Die Position des Landratsamtes ist für eine Behörde ungewöhnlich direkt: „Jeder Zugausfall ist ein Ausfall zuviel und für die Fahrgäste, die insbesondere jetzt in der Winterzeit auf dem Bahnsteig stehen, eine Zumutung.“ | Foto: Rebel

Kreistagsausschuss zu Fahrplan

Diskussion über AVG: „Jeder Zugausfall ist einer zuviel“

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Die Position des Landratsamtes ist für eine Behörde ungewöhnlich direkt. „Jeder Zugausfall ist ein Ausfall zuviel und für die Fahrgäste, die insbesondere jetzt in der Winterzeit auf dem Bahnsteig stehen, eine Zumutung“, heißt es in der Sitzungsvorlage des Verwaltungsausschusses (Kreistag) beim Tagesordnungspunkt, „ÖPNV, Zugausfälle auf den Linien der AVG im Landkreis“.

In jedem Fall, so der Tenor bei Ausschuss und Verwaltung, herrsche Erklärungs- und Handlungsbedarf. Der kaufmännische AVG-Geschäftsführer, Alexander Pischon, und Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer, berichteten für die AVG den Kommunalpolitikern. Bemüht, sich der öffentlichen Kritik zu stellen, die sich auch in den vielen Leserbriefen an diese Zeitung spiegelt, befanden sich die AVG-Vertreter durchaus, so jedenfalls Pischon, in einer „Rechtfertigungssituation“. Ausfälle von S-Bahnen und die fehlenden Informationen für die Fahrgäste bewerteten sie als „A-Thema“.

Einen wirtschaftlichen Nutzen, so Pischon, habe die AVG durch die Ausfälle nicht – im Gegenteil. Es werde genau aufgelistet, welche Züge ausgefallen seien, was sich wiederum in Strafzahlungen und Rückzahlungen für nicht erbrachte Leistungen niederschlagen würde.

Im Schnitt fehlen pro Monat über 30 Lokführer bei der AVG

Der Grund, warum die AVG nicht alle vertraglichen Leistungen zwischen ihr und dem Landkreis (die Kommunen sind keine Vertragspartner, betonte Landrat Christoph Schnaudigel) erfüllen kann, ist nicht neu: Es gebe zu wenig Lokführer, bestätigten Pischon und Egerer. Im Jahresschnitt 2018 fehlten pro Monat durchschnittlich über 30 Lokführer. Beispiel Oktober: 381 Triebfahrzeugführer hätte die AVG gebraucht – am Ende waren es 348.

Seit geraumer Zeit betreibe das Unternehmen eine aktive Einstellungs- und Ausbildungspolitik. Mit dem Problem fehlender Lokführer stehe die AVG nicht alleine da. Es handle sich um ein bundesweites Problem. 2019, versprachen die AVG-Verantwortlichen, soll es besser werden. Dass die AVG über ihre Probleme und Lösungsansätze sprach, wurde von den Ausschussmitgliedern begrüßt.

Ausschussmitglieder kritisieren Kommunikation

Gleichwohl sparte das Gremium nicht mit Kritik. Es habe mal Zeiten gegeben, sinnierte Tony Löffler (CDU), in denen über die AVG, den ÖPNV in der Region, nur Positives zu lesen war. Inzwischen sei eine Verschlechterung festzustellen. An die Fahrgäste, erinnerte Johannes Arnold (Freie Wähler). Und ebenso wie andere Ausschussmitglieder kritisierte er die mitunter mangelnde Kommunikation, insbesondere an den Infoanzeigen der Haltestellen.

Eine Lanze für diejenigen, die am Bahnhof stünden und (vergeblich) warteten, brach auch Markus Rupp (SPD). Vieles, von dem, was jetzt gemacht werde – einschließlich der Öffentlichkeitsarbeit – hätte zu einem früheren Zeitpunkt passieren müssen. Für Christine Geiger (Grüne) überwog der Eindruck, dass die AVG die Probleme erkannt hätte, dass es insgesamt gesehen doch nicht so schlecht aussehe. Und Jürgen Wacker (FDP) verglich den Mangel an Lokführern mit dem bundesweiten Mangel an Hebammen.

von unserem Mitarbeiter Klaus Müller