Von außen sieht die Rechbergklinik Bretten auch aktuell noch fast genauso aus. Innen finden derzeit die meisten Abbrucharbeiten statt. | Foto: Rebel

Pro Rechbergklinik Bretten

Bürgerinitiative will Antworten von Holding

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Sie setzt sich weiter für einen Schwerpunkt Schmerztherapie an der Rechbergklinik (RBK) Bretten ein und fordert von der RKH Klinik Holding aussagekräftige Antworten zu weiteren Fragen. Die Bürgerinitiative (BI) Pro Rechbergklinik traf sich am Montagabend unter Vorsitz Paul Metzgers, als CDU-Kreisratsmitglied auch Mitglied des Aufsichtsgremiums für Kliniken. Schmerztherapiezentrum, Personalfluktuation standen zudem im Fokus.

Dass ein Schwerpunkt Schmerztherapie wegen mangelnder Nachfolge eines Therapeuten nicht zu machen sei, bezweifelte unter anderen Heinz Kaiser. Der Schmerztherapeut und ehemalige Chefarzt an der RBK gab zu bedenken, dass es der Glaubwürdigkeit nicht diene, wenn zugleich von der Einrichtung einer Schmerztherapie in Neuenbürg zu hören sei. Auch sei seines Wissens – entgegen anderer Verlautbarungen – nicht aktiv nach einer Nachfolge des Schmerztherapeuten gesucht worden. Eine echte Schmerztherapie sei aber von zentraler Bedeutung für den Klinikstandort Bretten – vor allem im Zusammenhang mit Geriatrie und Palliativversorgung.

Mit einer Nachfolge des Schmerztherapeuten stehe und falle eine echte Schwerpunktlösung, so auch Metzger. Alles andere sei und bleibe eine Grund- und Regel-Versorgung. „Nicht mehr und nicht weniger“,  so der BI-Vorsitzende. Zugleich erinnerte er, die Holding sei für das Vorgehen der Schließung seitens des Aufsichtsgremiums gerügt worden.

Von ordentlicher Personalplanung zu erwarten

Die Brettener Initiative fängt laut Metzger „Stimmen aus der Bevölkerung auf“. Diese erwarte von der Klinik Holding darum auch Äusserung zu nötigen, vorbeugenden Personalentscheidungen. Es gelte künftig Personalfluktuationen mit der Folge  von Bettenstilllegungen – wie diesen Sommer von 30 internistischen Betten – zu vermeiden. Es sei die Rede von neun Kündigungen in weniger als den vergangenen zehn Monaten gewesen, so Metzger.

„Die Holding sollte immer mit Vorlauf und ausreichend Personalpuffer schaffen“, so BI-Mitglied Michael Dittes, vielfach bestätigt aus der Runde. Schon während der Kündigungsfristen Nachfolger zu suchen, sei von einer ordentlichen Personalplanung zu erwarten. Drohe die Versorgung zu kippen, sei der Landkreis in der Haftung wegen seiner Versorgungspflicht, so Metzger. Jürgen Nusser, als Ehemann der Chefärztin nah am Geschehen,  informierte, es kämen in Kürze neue sechs Kräfte – ein Ärztepaar, drei Aisstenszärzte, eineine stocke ihr halbes Deputat auf 100 Prozent auf. Zwei Bewerbungen stünden noch aus.

Neubaubeginn im Spätsommer 2020

Auch informierte Markus Vierling, Geschäftsführer der Südbau Ingenieur- und Planungsgesellschaft, über den Stand der Abbrucharbeiten und den Verlauf des des Fachärztehaus-Neubaus bei der RBK. So fänden – von außen weniger sichtbar – derzeit Abbrucharbeiten vor allem im Inneren statt. „Bestimmte Gegebenheiten erforderten – er nannte das Stichwort Asbest – nicht alles im Hauruck-Verfahren mit dem Bagger abzureissen, sondern dies  gesundheits- und umweltverträglich zu organisieren. Der Abbruch liege im Zeitplan und werde gegen Ende des Jahres geschafft sein. Der Zeitplan sehe im Übrigen unverändert vor, voraussichtlich April oder Mai das Baugesuch für den Neubau einzureichen, statische Berechnungen liefen und „Verträge mit den Ärzten zwingen uns zum Einhalten des Zeitplans“, so Vierling. Mit dem Bau werde noch im Spätsommer 2020 begonnen, zeigte er sich zuversichtlich.

 

MRT ist baulich integrierbar

Gespräche mit interessierten Medizinern zur Belegung des künftigen Fachärztehauses fänden vermehrt statt, so Vierling. Auf Fragen aus der Runde, ob ein Kinderarzt oder ein Lungenarzt bislang darunter seien, verneinte er. Aber es gehe voran. Man stehe bereits in der Detailplanung – mit manchen schon bezüglich der Innenausstattung. Über 2.000 Quadratmeter Fläche der rund 4.000 geplanten seien vorreserviert, rund 3.000 an seriöse Interessenten vergeben. Vierling betonte, die Südbau könne die baulichen Voraussetzungen für das MRT schaffen. Eine Fassadenöffnung, um das schwere Gerät einzubringen, sei machbar. Ein MRT bei der RBK  sei seines Erachtens stimmig im Zusammenhang der Gesamtplanung.

Auflösung der Rechbergklinik „in Scheiben“ befürchtet

Das sah die Bürgerinitiative ebenso. Sie befürwortet klar den MRT-Standort im neuen Fachärztehaus bei der RBK. Ein „Anker“ sei das MRT, denn es könne als Garant dafür gelten, eine befürchtete scheibchenweise Verknappung des medizinischen Angebots der RBK zu verhindern. Denn womöglich führe eine solche letztlich zur Auflösung der Rechbergklinik, verlieh etwa Immobilienmaklerin Jutta Vollmer den Ängsten Ausdruck. Schon heute seien, so sagte Heinz Kaiser, von einst über 400 Betten noch 120 übrig. Metzger weiter: „Wir hoffen, dass Stadtverwaltung und Klinik Holding unsere Meinung bezüglich des wichtigen Standorts Bretten teilen.“

Investitionsbereiter Radiologe gefunden

Die BI machte zudem klar, sie habe erfolgreich einen hoch interessierten Radiologen für den MRT-Standort bei der RBK Bretten aufgetan. Man könne den namentlich bekannten Mediziner der Holding vermitteln. „Denn ohne die Kooperation mit der Holding wird er die Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung nicht erhalten“, so Metzger. Der Radiologe sei investitionsbereit und unternehme nun weitere Schritte zur Verwirklichung eines Modellversuchs der ambulanten wie auch stationären Versorgung vor Ort, und er setze sich bei der Ärztekammer hierfür ein, fasste Paul Metzger zusammen. Zudem suche der Facharzt das Gespräch mit der Holding.

Das wird ein Politikum

„Alle sind für den MRT-Standort Bretten, die Bevölkerung, der Radiologe, der Investor. Wenn die Holding Nein sagt, wird das ein Politikum“, wertete Marion Klemm, Vorsitzende der Unternehmerschaft Brettens und BI-Mitglied.

Insgesamt sei das Fachärztezentrum bei der RBK nicht als Konkurrenz zum Ärztehaus in der Sporgasse zu betrachten, betonte Metzger einmal mehr, sondern eine Ergänzung.