Mit ihren Keschern fischen Fazli (von links), Tugay und Mohammad von der Schloss-Realschule Stuttgart zu Forschungszwecken kleine Larven aus der Alb.
Mit ihren Keschern fischen Fazli (von links), Tugay und Mohammad von der Schloss-Realschule Stuttgart zu Forschungszwecken kleine Larven aus der Alb. | Foto: Janina Keller

Grünes Klassenzimmer Herrenalb

Kinder lernen barfuß in der kühlen Alb

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„Wiesen, Bäume und die renaturierte Alb sind das Inventar des Grünen Klassenzimmer in Bad Herrenalb“, der Verantwortliche Alexander Pieh will Schüler jeden Alters zum Lernen in die Natur bringen. Neben Tier- und Pflanzenthemen stehen die eigene Gesundheit, soziales Handeln und globales Geschehen auf dem Lehrplan des Umweltbildungsprojekts. Es läuft seit einigen Jahren auf jeder Gartenschau.

Ein Umweltbildungsprojekt

Organisiert wird das Unterrichtsangebot von bwgrün.de, der Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen. Schulen aus dem ganzen Bundesland können bis September fast täglich unterschiedliche Programmangebote buchen. Die Lehrer im Grünen Klassenzimmer sind nicht alle Pädagogen, dafür aber Fachleute ihres jeweiligen Gebietes.

Kinder für den Lebensraum begeistern.

„Wir wollen Kinder für den Lebensraum Wasser begeistern“, betont Biologin Anna Dewert, die ab Juni die Leitung des „Fischmobils“ übernimmt. „Fisch on Tour“ vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg ist eines von insgesamt 34 Themen im „Grünen Klassenzimmer“. „Anfangs haben viele Kinder Berührungsängste“, berichtet Dewert: „Am Ende sind sie kaum mehr aus dem Wasser zu bekommen.“

Lebendige Tiere und teure Materialien

Gemeinsam mit Ruben van Treeck, der das Projekt nun an seine Nachfolgerin abgibt, zeigte sie der Klasse 5c der Schloss-Realschule Stuttgart die kleinen und großen Tiere in der Alb. Bevor es auf Erkundungstour geht, ruft Fachmann van Treeck zu Vorsicht auf: „Heute arbeiten wir mit lebendigen Tieren und teuren Materialien.“ Fische wie Forellen oder Aale werden die Schüler nicht zu fangen bekommen. „Denn sobald ihr alle in den Bach steigt, flüchten sie“, so der Biologe: „Dafür gibt es aber zahlreiche Larven.“

Klassenzimmer mal anders

Im überdachten Zelt-Klassenzimmer im Kurpark hängen passend zum Unterrichtsthema große Plakate in Fischform. Karin Rischert, stellvertretende Klassenlehrerin der 5c, ist vom Projekt begeistert: „Es ist toll, dass die Kinder Natur pur erleben und nicht nur mit Büchern arbeiten.“

Tiere so klein wie ein Fingernagel

Unterdessen stellt Fisch-Experte van Treeck den Kindern ihre Aufgabe: „Sucht auf und unter den Steinen im Bach nach kleinen Tieren. Die sind zum Teil nur so groß wie eure Fingernägel.“ Schon stürmen die Fünftklässler los, barfuß oder in Gummistiefeln, mit Keschern in der Hand. In der Alb machen sie sich lautstark auf die Suche nach Larven, schütteln behutsam Tierchen von Steinen in ihre wasserbefüllten Schalen.

Bei "Fisch on Tour" suchen die Schüler in der Alb nach kleinen Larven.
Bei „Fisch on Tour“ auf der Gartenschau suchen die Schüler in der Alb nach kleinen Larven. | Foto: Janina Keller

Ich kann hier barfuß laufen.

Strahlend steht die elfjährige Denisa mit den Füßen im kühlen Wasser. Stolz zeigt sie den Biologen ihren Fang im Kescher: „Es ist schön, dass es viele Tiere im Bach gibt. Wir können Zeit draußen verbringen und die Natur erkunden.“ Auch der zehnjährige Fazli findet: „Im Grünen Klassenzimmer gibt es mehr Natur, das ist schöner als in der Stadt. Und ich kann hier barfuß herumlaufen.“

Mit Vorsicht und Pinzetten

Nach circa 20 Minuten rufen die Experten die Kinder dann wieder zurück an die „Schulbänke“. Erwartungsvoll sitzen sie vor ihren weißen Schüsseln, in denen ihre Fänge hin und her schwimmen, während van Treeck die Laborausrüstung erklärt: „Mit einer weichen Pinzette könnt ihr die Tiere vorsichtig in eine kleine Glasschale versetzen, ohne sie zu zerdrücken.“

Forschen unter dem Mikroskop

Nun können die Schüler die kleinen Larven unter dem Mikroskop beobachten. In einer Mappe schauen sie anschließend nach, um welches Tier es sich handelt, wie viele Beine es besitzt und was es frisst. Eintags- sowie Köcherfliegen-Larven und Flohkrebse schwimmen unter den Augen der Schüler schnell hin und her.

Für ihre erfolgreiche Gewässerforschung an der Alb verliehen die „Fisch on Tour“-Lehrkräfte der Klasse zum Schluss eine Forschungsurkunde. „Und jetzt bringt ihre alle eure Tiere wieder vorsichtig in den Bach zurück“, beendet van Treeck den Unterricht.
Informationen und Anmeldung: www.gruenesklassenzimmer-bwgruen.de