Im Landratsamt gilt die höchste Sicherheitsstufe: Der Zugang zum Gebäude und den Behörden ist für Besucher geregelt.
Im Landratsamt gilt die höchste Sicherheitsstufe: Der Zugang zum Gebäude und den Behörden ist für Besucher geregelt. | Foto: Hora

Corona-Aktionen werden Alltag

Landkreis Karlsruhe schaltet vom Krisen-Modus in den Standby-Betrieb

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In den Hoch-Zeiten der Corona-Krise tagte der Krisenstab einmal täglich. Inzwischen findet nur noch die abgestufte Version des Termins statt, in dem Vertreter des Stadt- und Landkreises Karlsruhe aus verschiedenen Bereichen Entscheidungen und Notfälle rund um die Pandemie besprechen. Der Krisen-Modus ist abgeschaltet, ein eigenes Sachgebiet zu Themen rund um Covid-19 eingerichtet.

Doch die aus der Zeit entstandenen Aktionen und Aufgaben haben weiter Bestand. Seit fast drei Monaten etwa koordiniert der Mediziner Klaus-Matthias Hasert den Kontakt zwischen Ärzten, Behörden und Heimen. Letztere sind schließlich die Sorgenkinder, als die Infektionszahlen in die Höhe schießen.

Landkreis Karlsruhe fährt in Corona-Krise einen Gang zurück

Einmal die Woche kommt im Landratsamt noch eine Art Koordinierungsstab zusammen, erklärt Martin Zawichowski, Sprecher des Landkreises. „Dort wird geschaut, wo man gegebenenfalls noch nachsteuern muss.“ Eine Verschnaufpause, ja – die Gefahr einer zweiten Welle sei aber präsent.

Lediglich 35 Infizierte verzeichnen Stadt- und Landkreis am Dienstag noch. Seit Beginn der Statistik sind es 1.461 Fälle. Nachdem sich die Themen wochenlang nur um Corona drehten, laufe der Betrieb derzeit wieder in geordneten Bahnen.

„Auch das Gesundheitsamt nimmt wieder Aufgaben wahr, die es zeitweise aussetzen musste“, so Zawichowski. „Allerdings haben die Kollegen dort noch immer jede Menge damit zu tun, Tests zu machen.“

Gesundheitsamt bereitet Mitarbeiter auf Corona-Ernstfall vor

Das Gesundheitsamt sei in Bezug auf die Corona-Krise weiterhin stark involviert. Zudem habe man mit dem neuen Sachgebiet Covid-19 einen Personal-Pool geschaffen, der vorsorglich ausgebildet wird und im Notfall handeln kann.

Der Bestand an Schutzausrüstung sei ebenfalls gut gefüllt, nachdem anfangs Masken und Anzüge an vielen Stellen fehlten, sagt Zawichowski. Heime und medizinische Einrichtungen seien nicht mehr auf den Kreis angewiesen.

Freiwillige Helfer verschwinden wieder aus den Heimen

Besonders in den Mittelpunkt gerückt sind mit den steigenden Fallzahlen die Pflegeeinrichtungen: Innerhalb kürzester Zeit meldeten Heime in Stutensee, Bretten oder Walzbachtal im März und April zahlreiche mit dem Virus infizierte Bewohner. Der Landkreis erklärt sich dahingehend coronafrei.

Aus dem Archiv: Quarantäne von Bewohnern und Personal: In Brettener Altenheim werden die Pflegekräfte knapp

„Jetzt beschäftigen vor allem die Besucherregeln Angehörige und Angestellte“, so Zawichowski. Mit der Aktion „Hilf-im-Heim“ versuchen Stadt- und Landkreis den Mangel an Pflegekräften einzudämmen.

Nach der Infektionswelle kommen die Besucher wieder: Bewohner warten im Freien hinter einer Absperrung auf ihre Angehörigen.
Nach der Infektionswelle kommen die Besucher wieder: Bewohner warten im Freien hinter einer Absperrung auf ihre Angehörigen. | Foto: Müller

Mit den steigenden Fallzahlen dünnt sich die Personaldecke immer weiter aus. Freiwillige können sich melden und in betroffenen Heimen als Hilfskräfte einspringen. 20 Personen werden vermittelt. „In Bretten-Neibsheim bleibt eine Person sogar langfristig und wird dort angestellt“, sagt Zawichwoski. Die zwei anderen Helfern haben das Haus wieder verlassen.

Mediziner hält Strukturen aufrecht

„Wir sind inzwischen eher auf Standby“, erklärt Klaus-Matthias Hasert, der von der Kassenärztlichen Versorgung vor rund zwei Monaten dazu berufen wird, den Kontakt zwischen Ärzten, Heimen und Behörden zu organisieren. „Damit alle schnell und unkompliziert reagieren können in der alltäglichen Arbeit“, erklärt Hasert damals.

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Mit den sinkenden Infektionszahlen sei die Situation auch bei ihm ruhiger geworden. „Wir müssen warten, ob eine zweite Welle kommt. Wenn ja, könnten wir dieses Mal viel schneller reagieren“, so Hasert.

Heime haben mit Besucherregeln in Covid-19-Krise zu tun

Man habe in den Wochen zuvor gemeinsam mit Heimen und Ärzten eine Struktur geschaffen, an welcher sich alle Beteiligten im Ernstfall orientieren, so Hasert. „Die Hauptarbeit haben jetzt die Heime“, sagt er weiter.

Streng reglementierte Besucherregeln, Tests von Bewohnern und Auflagen: „Es bleibt abzuwarten, wie lange alle dieses Verfahren durchhalten.“ Zwar seien die Heime im Landkreis frei von Corona, ganz ausschließen lasse sich die Gefahr aber nie, betont er.

Kommunikation soll aufrecht erhalten werden

Jedes Heim arbeite letztlich für sich. Das erschwere mitunter die Kommunikation, so Hasert. Als Ansprechpartner, der sowohl in die Pflegeeinrichtungen als auch die ärztliche Arbeit und das Krisenmanagement des Landkreises und der Stadt Einblick hat, koordiniert er den Kontakt. „Wir haben eine Sensibilisierung erreicht“, sagt Hasert.

Heime und Ärzte hätten in den vergangenen Monaten viel dazugelernt. „Solange es den Krisenstab noch gibt, werde ich auch weiterhin koordinierend tätig sein“, sagt er. Eine Art Großeinsatz habe es in den vergangenen Monaten nicht gegeben. „Es ist vielmehr um die grundsätzliche Struktur und den Umgang mit den Corona-Infektionen gegangen.“