Die stabile Population ist nicht allein auf ein gutes Nahrungsangebot im Landkreis Karlsruhe zurückzuführen, sondern vor allem auch auf eine geringe Altstorch-Sterblichkeit. | Foto: Hora

Störche im Landkreis Karlsruhe

Frühe Rückkehrer: Einige Störche fliegen zum Überwintern nicht mehr bis Afrika

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Die Storchenpopulation im Landkreis Karlsruhe ist stabil – und kommt immer früher aus den Winterquartieren zurück. Nur noch wenige Störche haben Sahara-Sand im Gefieder, denn sie überwintern inzwischen in Frankreich oder Spanien. Zuhause bilden sie regelrechte Horst-Kolonien, besonders im nördlichen Landkreis.

Wo ein Storch ist, sind andere Störche oft nicht weit: 231 Horstpaare gab es 2019 im Landkreis Karlsruhe. Besonders im nördlichen Teil steigt die Zahl der Storchenhorste. Bei Forst, Oberhausen-Rheinhausen oder auch Linkenheim und Graben-Neudorf haben sich regelrechte Storchen-Kolonien zusammengefunden.

Viele Störche siedeln sich bei Vogelparks an

Rund 100 Horste betreut Fritz Meier aus Rußheim. Der ehrenamtliche Storchenberinger kümmert sich im Auftrag der Vogelwarte in Radolfzell um Meister Adebar im nördlichen Landkreis. Meiers Gebiet reicht von Neureut über Dettenheim, Forst bis nach Östringen und Mingolsheim.

Die Störche wissen schon, wo sie bei uns in der Gegend Futter kriegen, um auch über den Winter zu kommen.

Fritz Meier, ehrenamtlicher Storchenberinger

Die meisten Storchennester sind inzwischen wieder besetzt. Einige Störche überwintern direkt im Landkreis, erklärt Meier, meist diejenigen, die in den Vogelparks der Region brüten und dort neue Nahrungsquellen erschlossen haben. „Die Störche wissen schon, wo sie bei uns in der Gegend Futter kriegen, um auch über den Winter zu kommen.“

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Zugstrecken werden immer kürzer

Bis nach Afrika zieht aber auch nicht jeder Storch, der Ende August, Anfang September seinem Zugtrieb folgt. Viele fliegen nur noch bis Spanien oder Frankreich. Sie haben gelernt, an und von den dortigen großen Mülldeponien zu leben. Aufgrund der kürzeren Strecke sind diese Störche dann auch früher in ihren Brutgebieten zurück.

In Hambrücken kam der erste Storch bereits am 9. Januar an, berichtet der Vorsitzende des Naturschutzbunds (NABU) Hambrücken, Franz Debatin – so früh, wie noch nie zuvor. Sein Partner kehrte erst am 10. Februar zurück.

Entgegen dem landläufigen Vorurteil leben Störche nicht zwingend monogam. Ihre Treue gilt ihrem Horst, nicht dem Partner. Störche, die bis nach Afrika zum Überwintern geflogen sind, erkennt man am gelb-roten Sahara-Sand in ihrem Gefieder und den verkoteten Beinen, verrät Meier. Der Kot auf der Haut dient dabei als Sonnenschutz.

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Jedes Paar zieht durchschnittlich 1,6 Jungvögel groß

Nach der Rückkehr aus den Winterquartieren beginnt bald die Brutzeit. Meist Ende März, Anfang April legen die Storchenweibchen ihre Eier. Nach 32 Tagen schlüpfen die Jungen. 216 der 231 Horstpaare im Landkreis Karlsruhe haben im vergangenen Jahr gebrütet, verrät Ute Reinhard, Weißstorchbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. 367 Jungvögel konnten großgezogen werden.

Nach dem Tiefpunkt in den 1990ern ist die Weißstorchpopulation in Baden-Württemberg stabil. Der Landkreis Karlsruhe liege bei der Storchenanzahl meist im landesweiten Durchschnitt oder leicht darüber, so Reinhard. 1,6 Jungvögel hat jedes Brutpaar in 2019 großgezogen. Die stabile Population lässt sich laut Reinhard aber nicht allein auf ein gutes Nahrungsangebot, beispielsweise in den Wässerwiesen der Rheinauen, zurückführen. Vielmehr sei die Sterberate bei den Altstörchen durch die kürzeren Zugstrecken zurückgegangen.

Es fehlt zunehmend an natürlichen Lebensräumen.

Franz Debatin, Vorsitzender NABU Hambrücken

Füttern sollte man die Störche jedoch nicht, betont Reinhard. Gartenbesitzern rät sie, „ein bisschen Wildnis zuzulassen“. Auf ungemähten Flächen könnten sich Beutetiere so besser vermehren. Insbesondere für die Fütterung der Jungtiere brauchen Störche ein reiches Angebot an Insekten und Würmern. „Es fehlt zunehmend an natürlichen Lebensräumen“, findet auch Franz Debatin.

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Müll im Nest kann Jungvögeln gefährlich werden

Meist um den 1. Mai schlüpfen die Storchenküken. Nach rund vier Wochen kann Fritz Meier sie beringen. Bei dieser Gelegenheit räumt er gerne auch die Horste ein bisschen auf, denn Störche bringen immer öfter auch Müll in ihre Nester. Das kann für die Jungvögel gefährlich werden, etwa wenn sich Schnüre um ihre Beine wickeln.

Sind die kleinen Störche flügge, ziehen sie noch vor ihren Eltern gen Süden. Begleitung brauchen sie dabei keine. „Die Jungstörche haben den Zugtrieb in die Wiege gelegt bekommen“, so Franz Debatin.

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