DIE BEKÄMPFUNG des Feuers in einem Hochhaus in Stutensee erfolgte wie die Bergung einiger Bewohner auch über zwei Drehleitern der Feuerwehr.
DIE BEKÄMPFUNG des Feuers in einem Hochhaus in Stutensee erfolgte wie die Bergung einiger Bewohner auch über zwei Drehleitern der Feuerwehr. | Foto: Deck

Nach Brand in Stutensee

Die tapferen Bewohner des Buchenring-Hochhauses

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Update 3: Die Brandermittler schließen nach dem Feuer in dem Hochhaus in Büchig eine vorsätzliche Brandstiftung weitgehend aus. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Karlsruhe hervor. Allerdings sei noch nicht ermittelt, was genau das Feuer verursacht habe. Die Obduktion der beiden Toten habe zudem keine Hinweise auf Fremd- oder Eigeneinwirkung ergeben, hieß es in der Mitteilung weiter. Die 65-Jährige habe noch selbst den Notruf gewählt.

Update 2

Update 2: Die meisten Bewohner des Hochhauses in Büchig konnten wieder in ihrer Wohnungen zurückkehren. Das hat die Stadt Stutensee bekanntgegeben. Bereits gestern Abend seien die ersten Wohnungen in den unteren Etagen wieder bewohnbar gewesen. Heute Morgen seien dann die oberen Stockwerke freigegeben worden.

„Mit der Wohnung, in der sich der Brandherd befand, sowie den beiden unmittelbar darüber befindlichen Wohneinheiten bleiben insgesamt drei Wohnungen auf absehbare Zeit nicht bewohnbar“, hieß es in der Mitteilung der Stadt Stutensee weiter. Sechs Personen, die nicht privat untergekommen seien, nutzten derzeit eine städtische Notunterkunft. Die Ermittlungen zur Brandursache würden derzeit noch andauern.

Update

Nach Angaben der Karlsruher Staatsanwaltschaft sollen der 68-Jährige und seine 65 Jahre alte Schwester, die gestern bei dem Brand im Büchiger Hochhaus im Buchenring gestorben sind, heute obduziert werden.

Polizei! Es brennt! Sie müssen raus!

„Polizei! Es brennt! Sie müssen raus!“: Mit diesen Worten wird Bernard Salay in der Nacht des Brandes geweckt. Der 44-Jährige wohnt im fünften Stock des Hochhauses im Buchenring. Zunächst nimmt Salay die Geschehnisse nur im Halbschlaf wahr, er folgt aber den Anweisungen, schnappt sich das Nötigste und findet sich mit vielen anderen Nachbarn auf dem Parkdeck nördlich des Hauses ein, abgewandt vom Brand an der Südseite. In Sicherheit.

Notunterkunft in einer Sporthalle

Als Salay von den Geschehnissen berichtet, steht er mittags bei wolkenlosem Himmel vor der Theodor-Heuss-Grundschule in Blankenloch-Büchig, einem Stadtteil von Stutensee. In deren Sporthalle haben viele der insgesamt 143 Bewohner des Buchenring-Hochhauses vorübergehend eine Notunterkunft gefunden, nur rund 400 Meter Luftlinie von ihrem versehrten Zuhause entfernt. Die Menschen dort werden umsorgt: Auf einem Tisch im Eingangsbereich der Halle stehen Duschcremes, Zahnpasta und Handtücher. Ein Wagen mit Tellern und den Soßenresten des Mittagessens wird herausgerollt.

Salay sind die Strapazen der Nacht anzumerken, aber er wirkt gefasst. Der 44-Jährige ist in dem Haus aufgewachsen, als seine Eltern auszogen, übernahm er deren Wohnung. Wie sein 14-stöckiges Zuhause nach dem Brand aussieht – da fallen Salay als Vergleich nur die Bilder aus den Nachrichten ein: „Es sieht von außen so aus, als wäre eine Bombe explodiert.“

Bizarrer Brandort im Buchenring

Bizarr am Brandort ist, wie nahe Normalität und Katastrophe nebeneinanderliegen. Denn wer die Folgen des Feuers entdecken möchte, muss sich zur Südseite des Hochhauses begeben und den Hals etwas recken. Es scheint, als habe jemand mit einer riesigen Sprühdose ein umgedrehtes, schwarzes T auf die Fassade gemalt. „Der erste Anblick ist heftig“, sagt eine Frau, die gerade von einem Besuch bei ihrer Mutter wiederkommt.

Immer wieder bilden sich kleine Grüppchen im Buchenring. Radfahrer steigen ab. Smartphones werden gezückt und benutzt. Autos bleiben mit laufendem Motor mitten auf der Straße stehen. Etwas Vergleichbares sei dort noch nie passiert, berichtet Bernard Salay. Vor der Theodor-Heuss-Grundschule äußert er einen großen Wunsch: „Wir wollen wissen, wie es weitergeht.“

Frau flüchtet vor dem Feuer

So fühlt auch eine seiner Nachbarinnen. Die Frau lebt im achten Stock, Südseite, mittig, die Wohnung direkt über dem Brandherd. „Ich habe die Balkontür aufgemacht, da kam mir heißer, schwarzer Qualm entgegen. Dann habe ich sie gleich wieder zugemacht und bin abgehauen“, erzählt sie ihre persönliche Geschichte der Brandnacht. Die Frau kann sich gerade noch einen Bademantel überwerfen. Ein Nachbar hilft ihr, die zahlreichen Treppen nach unten zu bewältigen, da ihre beiden Knie kaputt sind.

Die Frau sitzt im Schatten eines Baumes vor der Grundschule. Ihre sonst blonden Haare sind vom Ruß verfärbt. Das türkisfarbene Oberteil und die blaue Hose, die sie trägt, sind Spenden. Ihren Humor aber hat sie vor den Flammen gerettet. So freut sie sich, dass sie viele der Nachbarn endlich mal persönlich kennengelernt hat. Außerdem lobt sie die Freundlichkeit der Mitarbeiter im Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr, wo sie zwischenzeitlich untersucht wurde. Ihr Bruder, der gerade mit seiner Frau eintrifft, schließt sich den Dankesworten an: „Ich bin auch gleich angerufen worden.“

Helfer gibt Perspektiven

Den Wunsch der Frau und von Bernard Salay nach einer Perspektive kann Thomas Schoch erfüllen – zum Teil. Als der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts Stutensee an der Schule eintrifft, berichtet er, dass eine Spezialfirma das Hochhaus reinigt und die Nacht durcharbeitet. Bereits gestern sollten die Wohnungen vom Erdgeschoss bis zum sechsten Stock wieder bewohnbar gemacht werden.

Heute dürften dann die übrigen Etagen bezogen werden – bis auf die meisten Wohnungen der Stockwerke sieben und acht. Diese sind nach Angaben der Stadt Stutensee längerfristig nicht bewohnbar. Zudem soll nach Aussage von Schoch heute noch der Ruß chemisch untersucht werden.

Wir wollen den Leuten ein richtiges Bett bieten

„Wir wollen den Leuten ein richtiges Bett bieten“, erläutert Schoch anschließend ein zentrales Anliegen. In der Sporthalle müsse niemand übernachten. Für Bewohner, die nicht in ihren Wohnungen, bei Verwandten oder Freunden unterkommen könnten, würden andere Notunterkünfte bereitgestellt – wie im Erdgeschoss des alten Rathauses Büchig. Bernard Salay kann auch nach den Schrecken der Brandnacht im Negativen noch das Positive sehen: „Die Organisation von den Helfern war perfekt.“

So berichtete BNN.de zuletzt über das Feuer im Buchenring: