Frisch gebackene Eltern brauchen bei manchen Themen Unterstützung. Welche Hilfsangebote es gibt und an wen sie sich wenden müssen, darüber informieren Städte und Gemeinden, beispielsweise mit Familienbesuchern. | Foto: dpa/Friso Gentsch

Frühe Hilfen

Familienbesucher im Landkreis Karlsruhe stellen Hilfsangebote für Eltern zuhause vor

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Seit 2012 haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf Informationen über Hilfsangebote in ihrem Wohnort. Wie die Gemeinden informieren, ist allerdings ihnen überlassen. Insgesamt zehn Gemeinden im Landkreis Karlsruhe setzen auf das Aktionsprogramm Familienbesucher. Zuletzt haben sich mit Linkenheim-Hochstetten, Dettenheim und Hambrücken angeschlossen.

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich für viele Paare alles. Plötzlich stehen Fragen im Raum: Wo erhalte ich Unterstützung? Wie bekomme ich einen Betreuungsplatz? Welche Angebote für junge Familien bietet mein Heimatort? Die Beratungsstelle Frühe Hilfen des Landratsamts Karlsruhe steht Eltern in dieser aufregenden Zeit zur Seite – diese haben seit 2012 sogar einen gesetzlichen Informationsanspruch. Wie die Informationen jedoch zu den Eltern kommen, ist unterschiedlich.

Gemeinden handhaben Erstinformationen unterschiedlich

32 Städte und Gemeinden mit über 100 Ortsteilen gibt es im Landkreis Karlsruhe. Je nach Struktur der Gemeinde handhaben die Verwaltungen die Erstinformationen anders, erklärt Juliane Engert. Sie ist bei den Frühen Hilfen zuständig für die Fort- und Weiterbildungen und koordiniert das Aktionsprogramm Familienbesucher. Finanziert wird das von der Bundesstiftung Frühe Hilfen. Das Konzept stammt von der Stiftung Kinderland und dem Uniklinikum Ulm.

Viele Gemeinden halten an Begrüßungsveranstaltungen fest, so Engert. Diese finden meist zweimal im Jahr statt. Ob nun aus Tradition, aus Angst vor dem Organisationsaufwand oder aus Furcht, keine Ehrenamtlichen zu finden, kann sie nicht genau sagen.

Der Vorteil dieser Veranstaltungen liege darin, dass die Anbieter der Hilfsangebote meist selbst vor Ort seien. „Die Eltern haben die Möglichkeit, die Leute persönlich zu sehen“, sagt Engert. Das könne die Hemmschwelle senken, die Angebote auch wirklich anzunehmen. Im Schnitt kämen aber nur 30 Prozent der eingeladenen Eltern.

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Familienbesucher können gezielt Informationen übermitteln

Bei den Familienbesuchern müssen die Eltern nicht selbst aktiv werden, sondern werden von den Gemeinden angeschrieben und über den bevorstehenden Termin informiert. Idealerweise sollte der zwischen sechs bis acht Wochen nach der Geburt stattfinden.

Familien sollten gezielte Informationen bekommen.

Juliane Engert, Frühe Hilfen

„Weniger ist mehr“, sagt Engert dabei im Vergleich zu der bisweilen überfordernden Informationsvielfalt bei den Begrüßungsveranstaltungen. „Familien sollten gezielte Informationen bekommen.“ Fremdbetreuung sei immer ein wichtiges Thema.

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Bislang nur Frauen als Familienbesucher

34 ehrenamtliche Familienbesucher gibt es aktuell im Landkreis, alles Frauen. Auch in Linkenheim-Hochstetten haben sich nur fünf Frauen beworben, verrät Kristin Günther, zuständig für Schulen und Kitas. Sie selbst habe mit weniger gerechnet und sei deshalb hocherfreut. Wann die Bewerberinnen die ersten Familien besuchen können, sei jedoch noch offen.

Die Suche läuft meist über die Amtsblätter der jeweiligen Gemeinden, denn die sind für die Familienbesucher zuständig. Das Landratsamt begleitet die Ehrenamtlichen fachlich und sorgt für die entsprechende Qualifizierung. 24 Module umfasst die Ausbildung zum Familienbesucher. Das Landratsamt schult die Bewerber jeweils zweimal vier Stunden und einmal sechs Stunden lang. Was in der Qualifikation nicht abgedeckt werden kann, wird im Verlauf der ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Qualitätszirkel behandelt.

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Positive Rückmeldungen aus den Gemeinden

Die Familienbesucherinnen entstammen allen Alters- und Berufsgruppen, verrät Engert. Ein pädagogischer beziehungsweise medizinischer Hintergrund sei wünschenswert, aber keine Pflicht. „Alle machen das mit einer großen Leidenschaft“, sagt Engert. In Kraichtal ist man mit dem Programm mehr als zufrieden.

Wir stehen absolut dahinter.

Sinah Frackenpohl, Hauptamt Kraichtal

Sechs aktive Familienbesucher gibt es dort. „Wir stehen absolut dahinter“, sagt Sinah Frackenpohl vom Hauptamt Kraichtal. Im vergangenen Jahr haben die Ehrenamtlichen 106 von 150 neugeborenen Kindern besucht.

Bemerkt ein Familienbesucher beim Termin einen weitergehenden Beratungsbedarf, kann er oder sie auch einen Hausbesuch der Frühen Hilfen vorschlagen. Dieses Schlagen von Brücken zu anderen Angeboten sei „ein wichtiger Baustein für die Frühen Hilfen“, betont Engert. „Ich finde es gut, dass es Ehrenamtliche sind“, fügt sie hinzu. Meist seien diese bekannte Schlüsselfiguren aus dem Ort, die positiver aufgenommen würden als ein Jugendamtsmitarbeiter. So steige die Akzeptanz der Hilfen.

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