Wie eine unscheinbare Garage: Christoph Schnaudigel, Joachim Thierer, Stefan Martus und Peter Hauk (von links) besichtigen die neue Verwahrstelle in Philippsburg. | Foto: Klaus Müller

Verwahrstellen für Tierkadaver

Der Auslöser war die Schweinepest

Anzeige

Als „Leuchtturm in Friedenszeiten“ darf sich künftig der Landkreis Karlsruhe rühmen. Zu diesem Schluss jedenfalls kam Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Das mit den „Friedenzeiten“ kann sich freilich schnell ändern. Umso wichtiger, auch das tat der CDU-Landespolitiker kund, sei es, auf den Ernstfall – nein, von Kriegszeiten sprach niemand – vorbereitet zu sein. Sichtbares Objekt der ministeriellen Lobesworte in Richtung Landkreis und dessen Vertreter, allen voran Landrat Christoph Schnaudigel und Joachim Thierer, Leiter des Kreisveterinärsamtes, war eine eigentlich unscheinbare „Garage“ zwischen Rhein und Rheinauen bei Philippsburg.

Von Klaus Müller

Allerdings handelt es sich dabei um eine besondere Garage: um eine Verwahrstelle für tote Tiere und/oder deren Innereien. Was sich vielleicht etwas martialisch und gar nicht so „friedlich“ anhören mag, hat mit Blick auf totes Wild allemal seine Berechtigung. In der Verwahrstelle, erklärte Thierer, werden tote (Wild-)Tiere aufbewahrt, wird der Aufbruch (Innereien) zwischengelagert. Die betroffenen Tiere im Wald oder auf der Straße liegen zu lassen, geht längst nicht mehr. Alles muss fach- und sachgerecht entsorgt werden.

Verwahrstellen zur Seuchenprophylaxe

Genau dafür, für die Entsorgung von Wildabfällen, braucht man Verwahrstellen. Und sie haben noch eine wichtige Aufgabe: Sie dienen der Seuchenprophylaxe. Bereits vor Jahren, erinnerte Schnaudigel, habe der Landkreis mit der Einrichtung solcher Verwahrstellen begonnen. Auslöser, ergänzte Thierer, sei die „normale Schweinepest“ gewesen. Um Ansteckungsherden – und dazu gehören eben Tierkadaver – entgegenzuwirken, müssen die Tiere so schnell wie möglich aus dem Einzugsbereich anderer Tiere entfernt werden.

Wann kommt die Afrikanische Schweinepest?

Nun lauert mit der „Afrikanischen Schweinepest“ (ASP) eine weitere, sehr schwerwiegende Gefahr, die Haus- und Wildschweine gleichermaßen tödlich bedroht. Bricht sie aus, käme das – im übertragenen Sinne, versteht sich – einer „Kriegszeit“ gleich. In Nachbarländern, beispielsweise in Polen oder Belgien, sei die ASP ausgebrochen, sagte Hauk. Bei der ASP gehe es nicht darum, ob sie Deutschland erreiche, sondern höchstens darum, wann das der Fall sein werde. Mit dem Virus infizierte (tote) Wildschweine müssen aus dem Verkehr gezogen werden – auch dafür sind die inzwischen zwölf Verwahrstellen im Landkreis vorgesehen. Philippsburg ist übrigens die Nummer zwölf.

Zusammenarbeit mit Jägern

All das, betonte Schnaudigel, geschehe in enger Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den Kommunen. Die „hervorragende Zusammenarbeit“ im Landkreis unter den Beteiligten hob ebenso Landesjägermeister Jörg Friedmann hervor. Zudem gibt es Geld vom Land. Im Falle von Philippsburg sind es einmalig 20 000 Euro bei einem Gesamtkostenvolumen von 25 000 Euro. Hinzu kommen jährliche Zuschüsse für den Betrieb von 2 700 Euro.

Verarbeitung zu Biotreibstoff

Dass in den Verwahrstellen, betrieben von den Jägern der einzelnen Hegeringe, viel „Material“ anfällt, zeigt ein Blick auf die Bilanz 2018: Laut Thierer hat es rund 900 Leerungen von 240-Liter-Abfallbehältern – ein Teil davon befindet sich in Kühlräumen – gegeben. Ein wichtiger Partner, so der Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus, seien die Kommunen. Sie übernehmen unter anderem die Kosten für Wasser und Strom. Nebenbei: Das „Material“ wird verarbeitet, beispielsweise zu Tiermehl oder Biotreibstoff. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 147 Verwahrstellen.

Afrikanische Schweinepest
Ihren Ursprung hat die Tierseuche Afrikanische Schweinepest (ASP) tatsächlich in Afrika. Die meisten mit dem Virus infizierten Haus- oder Wildschweine verenden elend. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Übertragen wird die Krankheit durch den Kontakt mit infiziertem Blut oder Kadavern. Allein schon deswegen ist es absolut vordringlich, infizierte Tiere oder Tiere, von denen man glaubt, sie könnten infiziert sein, aus dem Verkehr zu ziehen.
Der größte Risikofaktor bei der Ausbreitung der ASP ist der Mensch. Achtlos weggeworfene, fleischhaltige Essenreste können den Virus in sich tragen. Frisst ein Wildschwein solche Reste, nimmt es den unglaublich hartnäckigen Virus auf. Für den Menschen ist ASP laut Aussage von Experten ungefährlich.