NICHTS ZU SUCHEN haben in den Altkleidercontainern Rest- und Plastikmüll. Immer wieder fanden sich eine zeitlang auch Grüngut und Bauschutt in den Behältern.
NICHTS ZU SUCHEN haben in den Altkleidercontainern Rest- und Plastikmüll. Immer wieder fanden sich eine zeitlang auch Grüngut und Bauschutt in den Behältern. | Foto: Foto: Karlsruher Textilverwertung/Bas

Täter sind schwer zu fassen

Illegale Restmüllentsorgung in Altkleidercontainern sorgt für Ärger in Rheinstetten

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In Rheinstetten wurde seit einigen Wochen unappetitlicher Restmüll, Grünschnitt und Bauschutt kurzerhand in Sammelcontainern für Altkleider und sonstige Textilien entsorgt.  Illegale Müllentsorgung wie diese – in der Fachsprache etwas beschönigend „Fehlwurf“ genannt, regt nicht wenige Bürger auf.

Von unserem Mitarbeiter Jürgen Hotz

„Ich zuerst und nach mir die Sintflut“, scheinen sich einige Mitmenschen gerade in Corona-Zeiten zu sagen.  Juristisch und im Amtsdeutsch ist die illegale Müllentsorgung eine Ordnungswidrigkeit. Diese regt nicht wenige Bürger auf. Ganz abgesehen davon, werden die gesammelten Kleider verschmutzt und sind für eine weitere Nutzung durch Bedürftige unbrauchbar geworden.

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„Es ist ein grundsätzliches Problem, die Leute können nicht abwarten“, stellt Michael Knapp fest, der stellvertretende Leiter der Abteilung Steuern, Gebühren und Abgaben bei der Stadt Rheinstetten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Sammelhöfe vorübergehend geschlossen. Aber unabhängig von Corona tauche das Phänomen immer mal wieder auf und die Täter seien schlichtweg schwer zu fassen. Auch Ronald Daum, der Leiter des Rheinstettener Ordnungsamtes, bedauert, dass „in den allerwenigsten Fällen ein Verfahren eingeleitet werden kann“.

Nur wenn Täter „in flagranti“ erwischt werden ist Strafverfolgung möglich

Das bestätigt auch Polizeihauptkommissar Volker Rapp vom Rheinstettener Polizeiposten am Rösselsbrünnle, „die Problematik ist bekannt“. Wenn im Müll ein Kuvert mit Anschrift gefunden würde, bestehe eine Chance auf eine Ermittlung der Schuldigen. Allerdings könne der Täter auch abstreiten, dass er selbst den Müllsack in den Container geworfen hat. Nur wenn der oder die Täter „in flagranti“ erwischt werden, sie also gerade im Begriff sind, ihren Müll einzuwerfen und von Zeugen beobachtet werden, dann könne eine Strafverfolgung tatsächlich stattfinden.

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Allein an fünf Standorten von insgesamt 17 Sammelorten in Rheinstetten, das Gewann Silberstreifen eingeschlossen, hat Aydin Bas beim Öffnen der grünen Stahlbehälter böse Überraschungen erlebt. Bas betreibt die Karlsruher Textilverwertung Bastex, die im Auftrag der Stadt Rheinstetten die Container aufstellt, wartet, reinigt und auch entleert. Die unsachgemäße Entsorgung von Hausmüll, Grünschnitt und Bauschutt dokumentiert er per Foto.

Die betroffenen Standorte sind dabei über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Mal befinden sich die Sammelcontainer direkt in Wohngebieten und mal in Industriegebieten oder am Rande von Sportplätzen.

Ich drücke auch mal ein Auge zu und sehe von einer Anzeige ab, wenn der Täter seinen Müll dann wieder abholt.

Aydin Bas, Betreiber der Textilverwertung Bastex

Über einen im Müll gefundenen Adresskleber hat Bas sich schon einmal mit einem Täter in Verbindung gesetzt. „Ich drücke auch mal ein Auge zu und sehe von einer Anzeige ab, wenn der Täter seinen Müll dann wieder abholt.“ Zur Rechtfertigung hört er durchaus kuriose Ausreden wie: Der Fehlwurf in den Kleidercontainer sei „aus Versehen passiert“.

Seit der Corona-Krise werden die Container wöchentlich geleert

Eine Reinigung des Containers mit dem Dampfstrahler sei bei grober Verunreinigung dann unumgänglich, wo üblicherweise eine einfache Säuberung mit Glasreiniger ausreiche. Normalerweise leere er die Sammelcontainer nur alle zwei Wochen, doch seit die Corona-Krise da ist, komme er mit seinem Mitarbeiter wöchentlich.

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Recycling-Experte Bas vermutet, dass die illegalen Entsorger die Müllgebühr für den Restmüll sparen wollten, da im Landkreis neben der Grundgebühr nach Anzahl der Abfuhren abgerechnet wird.

Karin Nees von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Rheinstetten sagt, man habe in der Vergangenheit immer wieder an die Bürger appelliert, den korrekten Weg der Müllentsorgung einzuhalten. Auch eine Abfallberatung sei eingerichtet. Gleichzeitig wolle man das Thema nicht überbewerten. Aber – und es klingt wie eine Warnung – „wir beobachten diese Vorgänge aufmerksam“.