Ausgesperrt: Örtliche Vorwahlen in Branchenbüchern oder auf Internetseiten sind kein Indiz für einen seriösen Schlüsseldienst, warnen Polizei und Verbraucherschützer. | Foto: Christin Klose/dpa

Verbraucherschützer warnen

Betrügerische Schlüsseldienste: Die Masche mit der langen Anfahrt

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Schlüsseldienste gelten als unseriös, die Branche hat einen schlechten Ruf. Im Großraum Karlsruhe liegen Polizei und Verbraucherschützer aktuell wenig bis keine Beschwerden vor. Grund zur Sorglosigkeit gibt es deshalb aber nicht. Verbraucher sollten sich frühzeitig über seriöse Angebote informieren.

Schlüsseldienste genießen nicht den besten Ruf. Die Branche gilt als unseriös, Geschichten von Wucher und Abzocke machen immer wieder die Runde. Der Landkreis Karlsruhe scheint auf den ersten Blick davon nicht betroffen. Sowohl Polizei als auch Verbraucherzentrale liegen keine aktuellen Beschwerden vor. In Karlsruhe selbst sieht das jedoch anders aus.

Lange Anfahrt und hohe Rechnungen

Zwei Fälle von betrügerischen Schlüsseldiensten seien ihm im Stadtgebiet Karlsruhe bekannt, sagt Polizeisprecher Ralph Fiedler. Einer habe sich im Februar dieses Jahres, der andere im Juli 2019 ereignet. In beiden Fällen hätten die Betroffenen im Internet nach Schlüsseldiensten gesucht und bekamen am Ende von den Monteuren eine saftige Rechnung präsentiert.

Fiedler rät, sich bei der Online-Suche nicht von örtlichen Vorwahlen blenden zu lassen. Lieber sollte man sich in Ruhe vorher informieren und seriöse Dienstleister abspeichern. Ist man doch auf einen Betrüger hereingefallen, sollte man die Polizei hinzuzuziehen – am besten, solange der Schlüsseldienst noch vor Ort ist. Die Beamten könnten dann die Personalien der Monteure aufnehmen – eine wichtige Grundlage für ein späteres Zivilrechtsverfahren.

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Örtliche Vorwahlen sind nicht immer ein Indiz für regionale Dienstleister

Die ersten fünf Treffer bei der Online-Suche seien in der Regel Werbung, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Meist leiten die Telefonnummern dieser Anbieter die Kunden zu einem Callcenter weiter. Das schicke dann bisweilen weit entfernte Monteure – was für die Kunden nicht nur lange Wartezeiten, sondern auch hohe Anfahrtskosten bedeuten kann.

Dahinter verbergen sich mafiös anmutende Strukturen: Vor Ort werden die Kunden nicht selten unter Druck gesetzt. Man drohe mit Polizei oder Inkassounternehmen, so Bauer. Manche Monteure verlegten sich auch auf ein „Good Cop/Bad Cop“-Vorgehen: Während einer zudringlich werde, versuche der andere die Kunden mit Horrorgeschichten des strengen Chefs zu beeinflussen.

Wenn Sie bei diesen Firmen zahlen, dann ist das Geld weg.

Matthias Bauer, Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg

Verbrauchern rät Bauer, vor dem Anruf im Impressum der Website zu prüfen, ob es sich tatsächlich um einen regionalen Anbieter handelt. Seiten ohne Impressum sollte man besser meiden. „Wenn Sie bei diesen Firmen zahlen, dann ist das Geld weg“, betont der Verbraucherschützer.

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Auf Festpreise bestehen

Doch mit welcher Summe sollte man rechnen, wenn man sich ausgesperrt hat? Bauer verrät: Laut einer Preisabfrage der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2017 könne eine einfache Türöffnung unter der Woche zwischen 80 und 90 Euro brutto kosten. An Feiertagen seien auch bis zu 200 Euro brutto möglich. Verbraucher sollten den Schaden gleich beim Anruf genau benennen und auf Festpreise bestehen, rät Bauer.

Feste Preise spielten bei Kai Erbe von Anfang an eine große Rolle. Der Metallbauer aus Kirrlach betreibt seit fünf Jahren einen Schlüsseldienst im Nebenerwerb. Auf seiner Homepage hat er eine feste Preisliste veröffentlicht, auch um den Kunden Orientierung zu bieten.

Jeder denke bei Schlüsseldiensten gleich an horrende Rechnungen, weiß Erbe. „Die Branche ist in Verruf“, sagt er, das erschwere seine Arbeit. Kunden hätten ihm von teuren Schlüsseldiensten berichtet, die obendrein auch noch die Tür beschädigt hätten. Erbe glaubt, dass der überwiegende Teil der Schlüsseldienste nicht seriös arbeitet.

Aktuell liegen der Verbraucherzentrale aus dem Kreis Karlsruhe keine Beschwerden vor. Dennoch sei die Branche „wie eine Hydra“, beklagt Matthias Bauer – schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Teilweise hätten sich die Betrüger bereits auf andere haushaltsnahe Dienstleistungen wie Rohrreinigungen oder Schädlingsbekämpfung verlegt.

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