Die Pläne für den Retentionsraum „Elisabethenwört“ machen den Landwirten (von rechts) Bernd Denzel, Konrad Sauer, Volker Semmler und Ernst Keinath zu schaffen. Sie sehen ihre Existenz gefährdet.
Die Pläne für den Retentionsraum „Elisabethenwört“ machen den Landwirten (von rechts) Bernd Denzel, Konrad Sauer, Volker Semmler und Ernst Keinath zu schaffen. Sie sehen ihre Existenz gefährdet. | Foto: Werner

Fronten vor Ort sind verhärtet

Bauern fürchten im Überflutungsgebiet Elisabethenwört um Existenz

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Die Positionen und Fronten zum Überflutungsgebiet Elisabethenwört sind klar und verhärtet. Auf badischer Seite wehren sich im Schulterschluss die Kommunen Philippsburg und Dettenheim mit Bürgern gegen die von der Landesregierung für die Planfeststellung beschlossene Variante einer „kleinen Dammrückverlegung“.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Die Hoffnungen bei deren Gegnern auf die für sie einzig vertretbare Alternative eines gesteuerten Polders ohne ökologische Flutungen aber sind weitgehend geschwunden.

Betriebe müssten weg

Diejenigen, denen es tatsächlich an die Substanz geht, glauben nicht mehr daran, dass sich in dieser Richtung etwas tun wird. Es sind die fünf Haupterwerbslandwirte, die in dem Gebiet in Pacht Felder bewirtschaften. Volker Semmler und Konrad Sauer sitzen sozusagen auf einem Pulverfass. Sie sehen einer ihre „Existenz zerstörenden“ Entwicklung entgegen.

Die Nachbarn auf Elisabethenwört haben beim Rheindamm landwirtschaftliche Höfe als eigene Philippsburger Besitzstände mit Bewirtschaftungseinheiten und Wohnhäusern. Bei jeder Variante müssten die Betriebe weg, sagen sie. Unterm Strich heißt das Abriss mit einer Entschädigung. Wie diese ausfallen würde, sei unklar. Zudem wüssten sie viel zu wenig vom Zeitablauf und Abwicklung. Eine Entschädigung müsste so hoch ausfallen, dass sie anderswo wieder Betriebe aufbauen könnten, so Sauer.

Mehr zum Thema: Was sind Polder und wäre eine Dammrückverlegung möglich? Zudem zeigt eine Skizze die aktuellen Pläne auf.

Wo wäre neuer Standort?

Doch wo sollen die hin? Und eine Betriebsauflösung würde sich über Jahre hinziehen, sagen sie. Und was ist mit dem Land? Das muss als Pachtfläche nicht entschädigt werden. Ersatzäcker zu finden, ist seit langer Zeit ziemlich aussichtslos. Konventionelle Landwirte brauchen davon mehr als etwa Bio- Bauern, um über die Runden zu kommen.

Semmler betreibt 160 Hektar mit Schwerpunkt auf Rollrasen an seinem Sitz und auf Gemarkung Rußheim. Davon wären bei einer Dammrückverlegung rund 90 Prozent betroffen, hebt er hervor. Bei Sauer läge der Verlust bei rund 60 von 165 Hektar. Mit 100 Hektar könne man keinen herkömmlichen Betrieb mehr aufbauen. Für die beiden Nachbarn wäre es eine extreme Situation und der Region würden damit 200 Hektar fehlen, resümiert er.

Heimatverlust befürchtet

Beide Betriebe wurden 1953 von Semmlers und Sauers während des Zweiten Weltkriegs heimatvertriebenen Familien begründet. So befürchten sie nun eine neuerliche Vertreibung mit Verlust auch der Heimat. In ihrer Lage ohne genügend Informationen hätten sie noch nicht konkret überlegt, wie es im Ernstfall weitergehen könnte. Rente steht für die beiden 61-Jährigen alleine schon finanziell nicht zur Debatte. „Ich wollte arbeiten, solange es körperlich nur geht“, bekräftigt Semmler.

Bio-Bauern wären betroffen

Schwere Folgen würde die Dammverlegung auch für die Brüder Denzel zeitigen. Bio-Bauer Wolfgang Denzel betreibt auf 13 Hektar Gemüseanbau auf dem Rußheimer Hoffeld. Sein Verlust läge bei rund fünf Hektar, „Demeter“-Bio-Bauer Bernd Denzel baut ebenso im Hoffeld auf 68 Hektar Getreide, Soja und Kleegras an. Bei ihm würden 16 Hektar wegfallen. Er hofft, dass es noch lange so bleibt, wie es jetzt ist. Wenn das Land wegfiele, müsste er sich extrem einschränken, rechnet er. Noch habe er es nicht durchkalkuliert. Aber bedrohlich an die Substanz gehe es sicher.

Noch vergleichsweise moderat käme dagegen Stephan Keinath. Seine im Hoffeld betroffene Fläche umfasse zwölf Hektar, was fünf Prozent der betrieblichen Anbaufläche ausmache. Das sei durchaus viel, wenn man die Verluste an landwirtschaftlicher Fläche betrachte, gibt er zu bedenken. „Für uns wäre es kein Weltuntergang und verschmerzbar, aber bedauerlich und mit finanziellen Einbußen verbunden“, so Keinath.

Noch eine Chance?

Alle Landwirte und umso mehr die massiv bedrohten Semmler und Sauer sähen in einer speziellen Variante noch eine Chance, um Land weiter bewirtschaften zu können. Konkret wäre das ein gesteuerter Polder ohne ökologische Flutungen. Dann könnte man landwirtschaftlich noch etwas machen und dafür Perspektiven entwickeln, sagen sie.

Auch mit, aber ausdrücklich nur mit beschränkten ökologischen Flutungen, wäre dies denkbar. In der Rückverlegung an sich sieht bezüglich Hochwasserschutzes nicht nur Keinath den Sinn nicht. Wie Überschwemmungen wirken, macht Sauer an Semmlers Fahrzeughalle plausibel. Bei Pegel achteinhalb Meter Maxau würde das Wasser vier Meter hoch bis zur Dachkante stehen.

Mehr zum Thema:  Ursprünglich wurden sechs Varianten diskutiert.