"Kackis Mädelsflohmarkt" war einer der ersten Frauenflohmärkte in der Region. Der Veranstalter legt besonderen Wert auf den Eventcharakter. | Foto: Mehmet Ibi

Mode und Nachhaltigkeit

Bei diesem Flohmarkt in Karlsruhe haben Frauen Zeit für sich

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Viele Frauen kennen das Problem: Der Schrank ist voll, aber man hat trotzdem nichts anzuziehen. Abhilfe schaffen da Frauenflohmärkte. Doch die taugen längst nicht mehr nur zum Verkaufen der ehemaligen Lieblings-Jeans. Viele Flohmärkte haben sich zu richtigen Events gemausert.

Gemütlich mit der besten Freundin stöbern, ein Gläschen Sekt trinken, ein gutes Schnäppchen machen: Frauenflohmärkte sind im Trend. Viele Veranstalter gehen mittlerweile in die zweite, dritte oder sogar vierte Auflage und bieten ihren Besucher(innen) mehr als nur gebrauchte Kleider. Doch was macht die „Faszination Frauenflohmarkt“ aus?

Eintritt und Neuware sind Streitthemen

Vergleicht man die verschiedenen Veranstaltungen, fallen zwei Unterschiede ins Auge: die Frage des Eintritts und die Frage der angebotenen Waren. Nicht jeder Frauenflohmarkt lässt Neuwaren oder Selbstgemachtes zu. Gemeinsam ist den meisten jedoch, dass sie nicht im Freien stattfinden. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke verbindet sie. Viele Veranstalter wollen ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen.

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Vorbild kommt aus Hamburg

Einer der ersten Frauenflohmärkte in der Region war „Kackis Mädelsflohmarkt“. Veranstalter ist der Karlsruher DJ Sevan „Dr. Kackfisch“ Ormanciyan, der im Internet auf das Hamburger Original stieß und das Konzept 2015 erstmals nach Bruchsal brachte. „Dieses Format gab es vorher so noch nicht hier in der Region“, sagt Ormanciyan. Nur vier Wochen habe die Organisation des ersten Marktes im Bruchsaler Musikklub Fabrik gedauert.

Bei Kaffee und Kuchen kann gemütlich vier Stunden lang gestöbert, gefeilscht und getratscht werden.

Besonderen Wert legt Ormanciyan auf den Eventcharakter des Flohmarkts, auf Musik bei der Veranstaltung und kulinarische Angebote. „Bei Kaffee und Kuchen kann gemütlich vier Stunden lang gestöbert, gefeilscht und getratscht werden.“ Kaum ein Markt kommt ohne ein solches Rahmenprogramm aus. Das Angebot reicht von Musik von der CD über Snacks bis hin zu einem eigenen Barbereich mit Cocktails.

Beim Lady Time Frauen(floh)markt in Ubstadt-Weiher gibt es nicht nur Gebrauchtes, sondern auch Selbstgemachtes von Hobbykünstlern. | Foto: pr

Aus Kinder- werden Frauenflohmärkte

Bei „Kackis Mädchenflohmarkt“ zahlen die Besucher einen Unkostenbeitrag von zwei Euro als Eintritt. Viele private Anbieter verzichten auf Eintritt, so etwa beim Afterwork Ladiesflohmarkt in Blankenloch. Dort zahlen nur die Verkäufer eine Standgebühr, erklärt Manuela Schlimm vom Organisationsteam. Der Erlös kommt sozialen Projekten zugute.

Anfangs wussten wir nicht, ob das Konzept ankommt.

Entwickelt hat sich der Flohmarkt für Frauen aus einem Kinderflohmarkt – da sei das Kaufverhalten jedoch ein anderes gewesen. „Anfangs wussten wir nicht, ob das Konzept ankommt“, gibt Schlimm zu. Während die Besucher beim Kinderflohmarkt sofort an die Stände gingen, setzen sich viele Besucherinnen des Frauenflohmarkts erst einmal gemütlich an die Bar. Alles sei eben ein bisschen entspannter.

Haushalts- und Neuwaren sind dort tabu. Der Erfolg scheint dem Organisationsteam recht zu geben: Aufgrund der großen Nachfrage sollen diesmal zusätzliche Tische auf der Empore bereitgestellt werden. 82 Verkäuferinnen können dann ihre gebrauchten Kleider, Schuhe und Accessoires anbieten.

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Männer mit Fliege steigern den „Dienstleistungscharakter“

Auch in Kleinsteinbach fing man mit einem „Rund-ums-Kind“-Flohmarkt an, verrät Organisator Christian Roßwag. Der Familienvater bemerkte, dass in Zeiten von Ebay-Kleinanzeigen und Mamikreisel das Interesse an derartigen Veranstaltungen abnahm. Warum also nicht ein Flohmarkt nur für Frauen? „Unser Ziel ist es, die Frauen mal rauszuholen und ihnen Zeit für sich zu bieten“, erklärt er. Eben ein „Wohlfühlerlebnis“, bei dem sich Frauen und Mütter untereinander austauschen können.

Und ein bisschen von den Männern verwöhnt werden: Beim diesjährigen Frauenflohmarkt sollen die männlichen Helfer wieder ein weißes Hemd und Fliege tragen, um den „Dienstleistungsgedanken“ zu unterstreichen, scherzt Roßwag. Der Erlös geht an die beiden Kindergärten in Kleinsteinbach.

Männer spielen bei Frauenflohmärkten meist nur als Berater und Unterstützer eine Rolle – oder als Taschenträger. Willkommen sind sie zwar (fast) immer, doch nur selten verkaufen sie etwas. Die meisten von ihnen unterstützen die Organisatoren im Hintergrund.

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Secondhand hat Schmuddel-Image verloren

Sigrid Holler und Vanessa Metz verzichten bei ihrem Frauen(floh)markt in Weiher ebenfalls auf Eintritt. Sie haben die Befürchtung, dass der Besucherinnen abhalten könnte, die nichts brauchen, sondern nur ein bisschen schlendern wollen. Bei ihrem Flohmarkt kombinieren die beiden Veranstalterinnen gebrauchte Kleider mit Handmade-Ständen privater Hobbykünstler und Gewerbetreibender. „Wir wollten eine gesunde Mischung“, sagt Metz.

Das Tabu ist weg.

Scheu vor gebrauchter Ware hat scheinbar niemand mehr. „Secondhand ist im Trend“, findet Mode-Influencerin Fenna aus Eggenstein-Leopoldshafen. Gebrauchte Kleidung zu kaufen sei nichts mehr, wofür man sich schämen müsste. „Das Tabu ist weg“, ist auch Metz überzeugt. Viele Menschen hätten inzwischen umgedacht.

„Man hat viel im Schrank und will das nicht unbedingt wegschmeißen“, ergänzt Holler. Das Thema Nachhaltigkeit spielt deshalb eine große Rolle – neben dem Preis natürlich. Beim Handeln sind Hollers Erfahrung nach die meisten Frauen jedoch noch zurückhaltend. „Viele trauen sich nicht.“

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