonus können Versicherte an Partnertankstellen zwei Cent pro Liter Sprit sparen.

Auch beim Autonomen Fahren sammelt der BGV übrigens Erfahrungen – als Versicherer des entsprechenden Testfelds in der Großregion Karlsruhe.

Versicherungspaket ist täglich kündbar

Noch ein Mega-Thema haben die Karlsruher aufgegriffen: Konsumenten mögen in der schnelllebigen Zeit einfache Rundum-Sorglos-Angebote, die sich auch online abschließen lassen. Dazu gehört neuerdings „4Starters“ für unter 30-Jährige. Hausrat-, Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Unfall- und Onlineschutz sind in ein Paket gepackt – täglich kündbar und unkompliziert, etwa beim Wohnungsumzug.
BGV-Chef Heinz Ohnmacht sagt, im Laufe der kommenden Jahre wolle man entsprechende schlanke Produkt-Pakete auch für Schüler, Studenten, Familien und Best Ager anbieten, eventuell ergänzt um Produkte von Partnern wie Krankenversicherern. Ein Stichwort könnten hier Privatpatienten-Behandlungen in Krankenhäusern sein.

Rekord bei Beitragsrückerstattung

Solche Innovationen kosten den BGV erst einmal etwas – die Versicherungsgruppe kann sie sich aber auch erlauben. „2017 war ein sehr erfolgreiches Jahr“, verdeutlicht Ohnmacht. Die Beitragseinnahmen stiegen um 4,6 Prozent – Branchenschnitt waren drei Prozent –, der Jahresüberschuss lag erstmals über zehn Millionen Euro, die Eigenkapitaldecke ist dick. Zudem schüttet das Unternehmen die Rekordsumme von 7,6 (2016: 6,9) Millionen Euro aus. Konkret profitieren die BGV-Mitglieder – also vor allem die badischen Kommunen – sowie die Privatkundschaft mit ihrer Hausrat- und Unfallversicherung. Ohnmacht: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Versicherungslandschaft, auf das wir sehr stolz sind.“

Obwohl der BGV schon seit vielen Jahren mit neuen Produkten experimentierfreudig ist und seine online-Angebote ausbaut, setzt er parallel auf die klassische Kundenberatung. Anders als viele andere Assekuranzen oder Banken schließe man keine Filialen, im Gegenteil. Der BGV hat das Netz seiner badischen Kundencenter erweitert: Rastatt ist die Nummer neun.

 

„Pflegeheimplatz innerhalb von 24 Stunden“

Der Temposünder recherchiert im Internet, wie hoch das Bußgeld sein könnte – und schwupps bietet sich ihm eine Kanzlei an. Die online-Welt treibt insofern auch die Rechtsschutzversicherer um, so Roland Fahrner und Thomas Kollöffel, die beiden Vorstände der BGV-Tochter Badische Rechtsschutzversicherung AG.
Sie kontern mit Serviceangeboten, so etwa der Rechtsschutzversicherung 58 plus. Der so versicherte Best-Ager kann etwa auf einen Gesundheitsratgeber zurück greifen, bekommt im Akutfall „innerhalb von 24 Stunden“ einen wohnortnahen Pflegeheimplatz vermittelt. Oder ein Dienstleister durchforstet den digitalen Nachlass und sorgt für die entsprechenden Kündigungen. In dieser Form sei ein solches Paket im Markt einmalig, so Fahrner. Über 1 000 Verträge habe man 2017 abgesetzt.
Parallel bleiben Klagen im Zuge des Diesel-Skandals ein großes Thema.