Erschwerte Bedingungen: Auch Baumschulen haben mit der lang anhaltenden Trockenheit zu kämpfen. Der Boden ist so hart, dass Gehölze und Bäume nicht, wie hier auf dem Archivbild, ausgraben werden können. | Foto: dpa/BodoMarks

Zu wenig Wasser

Trockenheit macht in der Region Probleme

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Sommerfeeling pur. Seit Monaten. Zumindest für alle, die von der Oktoberwärme jetzt doch so langsam genug haben, ja, es wird langsam kühler. Was vorerst aber bleibt, zumindest noch über das Wochenende, ist die seit einer gefühlten Ewigkeit gleiche Wetterlage – und damit auch die Trockenheit. Die verwandelte viele Flüsse und Bäche in kümmerliche Rinnsale. Der Pegel des Rheins bei Karlsruhe-Maxau hat einen historischen Tiefstand erreicht und bereitet Binnenschiffern und Fährleuten Probleme. Das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Aber auch Landschaftsgärtner, Baumschulen oder Sportvereine stöhnen angesichts des einfach nicht fallen wollenden Regens. Und – auch das ist jetzt, knapp zwei Monate vor Heilig Abend ein ernstes Thema – die Christbaumverkäufer.

Kraftakt für Garten- und Landschaftsbauer

Staubtrocken oder betonhart: Die Bodenbeschaffenheit nach zig so gut wie regenlosen Monaten macht Garten- und Landschaftsbauer Samuel Hecht aus Stutensee-Spöck ganz schön zu schaffen. Beispiel Rasenflächen neu anlegen. Das wird bisweilen zum Kraftakt. „Wegen der knochentrockenen Böden brauchen wir einiges länger, um den alten Rasen abzuschälen“, sagt Hecht. Zwar sei der Herbst „grundsätzlich besser“ für Gehölzpflanzungen, oder um einen Garten anzulegen. Doch angesichts der Trockenheit empfiehlt der Experte: „Wer einen neuen Rasen möchte, sollte definitiv warten – oder gleich eine Bewässerungsanlage mit einbauen.“

Neubepflanzungen brauchen viel Wasser zum Einwurzeln

Und Neubepflanzungen? Dagegen spreche nichts, doch benötigen die in den ersten Wochen ausreichend Wasser zum Einwurzeln. Auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten muss Samuel Hecht ein ums andere Mal seine Kunden, wenn es ums Bäume pflanzen geht: „Die Baumschulen bekommen die nicht ausgegraben.“ Aber, meint er, jetzt sei ja auch die Zeit der Herbstpflege und „wir haben aktuell noch genügend anders zu tun.“

Baumschulen bekommen Gehölze nicht aus dem Boden

„Der Boden ist so hart, dass wir Gehölze und Bäumchen nicht rausholen können“, verdeutlicht Inge Krüger von der Baumschule Klotz, Pflanzenhandel Robert Steinacker, in Bruchsal. Die Ballenware – das sind Gehölze und Bäumchen, die „verschult“, also auf dem Feld umgesetzt worden sind, damit sie später besser anwachsen – würde nicht halten, sprich, sich die trockene Erde von den Wurzeln lösen. Das sei nicht gut für die Qualität. „Deshalb bieten wir Ballenware nur auf Bestellung an“, erklärt Inge Krüger. Dann würden die Nadelbäume, Immergrünen Laubbäume und Alleegehölze vorher gewässert. Apropos Wasser: Einen erheblichen Mehraufwand haben die Baumschulen damit, Pflanzen und Sträucher vor den Folgen der Trockenheit zu schützen. „Die Pumpe läuft rund um die Uhr“, so Krüger. An eine ähnlich lang anhaltende Trockenperiode könne sie sich nur einmal erinnern. „Aber das“, meint sie, „ist schon gut und gerne 30 Jahre her.“

