Die Lage an der Fürst-Stirum Klinik Bruchsal hat sich nach dem Corona-Ausbruch wieder entspannt. | Foto: Heintzen

Großprojekt neben Corona-Krise

Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal: Geplante Neubauten werden teurer

Anzeige

Das Großprojekt wurde beschlossen, da hat noch keiner an Corona-Krise gedacht. Aus der Rechbergklinik Bretten und der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal soll ein einheitliches Plankrankenhaus der Regionalen Kliniken Holding (RKH) entstehen. Nach einem Kassensturz im März ist klar: Aus den 2014 angepeilten 125 Millionen ist inzwischen eine Investitionssumme von rund 170 Millionen Euro geworden. Der Anteil des Landkreises daran beträgt etwa 78,3 Millionen Euro.

Der Kreistag steht weiterhin – auch in Zeiten unsicherer Finanzlagen – hinter dem Vorhaben. Das wird mit seiner Zustimmung zum 77,4 Millionen Euro teuren anstehenden Neubau des D/E-Baus in Bruchsal deutlich. Rund 38,7 Millionen Euro zahlt der Kreis davon selbst.

RKH Kliniken arbeiten mit zwei Schwerpunkten

Die Bedeutung eines gut organisierten Krankenhauses wurde in den vergangenen Wochen schlagartig deutlich. Um auf die Corona-Pandemie reagieren zu können, bildete die RKH zwei Behandlungsschwerpunkte Ost und West. Letzterer fasst die Kliniken Bruchsal, Bretten, Mühlacker und Neuenbürg zusammen. 94 Patienten mit Covid-19 wurden dort inzwischen behandelt, davon sind 65 geheilt entlassen.

Mehr zum Thema: RKH-Kliniken in Bruchsal und Bretten suchen nach Exit-Strategie aus Corona-Modus

Mehr als 1.000 Kontaktpersonen wurden in Kooperation mit Gesundheitsämtern nachverfolgt. Besonders dieser Aspekt sei ein riesiger Aufwand, sagt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin bei der jüngsten Kreistagssitzung. Die Kliniken erhielten mehr als 9.000 Mails und 753 Notrufe.

Das Herunterfahren war wesentlich einfacher als das Wiederhochfahren.

Jörg Martin, RKH-Geschäftsführer

Die RKH-Kliniken waren Hotspots des Corona-Geschehens, bedingt durch die Verbreitung des Virus in nahegelegenen Pflegeheimen und anderen Einrichtungen. Die Fürst-Stirum-Klinik ist bis heute Covid-Zentrum. Dort erhöhte die Holding präventiv die Intensivbetten mit Beatmung von 22 auf 35, solche ohne Beatmung von elf auf 32. Eine Abstrichstelle wurde eingerichtet, interne Veranstaltungen abgesagt, planbare Operationen verschoben.

Es folgte der Besucherstopp, um Ansteckungen zu verhindern. Nun gehen die Türe beschränkt wieder auf, so Martin. „Das Herunterfahren war wesentlich einfacher als das Wiederhochfahren“, sagt Martin.

Corona-Krise kostet Kliniken Geld

Allein 300.000 Euro habe man für den Sicherheitsdienst ausgegeben. Die größte Herausforderung der ersten Wochen war aber die persönliche Schutzausrüstung. „Wir haben sogar Müllsäcke umarbeiten lassen“, erinnert sich Martin. Die Schutzkleidung sei letztlich auch ein
finanzielles Problem geworden: „Mitunter haben wir das 20-fache vom üblichen Preis gezahlt.“

Wir müssen nutzen, dass wir vieles wieder von vorne starten.

Jörg Martin, RKH-Geschäftsführer

Doch Martin ist optimistisch und sieht in der Krise auch eine Chance. „Wir müssen nutzen, dass wir vieles wieder von vorne starten.“ Man könne jetzt das Gesundheitswesen erneuern und Fortschritte wie etwa Tele-Medizin oder die Ambulantisierung vorantreiben.

Kreis gründet Medizinisches Versorgungszentrum in Bruchsal

Dazu diene auch die Gründung des Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) im Landkreis, welchem der Kreistag bei seiner Sitzung zustimmte. Betrieben wird das MVZ als Tochtergesellschaft der RKH Kliniken des Landkreises Karlsruhe (KLK). Ziel ist es, eine ambulante Notfallversorgung an einem Ort innerhalb der Fürst-Stirum-Klinik zu schaffen – außerhalb der zentralen Notaufnahme oder des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Dazu gehört unter anderem ein Darlehen der KLK an das MVZ in Höhe von 400.000 Euro.

Nächster Schritt beim Neubau der Fürst-Stirum-Klinik folgt

Nach dem Neubau der Rechbergklinik in Bretten sowie des G-Baus der Fürst-Stirum-Klinik steht der D/E-Bau auf dem Zeitplan. „Trotz der Kostensteigerung ist das ein stimmiges Konzept“, sagt Cornelia Petzold-Schick für die Freien Wähler. „Das ist für Jahrzehnte wegweisend im Landkreis.“ Ohne den erhöhten Zuschuss des Landes zum Projekt wäre das aber nicht zu realisieren gewesen.

Zentral-OP entsteht im D-Bau

Zunächst wird der D-Bau abgerissen und neu gebaut – es entstehen 19.000 Quadratmeter Klinik. Dort soll vor allem der Zentral-OP untergebracht werden mit acht Sälen. Anschließend wird der dann freigezogene E-Bau abgerissen und ebenfalls neu gebaut auf rund 5.450 Quadratmetern. In diesem Zuge wird auch der F-Bau teilsaniert, damit dort die neue Intensivstation einziehen kann. Das soll Ende 2025 passieren.

„Wenn man die Krankenhäuser neu aufstellen will, ist das bauliche Konzept gezwungenermaßen auch ein Teil davon“, bewertet Uwe Rohrer das Projekt für die Grüne-Fraktion. Auf Dauer müsse man eine Einheit bilden. „Wir haben viel über die Krankenhäuser diskutiert, und sind froh, dass wir so entschieden haben“, sagt Markus Rupp, Fraktionsvorsitzender der SPD.