"Bezahlbare Wohnung gesucht“: Eines der Anliegen der Liga der freien Wohlfahrtspflege für den Landkreis Karlsruhe ist es, die Menschen in den Blick zu bringen, die auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt keine Chance mehr haben. | Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Aktion „Nick doch mal“

Wohlfahrtsverbände gehen in Landkreisstädten auf die Straße

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Die Kommunalwahl am 26. Mai möchte die „Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Karlsruhe“ als Plattform nutzen, um sich für aktuelle Themen zu positionieren – und den Wert der sozialen Arbeit in den Fokus zu rücken. Aber: „Braucht’s dafür die 37. Podiumsdiskussion? Oder noch einen Flyer mehr, der den Briefkasten verstopft?“, fragt Elke Krämer, Geschäftsführerin der AWO Soziale Dienste, die zurzeit den Vorsitz in der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Karlsruhe inne hat. „Nein“, meint sie, „es müssen nicht immer Infotische und Handzettel sein, um Menschen zu erreichen.“ Genau deshalb startet die Liga Anfang Mai im Landkreis die Aktion „Nick doch mal“ am Straßenrand.

Aktionen in Bruchsal, Bretten, Ettlingen, Stutensee und Waghäusel

Von Montag 6. Mai, bis Freitag, 10. Mai, werden die in der Liga des Landkreises Karlsruhe zusammengeschlossenen Wohlfahrtsverbände dann an verschiedenen Tagen an verschiedenen Standorten an Straßen in Bruchsal, Bretten, Ettlingen, Stutensee und Waghäusel zu unterschiedlichen Zeiten mit Plakaten und kurzen Statements zu verschiedenen Bereichen an die Öffentlichkeit gehen.

Wert der sozialen Arbeit steht im Fokus

Ihre thematischen Anknüpfungspunkte finden die Wohlfahrtsverbände in sechs zentralen Lebensfeldern: Wohnen und Wohnumfeld, Pflege und Service, Arbeit und Beschäftigung, Bildung und Teilhabe, Medizin und Gesundheit, Kommunikation und Engagement. Im Einzelnen geht es ihnen darum, Wohnungsnot zu vermeiden, ortsnahe Unterstützungsleistungen aufzubauen, langzeitarbeitslosen Menschen Chancen auf Beschäftigung zu eröffnen, inklusive Bildung zu ermöglichen, ärztlich-medizinische Versorgung sicherzustellen und eine tragende soziale Infrastruktur für die Zukunft zu entwickeln.

„Nick doch mal“ soll Anstoß sein

Die Aktion „Nick doch mal“ solle Anstoß sein, um auf diese Themen aufmerksam zu machen, erklärt Ulrike Sinner, die Karlsruher Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Es werden bei der Kommunalwahl viele soziale Themen behandelt. Aber wir wollen die Arbeit aufgreifen, zeigen wie wir sie umsetzen – Stichwort Vernetzung – und für was wir stehen“, macht Elke Krämer deutlich.

 Keine Positionierung zu Parteien

Zugleich betont Elke Krämer, dass sich die Liga mit der Aktion nicht politisch zu Parteien positioniere, sondern zu den Themengebieten der Sozialpolitik. Außerdem wolle man, so Krämer, im benannten Fokus der sozialen Arbeit die Haltung der Wohlfahrtsverbände im Landkreis Karlsruhe darstellen.

Liga der freien Wohlfahrtspflege: Gemeinsam für den Menschen

„Wichtig ist: Alle Wohlfahrtsverbände in der Liga stehen für alle Themen“, erklärt Sabina Stemann-Fuchs, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Bruchsal. „Wir müssen uns um alle Themen kümmern, in allen Kontexten“, fügt Yvonn Hürten, die Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Ettlingen hinzu. „Verschiedene Themen, aber gemeinsam für den Menschen – so wollen wir wahrgenommen werden“, macht Rüdiger Heger, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis Karlsruhe, deutlich.

Das sind keine Eintagsfliegen

Mit ihrer Straßenaktion melde sich die Liga der freien Wohlfahrtspflege zu Themen, die im Wahlkampf nur „schlaglichtartig“ abgehandelt würden, so Elke Krämer. „Aber das sind alles keine Eintagsfliegen und vor der Kommunalwahl ist nach der Kommunalwahl, die Themen werden wieder aufs Tablett gebracht. Das ist unsere tägliche Kärrnerarbeit.“

Enge Zusammenarbeit mit Ämtern

Die freie Wohlfahrtspflege bietet in ihren Diensten nicht nur Beratung und Unterstützung an, sondern vertritt auch sozialanwaltschaftlich die Interessen benachteiligter Menschen auf der lokalen Ebene und in der Landespolitik. Vor Ort geschieht das durch eine enge Zusammenarbeit mit den Ämtern von Landkreis und Kommunen. Sie erarbeitet eigene Konzepte, zum Beispiel zur Sozialberatung von Geflüchteten.

Stichwort: Liga der freien Wohlfahrtspflege 
Die „Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg“ ist ein Verein, der von den elf Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege im Land am 22. September 1952 als gemeinsame Arbeitsplattform gegründet worden ist.
Bereits 1973 haben sich in der „Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Karlsruhe“ der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe-Land, die Caritasverbände Bruchsal und Ettlingen, das Deutsche Rote Kreuz sowie das Diakonische Werk Landkreis Karlsruhe zusammengeschlossen. Das Ziel ist, gemeinsam mit der öffentlichen Wohlfahrtspflege der Städte und Gemeinden das soziale Profil im Landkreis mitzugestalten und damit für eine flächendeckende soziale Infrastruktur und für gerechte Lebensverhältnisse für alle Menschen zu sorgen. matz