Auf Pflichtbesuch: Da die Bewohner von Pflegeeinrichtungen besonders gefährdet sind im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus, ist die weitere Versorgung der Patienten durch Hausärzte elementar.
Auf Pflichtbesuch: Da die Bewohner von Pflegeeinrichtungen besonders gefährdet sind im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus, ist die weitere Versorgung der Patienten durch Hausärzte elementar. | Foto: Berg/dpa

Krisenmanagement

Ansprechpartner für alle: Mediziner Klaus-Matthias Hasert koordiniert den Kontakt zwischen Ärzten, Heimen und Behörden

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Damit Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Behörden im Ernstfall, aber auch in der täglichen Arbeit schnell und unkompliziert reagieren können, koordiniert Mediziner Klaus-Matthias Hasert in Stadt und Landkreis Karlsruhe den Kontakt zwischen diesen. Denn miteinander zu tun, habe diese sonst eher wenig.

Im Zweifelsfall muss es schnell gehen. Bewohner von Pflegeeinrichtungen sind seit Wochen die Sorgenkinder des Landkreises, wenn es um das Coronavirus geht. Und die Statistik belegt auch warum: Die meisten aller Todesfälle im Zusammenhang mit den Folgen einer Infektion gehen auf Ausbrüche in Heimen zurück – in Bretten und Stutensee sowie im Walzbachtal. Damit Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Behörden im Ernstfall, aber auch in der täglichen Arbeit schnell und unkompliziert reagieren können, koordiniert Klaus-Matthias Hasert den Kontakt zwischen diesen.

Wichtig ist der lange Atem bei den Maßnahmen.

Klaus-Matthias Hasert, Neurologe in Philippsburg

„Denn das sind alles Bereiche, die sonst nichts miteinander zu tun haben“, sagt der Neurologe mit Praxis in Philippsburg. „Ich verteile die Informationen und kümmere mich darum, dass wir lösen, was es zu lösen gibt.“

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Je besser alle Beteiligten sich kennen und organisiert sind, desto einfacher sei die Situation zu managen. „Wichtig ist der lange Atem bei den Maßnahmen. Wir müssen uns auf einen Langstreckenlauf im Kampf gegen das Virus einstellen“, vermutet Hasert. „Diesen Kampf können wir nur mit freiwilligem Engagement gewinnen.“

Abstimmung auf kurzem Dienstweg

Der Krisenstab aus Stadt und Landkreis Karlsruhe war sich des Risikos, das in den Pflegeeinrichtungen herrscht, besonders mit Blick auf die steigenden Fallzahlen bewusst. Man wollte gegensteuern, erinnert sich Hasert. „Der Koordinator ist eher als Ansprechpartner gedacht, der die Verbindung zwischen Heimen, Ärzten, Behörden und Krisenstab herstellt, um bei Problemen schnell und abgestimmt reagieren zu können“, erklärt er.

Eine seiner ersten Aufgaben war die einheitliche Regelung, Heimbewohner mit leichten Krankheitszeichen frühzeitig zu testen und Schutzkleidung beim Besuch zu stellen. Wer für Letztere verantwortlich ist, sei klar geregelt: bei Corona-Patienten das Heim, bei anderen Patienten der Arzt.

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Für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heimen gebe es keine festen Regeln, so Hasert. Einzelne Einrichtungen würden bei sich Räume für eine Arztpraxis zur Verfügung stellen und haben somit immer einen Ansprechpartner in der Nähe. Andere hätten einen besonderen Betreuungsvertrag mit einem einzigen Hausarzt. „Bei wiederum anderen Heimen gerade in der Stadt werden Bewohner von zehn bis 15 verschiedenen Ärzten betreut“, erklärt Hasert. Diese seien der Heimleitung oft nicht bekannt. Man verlasse sich darauf, dass die Versorgung eben schon immer funktioniert habe.

Zuständigkeit im Kreis Karlsruhe ist gebündelt

Im Landkreis arbeite eine Einrichtung für gewöhnlich mit einem zuständigen Hausarzt zusammen. „An den Standorten außerhalb der Städte ist die Dichte einfach nicht so groß“, ergänzt er. Die meisten Ärzte betreuten dort jeweils etwa zwei bis drei Heime. Zusätzlich kümmerten sich die Ärzte aber auch um einzelne Patienten aus ihrer Praxis, die in entfernten Einrichtungen leben.

Das Risiko an einer Covid-19-Infektion zu sterben, ist für die Heimbewohner 50- mal größer als für das Pflegepersonal.

Klaus-Matthias Hasert, Mediziner und Koordinator

Bei den Bewohnern der Altenheime handle es sich in den meisten Fällen um hochbetagte, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen. Bedingt durch Vorerkrankungen besitzen sie weniger Abwehrkräfte gegen die Infektion und gegen eine manifeste Erkrankung. „Das Risiko an einer Covid-19-Infektion zu sterben, ist für die Heimbewohner 50- mal größer als für das Pflegepersonal“, gibt Hasert zu Bedenken.

Heim legt Ansprechpartner für medizinische Fragen fest

Gerade diejenigen Ärzte, die in der Praxis dem höchsten Infektionsrisiko ausgesetzt seien, müssten dann die besonders gefährdeten Heimpatienten betreuen. „Von der Kassenärztlichen Vereinigung wurde jetzt die Idee aufgenommen, dass sich die Betreuenden eines Pflegeheims auf jeweils zwei bis drei Praxen einigen, welche die Heimbesuche für alle Bewohner absolvieren“, erklärt Hasert die Änderung. Als Gegenstück benenne das Heim einen ständigen Ansprechpartner für alle medizinischen Fragen. Die anderen Hausärzte betreuen ihre Patienten weiter per Telefon- oder Videokontakt.

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„Diese Idee ist völliges Neuland und sie wird sicher nicht überall sofort umgesetzt werden können“, befürchtet Hasert. Ziel der Maßnahme sei neben der Entlastung der Hausärzte auch die Senkung des Ansteckungsrisikos für die Bewohner.

Zur täglichen Routine kommen Corona-Einsätze

Der grundsätzliche Mangel an Hausärzten komme in solchen Zeiten zum Tragen. „Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten auch im Rentenalter weiter, weil sie keine Nachfolger finden und ihre Patienten nicht im Stich lassen möchten“, sagt Hasert. Zu dieser täglichen Routinearbeit, die schon anstrengend genug sei, kämen jetzt die Patienten mit Verdacht auf Covid-19 sowie die mit dem Virus infizierten Patienten in der Praxis.

„Deshalb müssen sich Ärzte und Praxisteams zunächst selbst vor Infektionen schützen. Denn eine Praxis in Quarantäne oder mit Erkrankungen nützt den Patienten nicht“, so der Koordinator. Die Sorge einer Ansteckung begleite die Ärzte. „Wir hatten schon drei Fälle, in denen Hausarzt-Praxen vorerst isoliert werden mussten, weil sich herausstellte, dass infizierte Patienten dort waren.“

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