Kabs-Hubschrauber in Au am Rhein, der mit dem biologischen Mittel B.t.i., das in Eisgranulat eingebracht ist, Stechmücken bekämpft.
Mit insgesamt drei Hubschraubern ist die Kabs in der Saison 2020 im Einsatz. Der dritte Hubschrauber sei allerdings nur als Backup gedacht, so der wissenschaftliche Direktor Dirk Reichle. | Foto: dpa

Frühling

Die Schnakenbekämpfung in der Region startet trotz erschwerter Bedingungen

Anzeige

Mit den milden Temperaturen der vergangenen Tage beginnt nicht nur der Frühling, sondern auch die Schnakensaison. Die 1976 in Philippsburg gegründete Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) hat den Blutsaugern den Kampf angesagt. In diesen Tagen startet die Kabs in die diesjährige Schnakensaison.

Ein erster Einsatz in der Pfalz wurde bereits geflogen, doch die Corona-Krise erschwert eine langfristige Planung.

Bakterium soll Stechmückenlarven töten

Mit einem speziellen Bakterium, dem „Bacillus thuringiensis israelensis“, kurz BTI, soll verhindert werden, dass sich aus den Larven Stechmücken entwickeln. Zwischen Bingen im Norden und dem Kaiserstuhl im Süden bringt die Kabs das Bakterium mit Hilfe von Hubschraubern, aber auch zu Fuß in den Brutstätten der Steckmücken aus.

Auch interessant: Schnakenbekämpfung mit dem Hubschrauber: Gute Idee oder total unverhältnismäßig?

Kein Grund zur Beunruhigung

Der erste Einsatz für die Schnakenbekämpfer ist bereits erledigt: Am vergangenen Montag startete ein Hubschrauber rund um Hagenbach, Wörth, Jockgrim und Hördt, sagt Dirk Reichle. Er ist seit Jahresbeginn der neue wissenschaftliche Direktor der Kabs und bereits seit 32 Jahren im Kampf gegen die Schnaken aktiv. Aktuell seien die Mitarbeiter damit beschäftigt, die betroffenen Flächen zu erfassen. Für die kommende Woche habe man weitere Hubschraubereinsätze geplant.

In Anbetracht der höheren Temperaturen geht die Larvenentwicklung schneller

Dirk Reichle, wissenschaftlicher Direktor der Kabs

Durch die teilweise starken Niederschläge in den vergangenen Wochen stehe Wasser in den Wäldern, erklärt Reichle. Perfekte Bedingungen für die Stechmücken, denn ihre Larven brauchen stehendes Wasser, um sich zu entwickeln. Die aktuellen milden Temperaturen fördern das Wachstum der Mückenlarven außerdem. Grund zur Beunruhigung gebe es aber noch nicht. „In Anbetracht der höheren Temperaturen geht die Larvenentwicklung schneller, aber durch die kühlen Nächte nicht rasant“, betont Reichle.

Einsatz auf dem Boden und in der Luft

Ein weit größeres Problem für die Kabs sei die derzeitige Corona-Krise. Wie viele andere Organisationen kämpft sie mit den Auswirkungen des Virus. Einzelne Mitarbeiter befänden sich in Quarantäne, so Reichle. Viele sind von der Schließung der Schulen und Kindergärten betroffen. Das erschwert eine langfristige Planung.

In der Regel dauere ein Einsatz zwischen drei und vier Tage, erklärt Reichle. Neben der Bekämpfung in der Luft bringen die Mitarbeiter der Kabs das Bakterium in kleineren Bereichen auch parallel zu Fuß aus beziehungsweise kontrollieren die Gebiete. Laut Reichle sind zwischen 120 und 150 Mitarbeiter im Einsatz.

Auch technisch hat die Kabs aufgerüstet: Nachdem im vergangenen Jahr beide Hubschrauber ausgefallen waren, können die Mitarbeiter für die Schnakensaison 2020 auf einen dritten Hubschrauber zurückgreifen. Der sei allerdings nur als „Backup“ gedacht, so der wissenschaftliche Direktor.

Naturschützer kritisieren Einsätze

Unumstritten ist die Methode der Kabs nicht. Artur Bossert, stellvertretender Vorsitzender des NABU-Kreisverbands Karlsruhe, kritisiert, dass neben den Stechmückenlarven auch mindestens 50 Prozent der für das Ökosystem wichtigen Zuckmückenlarven getötet würden. Zudem störe die Ausbringung des BTI Tiere in den Naturschutzgebieten. Er fordert weitere Langzeituntersuchungen.