Fußballplätze – ein Trauerspiel

Vom Wasser durchtränkte, rutschige und matschige Plätze – das ist schon eine ganze Weile her. Jetzt herrscht das andere Extrem. „Wir kommen kaum hinterher mit dem Bewässern“, verdeutlicht Roland Seiler, Verwaltungsvorstand des Fußball-Oberligisten FC Germania Friedrichstal. Auf dem Hauptfeld gebe es eine fest installierte Beregnungsanlage. Das werde permanent gewässert und sei soweit ganz O.k. Anders sieht es auf dem Trainingsplatz aus. „Der ist hart wie Beton“, sagt Seiler. Und Platz drei (Spielbetrieb und Training) wird mit zwei Großregnern sowie Feuerwehrschläuchen in Schuss gehalten. So gut es eben geht. „Wenn man drüber schaut, sieht das schön grün aus, aber es gibt viele Löcher“, erklärt Seiler. „Das ist ein Trauerspiel.

Das ist ein Wahnsinnsaufwand

Und ein Wahnsinnsaufwand. Beregner verstellen, 60 Meter Schläuche entleeren und verlegen – an manchen Tagen fahre ich oder jemand anderes aus dem Verein vier mal hin.“ Seit Juli. Alles ehrenamtlich. Bis zu sechs Stunden täglich. „Und der Stromverbrauch ist wegen der Hochleistungspumpen ganz schön gestiegen“, verdeutlicht Seiler. „Im Juli haben wir dafür 800 Euro mehr als sonst im Schnitt bezahlt.“

Noch nicht auf dem Hauptplatz gespielt

Auch Gerhard Fritscher vom Karlsruher Kreisligisten Fvgg Weingarten bestätigt: „Es ist eine Katastrophe. In dieser Saison haben wir noch nicht auf unserem Hauptplatz gespielt.“ Es gebe zwar eine Sprinkleranlage. Die müsste aber immer umgestellt werden. „Und dafür müsste immer jemand da sein“, sagt er. Das Spielfeld sei, „nicht nur bei uns, bei wahrscheinlich allen Vereinen“ (Fritscher), in einem traurigen Zustand, so Fritscher. „Die Wurzeln leiden, es gibt Unebenheiten und der Maulwurf trägt sein übriges dazu bei – das ist eine Kettenreaktion. Wir warten dringend auf Regen, um walzen zu können.“ So lange wird auf Platz zwei trainiert und gespielt. Da gibt es eine eingebaute Beregnungsanlage. „Aber je mehr Training, desto größer ist die Beanspruchung“ – ein Teufelskreis für die Fußballvereine.

Nadelt der Weihnachtsbaum in diesem Jahr schneller?

„Die Jungpflanzen von Anfang des Jahres konnte ich nicht retten. Die sind alle verloren“, verdeutlicht Hans-Georg Höfle von Kraichgautanne und Christbaumverkauf Höfle im Östringer Stadtteil Tiefenbach. „Alte Bäume sehen aber relativ gut aus“, fügt er hinzu. Wichtig werde in diesem Jahr sein, dass die geschlagenen Bäume besonders frisch sind. Ob sich der Weihnachtsbaum 2018, der Trockenheit geschuldet, schneller als seine Vorgänger im heimischen Wohnzimmer seiner Nadeln entledigt? Diese Frage, meint Höfle, könne er nicht beantworten. „Ich habe vor kurzem mal einen Baum geschlagen – der stand 14 Tage ohne Wasser relativ gut da“, erzählt er .

Lücken machen sich in einpaar Jahren bemerkbar

Hans-Georg Höfle hofft, dass es irgendwann demnächst regnet: „Die Bäume saugen sich dann noch voll. Das würde ihnen gut tun.“ Aber auch den kleinen Pflänzchen, die er kürzlich auf zwei Hektar in die Erde gebracht hat; weil Regen angesagt war – dann aber doch nicht kam. „Wenn über den Winter nicht doppelt so viel Niederschlag fällt, ist gar nicht an Pflanzungen im Frühling zu denken“, so Höfle. Und diese Lücken würde er dann in sechs Jahren zu spüren bekommen.