Der Alternative Nobelpreisträger Yacouba Sawadogo: Mit seiner Hacke und der Zaï-Methode hat er aus der Wüste in Burkina Faso wieder fruchtbares Land gemacht. Er besuchte am Donnerstag die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal.
Der Alternative Nobelpreisträger Yacouba Sawadogo: Mit seiner Hacke und der Zaï-Methode hat er aus der Wüste in Burkina Faso wieder fruchtbares Land gemacht. Er besuchte am Donnerstag die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal. | Foto: Hora

Yacouba Sawadogo

Alternativer Nobelpreisträger teilt sein Wissen um Landwirtschaft und traditionelle Medizin in Bruchsal

Anzeige

Die karge Wüste hat sich durch Yacouba Sawadogos landwirtschaftliche Methode wieder in einen grünen artenreichen Wald verwandelt. Auf Chemie verzichtet er gänzlich, er nutzt lediglich die Natur selbst. Für sein Projekt in Burkina Faso gewann er 2018 den Right Livelihood Award – auch bekannt als der Alternative Nobelpreis – für sein Engagement zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung und Waldgewinnung auf bis dahin dürrem und unfruchtbaren Land.

Sein Wissen teilt er bei seinem Deutschland-Besuch in Bruchsal. Mit seinem Wald erhält er nicht nur die Pflanzenwelt. Was er anbaut, verwendet er, um den Menschen vor Ort mit traditioneller Medizin zu helfen. „Ich habe gesehen, dass sowohl die Natur als auch das Wissen darüber verschwinden. Beides wollte ich für die nächste Generation erhalten“, sagt er.

Auch interessant: Heidelberger Druckmaschinen verkleinert Standort in Wiesloch

Wald als Antwort auf Dürre

„Der Mann, der die Wüste stoppte“ – wie Sawadogo oft betitelt wird – verwaltet einen 27 Hektar großen Wald in der Sahel-Zone in Burkina Faso. Rund 96 verschiedene Baumarten, über 80 Sträucher und 70 Kräuter wachsen darin, sagt Sawadogo beim Gespräch in der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik, zu dem Jürgen Wacker, FDP-Kreisrat und Chef der Frauenklinik, geladen hatte.

Auch interessant: Brettener gibt den Führerschein ab – nach 60 Jahren

Projekt entwickelt sich weiter

Sawadogo kümmert sich noch immer selbst um seinen Wald, den er vor über 40 Jahren während der Dürre anzulegen begann. „Ich sammle Äste und Produkte der Pflanzen ein, um sie in meiner Baumschule weiter aufzuziehen“, erklärt der 74-Jährige. Hilfe erhält er dabei unter anderem von seinen 26 Kindern. „Sie kümmern sich nicht alle darum, aber sind immer mal wieder beteiligt.“

Mit seiner Hacke hat Yacouba Sawadogo (Mitte) sein Projekt gestartet. Zu seinem Besuch in der Fürst-Stirum-Klinik brachten er und sein Sohn dem Leiter der Frauenklinik Jürgen Wacker (rechts) eine mit.
Mit seiner Hacke hat Yacouba Sawadogo (Mitte) sein Projekt gestartet. Zu seinem Besuch in der Fürst-Stirum-Klinik brachten er und sein Sohn dem Leiter der Frauenklinik Jürgen Wacker (rechts) eine mit. | Foto: Hora

Sawadogo nutzt Pflanzen für die Medizin

Doch neben dem Erhalt der Pflanzen hat sich Sawadogo auch der traditionellen Medizin seines Heimatlandes verschrieben. Er träumt davon, in der Zukunft ein Krankenhaus zu errichten und den Menschen mit dem, was er anbaut, noch stärker zu helfen. Seit 2014 gibt es bereits erste kleine Häuser, in denen er praktiziert. „Für die Medizin dürfen die Pflanzen aber nicht mit Chemie gedüngt werden“, sagt Sawadogo. Nur so könne er sie für diese Zwecke benutzen.

Durch den Award wurde mir mehr Höflichkeit entgegengebracht.

Yacouba Sawadogo, Alternativer Nobelpreisträger

Zu Beginn seines Projekts stieß Sawadogo auf Widerstand – sein Wald wurde teilweise angezündet. „Durch den Award wurde mir mehr Höflichkeit entgegengebracht. Das hat mich bestärkt, in dem was ich tue“, erinnert er sich.

Mit der Zaï-Methode wurde Sawadogos Land wieder grün: In der Trockenzeit füllt er Erdlöcher mit Laub, Asche, Viehdung und Samen. Steinzäune sammeln Regenwasser und leiten es langsam auf den Boden. Termiten helfen, diesen aufzulockern. Längst wird seine Arbeitsweise landesweit kopiert. „Hätte man vor 40 Jahren schon von seinen Ideen gewusst, wäre Burkina Faso jetzt grün“, vermutet Da Sansan Jean-Baptiste, ehemaliger Minister des Landes und Begleiter Sawadogos. „Wir hoffen, dass das in den nächsten Jahr passiert.“

Auch interessant: Die Friedensnobelpreisträger der vergangenen zehn Jahre

Sawadogo will sensibilisieren

Als er jünger war, habe es noch viel geregnet, ergänzt Sawadogo. Doch das sei mit der Zeit immer weniger geworden. Durch den Wald habe sich diese Entwicklung wieder umgekehrt. „Ich hoffe für mein Land, dass es ihm gelingt, die Umwelt zu schützen und die Wüste zurückzudrängen“, so Sawadogo. „Es ist wichtig, die Menschen weltweit zu sensibilisieren.“ Es sei sinnvoll und nötig, zur natürlichen Landwirtschaft zurückzukehren.

Mehr dazu: Alternativer Nobelpreis ehrt Kämpfer für Menschenrechte

Yacouba Sawadogo ist beim „Nord-Süd-Dialog in Zeiten des Klimawandels“ an diesem Freitag, 7. Februar, ab 15 Uhr im Bürgerzentrum Bruchsal zu Gast – einer Veranstaltung des Vereins Menschen für Frauen. Um seine medizinischen Methoden wird es am Samstag, 8. Februar, ab 13 Uhr bei der Jahrestagung der AG Fide in der Fürst-Stirum-Klinik gehen.