Auf dem Radar: Zur täglichen Arbeit von Andreas Stein (links) und Thomas Weisenhorn gehört es bei der Wasserschutzpolizeistation Karlsruhe, den Rhein als befahrene Schifffahrtsstraße im Blick zu behalten.
Auf dem Radar: Zur täglichen Arbeit von Andreas Stein (links) und Thomas Weisenhorn gehört es bei der Wasserschutzpolizeistation Karlsruhe, den Rhein als befahrene Schifffahrtsstraße im Blick zu behalten. | Foto: Bodamer

Kontrolle und Miteinander

Die Wasserschutzpolizei kennt die Gesichter des Rheins entlang von Karlsruhe

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Nach einem kurzen Funkspruch fährt das Boot so nahe an das Binnenschiff heran, dass sich die Seiten fast berühren. Angehalten wird auf dem Rhein aber nicht. Während der Fahrt steigt Thomas Weisenhorn über. Eine Hand greift nach dem Geländer. Der Kollege hinter dem Steuerbord nickt und bringt Abstand zwischen die beiden Fahrzeuge. Weisenhorn klettert derweil über das Schiffsdeck, durch einen engen Flur und eine noch schmalere Treppe. Oben wartet der Schiffsführer auf ihn. In gemütlicher Kleidung lächelt dieser den Polizisten an: „Es liegt alles bereit.“

Momente wie diese gehören für Weisenhorn zum Alltag. Er ist Polizeikommissar bei der Wasserschutzpolizeistation Karlsruhe, die beim Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen angegliedert ist. Die Direktion hat ihren Sitz in Bruchsal und verwaltet neun Stationen. Weisenhorns Einsatzgebiet sind etwa 50 Kilometer des Rheins.

Auf dem Rhein wird deutsch gesprochen

„Man kennt sich untereinander“, erzählt Weisenhorn bei der Kontrolle. Der Schiffsführer lehnt entspannt an der Wand, sein Kollege hat das Steuer übernommen. Sprachbarrieren gibt es hier kaum, obwohl der Rhein als internationales Gewässer von Schiffen aus den Niederlande oder Frankreich befahren wird. „Die Amtssprache auf dem Rhein ist Deutsch“, erklärt Weisenhorn. „Die Schiffsführer sind in der Regeln sehr zuvorkommend.“

Das sieht zwar gerade aus, aber auf dem Wasser geht es im Zick Zack hin und her.

Schiffsführer seit über 50 Jahren

Weisenhorn blättert im Bordbuch: Er kontrolliert die gefahrene Strecke, die Besatzungsliste und das Schifferdienstbuch – das Pendant zum Autoführerschein. Der sei auf dem Rhein auch nötig, sagt der Schiffsführer, während Weisenhorn weiter durch die sorgfältig aufgereihten Ordner stöbert. „Das sieht zwar gerade aus, aber auf dem Wasser geht es im Zick Zack hin und her.“ Der Mann ist seit über 50 Jahren privat und beruflich mit dem Schiff unterwegs. Dieses Mal fährt er von Ludwigshafen nach Iffezheim. Dort lädt seine Truppe Material. Übernachtet wird in den kleinen Kajüten.

Die Wasserschutzpolizei hilft den Schiffsführern auch in Not, sie ist nicht nur ein Kontrollorgan.
Die Wasserschutzpolizei hilft den Schiffsführern auch in Not, sie ist nicht nur ein Kontrollorgan. | Foto: Bodamer

Bis zu einer Stunde kann eine Kontrolle auf dem Wasser dauern, so Weisenhorn. „In der Schiffsfahrt geht alles etwas langsamer zu als auf der Straße“, sagt er. Polizeigewalt erlebt er in seinem Alltag kaum, wenn dann nur verbal. Tätliche Angriffe habe er persönlich noch nie erlebt. „Es ist ein Miteinander“, so der Polizist.

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Wasserschutzpolizei trifft auf Existenzen

„An der Berufsschifffahrt und dem Schiffspatent hängen ganze Existenzen. Da ist man besonders bedacht, wie man mit der Polizei als Ordnungsorgan umgeht.“  Daneben begegnet er Menschen, die lediglich ihre Freizeit auf dem Wasser verbringen. Dementsprechend entspannt seien diese auch. Ob die Akzeptanz ihrer Arbeit höher sei als bei den Kollegen auf der Straße, könne er nicht beurteilen. „Wir werden nicht nur als Kontrollorgan gesehen, sondern auch als helfende Hand.“

Zuständigkeit liegt auch im Hafen und entlang des Rheins

An etwa 50 Schiffs- und Sportbootsunfälle in seinem Zuständigkeitsbereich von der Schleuse Iffezheim bis Germersheim erinnert sich Weisenhorn aus dem vergangenen Jahr. Die Hauptursache dafür: Fahrfehler oder Unachtsamkeit. „Es kommt aber auch zu Verstößen bei den Besatzungsvorschriften oder bei Gefahrgut“, sagt er. „Wir sind jedoch keine reine Wasserschutzpolizei.“ Außer Booten parken an der Station auch Streifenwagen. „Uns unterliegt ein Teil des Rheins, aber genauso der Rheinhafen sowie der Ölhafen Karlsruhe und die Landstrecke entlang des Rheins mit Naturschutzgebieten.“

Der wohl prägendste Einsatz in seiner bisherigen Laufbahn ist nur wenige Monate her. Ein Schiffsführer vermisste sein Besatzungsmitglied. „Es hat sich bestätigt, dass der Mann über Bord gegangen ist. Das hieß für uns Großalarm. Der Rhein birgt enorme Gefahren mit seinen Strömungen.“ Die Details sind Weisenhorn noch gut im Gedächtnis. Der Mann konnte am Ufer stark unterkühlt geborgen werden. „Über Landwege wäre man nicht zu ihm gelangt.“

Polizei beobachtet Veränderungen auf dem Fluss

Mit einem erneuten Funkspruch ruft Weisenhorn seinen Kollegen Andreas Stein zum kontrollierten Schiff heran. Über die schmale Treppe, den engen Flur, vorbei an Hindernissen an Deck steigt er zurück auf das Polizeiboot. Er setzt sich neben das Steuerbord. Gemeinsam beobachten sie den Fluss. „Die Fahrgastschiffe sind mehr geworden“, blickt Stein auf knapp 13 Jahre auf dem Wasser zurück. „Die Binnenschiffe werden immer größer. Inzwischen haben wir deshalb eine Einstiegshilfe auf dem Dach.“

Wir haben im Prinzip zwei Jobs: die übliche Polizeiarbeit und die Handhabung des Boots.

Thomas Weisenhorn, Polizist

Doch auch der Rhein habe sich verändert. „Man merkt, dass die Pegel mehr schwanken“, sagt der Polizist. Extreme zeigten sich häufiger. Themen, wie Personalmangel oder Belastungen durch Einsätze bei Demonstrationen, gehen ebenfalls nicht an der Wasserschutzpolizei vorbei. „Wir haben im Prinzip zwei Jobs: die übliche Polizeiarbeit und die Handhabung des Boots“, ergänzt Weisenhorn.

„Wir machen das zwar beruflich und dementsprechend professionell, Bootfahren zählt nichtsdestotrotz zu unserer täglichen Arbeit. Das ist gerade in der Sommerzeit ein schöner Nebenaspekt.“

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