Die Stadtbahnlinie S 5 ist immer wieder von Fahrtausfällen betroffen - unser Bild zeigt den Haltepunkt Söllingen Bahnhof. | Foto: Müller

Bauprojekte in Pfinztal

Jetzt doch eine Brücke?

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Die Gemeinde mit den meisten großen Straßenbauplänen im Landkreis dürfte Pfinztal sein. In Berghausen stehen die Planungen für die Neutrassierung der B 293 an, die B-10-Umfahrung fristet ihr Dasein im Bundesverkehrswegeplan, in Söllingen geht es um die Unterführung am Bahnhof, und in Kleinsteinbach gibt es neue Diskussionen um eine Südumfahrung sowie den Bahnübergang in der Ortsmitte.

Kleinsteinbach

Bahnübergang: Dort gibt es wieder eine neue Entwicklung, wie Gemeindebaumeister Günter Knobloch sagt. Eine Verkehrsschau habe ergeben, dass die zuletzt aktuellen Pläne nochmals hinterfragt werden und die ursprüngliche Lösung einer Überfahrung der Eisenbahnstrecke und eine Fußgängerunterführung vor Ort wieder diskutiert wird. Vorgesehen war, den Übergang beizubehalten, aber die Straßen neu zu ordnen, um die Sicherheit zu erhöhen. Diese Überlegung scheint aber mit Blick auf den Schulbetrieb in der Nähe des Haltepunktes nicht ausgereift zu sein. Deshalb kommt wieder die alte Lösung in Betracht, die die Gemeinde aus Kostengründen vor einigen Jahren verworfen hatte.
Südumfahrung: Das Thema wurde jüngst im Gemeinderat wieder diskutiert. Beschlusslage in dieser Frage ist die „Aufnahme von Planungsleistungen“.
Bockstalstraße: Die Landesstraße 563 wird bei Sperrungen und Unfällen auf der Autobahn als Ausweichroute genutzt. Sie ist in einem schlechten Zustand, was laut Knobloch schon mit dem Regierungspräsidium diskutiert wurde. Doch sei jetzt erst einmal die B 10 saniert worden. Wenn dieses Projekt abgerechnet sei, rücke die Landesstraße wieder etwas in den Vordergrund. „Wir haben das auf dem Radar“, sagt Knobloch.

Söllingen

Unterführung: Das Projekt ist beschlossen, das Regierungspräsidium hat der Gemeinde mitgeteilt, dass sie mit vorbereitenden Arbeiten beginnen könne, ohne dass dadurch etwaige Zuschüsse gefährdet wären. Diese Vorbereitungen betreffen Kanäle und Leitungen in der Ortsmitte. Laut Knobloch soll der Gemeinderat noch vor den Sommerferien um einen Beschluss gebeten werden, damit die Verlegungen starten können. Im übrigen werde dann auch der Antrag für das Planfeststellungsverfahren gestellt – mit dem Projekt an sich könne dann eventuell 2020 begonnen werden. Bekanntlich geht es um eine Pkw- und eine Fußgängerunterführung. Die Gesamtkosten liegen bei rund 25 Millionen Euro, von denen zehn Millionen an der Gemeinde hängen bleiben dürften.

Berghausen

B 293: Da sorgte eine Nachricht aus Berlin für Aufsehen. Der Bundestagsabgeordnete Christian Jung (FDP) hatte beim Verkehrsminister den Sachstand angefragt. Der von dort erforderliche „Gesehenvermerk“ ist Voraussetzung für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens. Voraussetzung für den Vermerk ist das Vorliegen der entsprechenden Unterlagen. Doch anders als die Annahme im Rathaus Pfinztal, dass die Dinge schon seit längerem in der Hauptstadt seien, liegen sie dort noch gar nicht vor.

KOMMENTAR

Pfinztal hat zumindest ein Alleinstellungsmerkmal – es ist die größte Gemeinde im Landkreis Karlsruhe (bei allen größeren Kommunen handelt es sich um sogenannte Große Kreisstädte). Vermutlich aber hat Pfinztal noch ein zweites solches Alleinstellungsmerkmal: Kein anderer Ort in der Region dürfte eine solche Fülle größerer Straßenbauvorhaben diskutieren. In drei der vier Ortsteile gibt es Projekte in zweistelliger Millionenhöhe. Nur im beschaulichen Wöschbach führt man keine solche Debatte.
Am interessantesten stellt sich derzeit das Thema Bahnübergang Kleinsteinbach dar. Die Bahn hat großes Interesse, dass es dort Veränderungen gibt – seit einem Unfall vor einigen Jahren ist dort eine sogenannte Langsamfahrstelle eingerichtet, die den Betrieb auf der Strecke Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart seither beeinträchtigt. Eine große Lösung, mittels der der Übergang durch eine Brückenlösung aufgehoben worden wäre, scheiterte am Geld. Die Überlegungen der Bahn, die Situation neu zu ordnen, machte verschiedene Probleme deutlich: das Lokal „Hühnerdieb“, der Denkmalschutz auf dem Bahnhof, die nahe Schule.
Jetzt ist die alte Idee wieder neu aufgeschlagen. Über die Brücke soll erneut nachgedacht werden. Die wird planerisch sicher überzeugen, hat aber vermutlich damals wie heute einen entscheidenden Haken. Billiger als vor drei Jahren dürfte sie nicht werden, im Zweifelsfall eher teurer. Und bis zu einer Verwirklichung dauert es auch seine Zeit. So lange wird in Kleinsteinbach dann auch langsam gefahren werden müssen. Die Beseitigung des Bahnübergangs im Nachbarort Söllingen dürfte nach derzeitigem Stand deutlich früher umgesetzt worden sein.                                                                                        Matthias Kuld