Welche Auswirkungen die neue Energiegewinnung, wie hier in Bruchsal, auf das Leben der Bürger hat, beschäftigt die Interessengemeinschaft Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe. Ihren Fragenkatalog haben sie an die Deutsche Erdwärme geschickt.
Welche Auswirkungen die neue Energiegewinnung, wie hier in Bruchsal, auf das Leben der Bürger hat, beschäftigt die Interessengemeinschaft Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe. Ihren Fragenkatalog haben sie an die Deutsche Erdwärme geschickt. | Foto: Heintzen

Offene Fragen

Interessengemeinschaft Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe kritisiert Pläne der Deutschen Erdwärme

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Gehör in Sachen Tiefengeothermie möchte sich eine Interessengemeinschaft im Landkreis Karlsruhe verschaffen. Dazu hat sie einen Fragenkatalog verfasst und an die Deutsche Erdwärme geschickt, welche Projekte zum Energiegewinn in Graben-Neudorf und Waghäusel plant und auch im Süden Karlsruhes eine Aufsuchungserlaubnis hat.

In dem Schreiben würden Ängste und Unsicherheiten der Bürger deutlich, etwa zur Erdbebengefahr, Grundwasserabsenkungen oder Lärmbelästigung. „Für ein erfolgreiches Geothermie-Projekt müssen Besorgnisse, Anliegen und Fragen der Bürger ernstgenommen und in einem ergebnisoffenen Dialog angesprochen werden“, schreibt die Interessengemeinschaft Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe.

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Bürger bemängeln Kommunikation

Seit einigen Wochen ist die Interessengemeinschaft, ehemals Bürgerinitiative, über Facebook aktiv. „Wir möchten darauf hinwirken, dass die Bürger ein größeres Mitspracherecht erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung. „Projekte, die in die direkte Privatsphäre von Bürgern eingreifen, sollten nur mit Zustimmung der direkt Betroffenen verabschiedet werden.“

Viele Anwohner der betroffenen Gemeinde Graben-Neudorf sowie der Stadt Waghäusel würden jedoch aussagen, von der Deutschen Erdwärme nie befragt worden zu sein.

Interessengemeinschaft Tiefengeothermie hinterfragt Auswirkungen

Die Interessengemeinschaft spricht von Risiken, die die Tiefengeothermie ihrer Kenntnis zufolge berge. Die Einschränkungen und Gefahren für Bürger sowie die Umwelt erschienen viel zu unberechenbar, als dass auf der anderen Seite ausreichend positive Effekte für eine sinnvolle, ökologische, nachhaltige Strom- und Wärmeversorgung erkennbar wären.

Die Interessengemeinschaft zweifle aufgrund des Eigenstrombedarfs der Geothermie-Kraftwerke auch an der beworbenen Ökonomie. Die Energiewende befürworte man, sie müsse aber auch ethische Kriterien erfüllen.

Deutsche Erdwärme setzt auf Dialog

„Die Kommunikation mit den Bürgern ist uns ein zentrales Anliegen“, sagt Herbert Pohl, Gründer der Deutschen Erdwärme GmbH. „Wenn wir über Dialog reden, versuchen wir das Anliegen auch mit Leben zu füllen“, so Pohl.

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In Waghäusel habe man sich sehr bemüht mit Infogesprächen und im Gemeinderat für Antworten zu sorgen. Zu genauen Standorten könne man sich noch nicht äußern. In Graben-Neudorf sollen Bürgerinformationsabende und Gespräche auf dem Frühlingsmarkt folgen. Das bergbaurechtliche Verfahren dort habe aber noch nicht begonnen. Die Anlage soll neben SEW entstehen.

Die lokalen Sorgen und Ängste nehmen wir ernst.

„Wir sind offen für Dialoge, die auf Fakten und Analysen basieren“, sagt Pohl weiter. Das müsse man auch sein, wenn man im öffentlichen Raum agiere, wie es die Deutsche Erdwärme tue. Negativbeispiele würden auf etwa Anlagen beruhen, die vor langer Zeit erbaut wurden. Sowohl das Land als auch Wissenschaftsinstitute hätten grünes Licht für die Energiegewinnung gegeben.

„Die lokalen Sorgen und Ängste nehmen wir ernst“, versichert Pohl. „Die Bürger haben das gute Recht, ihre Bedenken zu äußern.“