Um Obst und Gemüse dreht sich der Alltag von Florian Petrik auf dem Bioland-Hof Petrik in Pfinztal. Einen Nachfolger zu finden, fällt vielen landwirtschaftlichen Betrieben hingegen schwer.
Um Obst und Gemüse dreht sich der Alltag von Florian Petrik auf dem Bioland-Hof Petrik in Pfinztal. Einen Nachfolger zu finden, fällt vielen landwirtschaftlichen Betrieben hingegen schwer. | Foto: Bodamer

Nachfolge für den Betrieb

Junglandwirt Florian Petrik übernimmt den Bio-Hof der Eltern in Pfinztal aus Leidenschaft

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Rund 60 Hektar Land sind der Arbeitsplatz von Florian Petrik. Noch verwaltet der Junglandwirt den Bioland-Hof Petrik gemeinsam mit seinen Eltern. Eines Tages wird der 32-Jährige den Betrieb in Pfinztal vollständig übernehmen. Seine Freundin arbeitet ebenfalls mit. Eine sichere Nachfolge hat aber schon lange nicht mehr jeder Hof.

Familie Petrik ist spezialisiert auf Gemüse und Kartoffeln, die Tierhaltung läuft nur nebenbei. Warum sich Florian Petrik bereits vor Jahren für die Landwirtschaft und Hof-Nachfolge entschied, hat er unserem Redaktionsmitglied Janina Keller erzählt.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung an den Bauernhof?

Petrik: Ich hatte viel Platz zum Spielen und konnte immer bei meinen Eltern sein. Der Kontakt zu den Tieren war als Kind natürlich auch toll. Als ich klein war, gab es auf dem Hof noch viel mehr davon: Rinder, Ziegen, Hühner und Schweine. Man kann als Kind bereits viel mithelfen. Wenn ich das getan habe, war das aber freiwillig. Meine Eltern haben da nie Druck gemacht.

Wann haben Sie sich dazu entschieden, die Landwirtschaft zum Beruf zu machen und in den Hof der Eltern miteinzusteigen?

Petrik: Für mich war einfach klar, dass ich Landwirtschaft studieren will. Zu Beginn des Studiums stand eigentlich auch schon fest, dass es auf längere Sicht darauf hinauslaufen wird, dass ich in den Hof einsteige. Im Anschluss an mein Trainee-Programm, bei dem ich hauptsächlich im Büro saß, kam für mich ein guter Zeitpunkt dafür. Da wir den Hof zu viert führen, lastet auch noch nicht die ganze Verantwortung auf meinen Schultern.

Aber aus reinem Traditionsdenken hätte ich es nicht gemacht.

Florian Petrik, Junglandwirt

Sind Sie diesen Schritt aus Leidenschaft oder Tradition gegangen?

Petrik: Klar, wäre es vielleicht schade gewesen, wenn am Ende niemand den Hof weitergeführt hätte. Aber aus reinem Traditionsdenken hätte ich es nicht gemacht. Dafür hängen zu viele Aufgaben an der Entscheidung. Es war also mehr die Leidenschaft und der Spaß an der Arbeit.

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Können Sie nachvollziehen, dass andere junge Menschen diesen Weg nicht gehen wollen und aus dem Landwirtschaftsbetrieb der Eltern aussteigen?

Petrik: Es gibt sicher Gründe, die dafür sprechen. Gerade wenn es einen Generationenkonflikt mit den Eltern gibt. Wenn diese zum Beispiel ihren Stil strikt durchziehen wollen, ist es für die Jungen schon schwieriger ihren Weg zu gehen. Meine Eltern waren immer offen für neue Vorschläge. Andererseits ist natürlich klar, wenn ich in der Industrie arbeite, verdiene ich deutlich mehr für weniger Arbeit. Da kann man junge Menschen schon verstehen, die den Hof vielleicht nur im Nebenerwerb führen.

Sind Sie denn eher Geschäftsführer oder derjenige, der auf dem Feld schuftet?

Petrik: Bei uns macht man beides. Schließlich sind wir kein riesiger Betrieb. Gestern habe ich zum Beispiel Möhren sortiert und gewaschen – das gehört auch dazu. Aber ich bin gleichzeitig auch derjenige, der den Überblick behalten muss, die Mitarbeiter einteilt, alles koordiniert und vorbereitet.

Berufliches und Privates sind sehr eng verbunden.

Florian Petrik, Junglandwirt

Wie sieht Ihr typischer Tag aus?

Petrik: Die Tage sind meistens schon lang. Über den Winter fange ich so gegen 7 Uhr an zu arbeiten. Im Sommer, wenn es heiß ist, beginnen wir bereits um 6 Uhr mit Salat schneiden. Wir Chefs sind davor schon da. Die Mitarbeiter haben irgendwann Feierabend. Bei mir geht es abends weiter, zum Beispiel mit der Beregnung der Felder. Wirklich Feierabend zu machen, ist schwer. Berufliches und Privates sind sehr eng verbunden.

Wäre es für Sie denkbar, Bio den Rücken zu kehren und konventionelle Landwirtschaft zu betreiben?

Petrik: Entweder Bio oder gar nicht, das ist ganz klar. Für mich war das von vorneherein klar. Ich weiß um die Vorteile der Ökolandwirtschaft. Ressourcenschonung ist ein ganz wichtiger Punkt sowie Klima-, Wasser- und Artenschutz. Die Themen, die derzeit in aller Munde sind, waren früher schon genauso aktuell. Da stehe ich voll dahinter.

Gibt es bestimmte Herausforderungen, mit denen Sie in den kommenden Jahren rechnen?

Petrik: Sicher. Ein Punkt wird das Personal sein. Das geht jedem Handwerker genauso. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist unheimlich schwierig. Erstens, weil es nicht viele Fachkräfte gibt, und zweitens bietet gerade auch die Region um Karlsruhe deutlich attraktivere Arbeitsplätze hinsichtlich der Bezahlung. Um die Arbeitsbelastung der Familie ein wenig zu reduzieren, sind ausreichend Mitarbeiter aber notwendig.

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Wie sieht es mit dem Klimawandel aus?

Petrik: Den spüren wir als Landwirte natürlich mit als Erste. Die Bewässerung von Gemüse und Kartoffeln bindet sehr viel Arbeitszeit und Kosten. Brokkoli haben wir zum Beispiel schon aus dem Anbau genommen, weil er mit der Hitze nicht zurechtkommt. Man muss am Ball bleiben und die Entwicklungen beobachten.

Als ich eingestiegen bin, kam auch personell Luft dazu, sich um neue Dinge zu kümmern.

Florian Petrik, Junglandwirt

Was machen Sie heute schon anders, als etwa Ihr Vater?

Petrik: Ich habe eher nur Feinheiten im Anbau oder in der Büroarbeit geändert. Zum Beispiel haben wir neue Anlagen, um Gemüse aufzubereiten. Es war aber nicht so, dass mein Vater all dies nicht wollte. Als ich eingestiegen bin, kam auch personell Luft dazu, sich um neue Dinge zu kümmern. Meine Freundin hat zudem die Website auf den Weg gebracht und den Verkauf auf dem Wochenmarkt angeregt.

Welche Pläne haben Sie für den Hof und was muss sich dafür gesetzlich noch ändern?

Petrik: Der bürokratische Aufwand steigt, das kostet Zeit. Aber das geht jedem Selbstständigen so und gehört dazu. Was die Bio-Auflagen angeht, die erfülle ich aus Überzeugung. Wir wollen den Betrieb stetig weiterentwickeln, um auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können. Der Schwerpunkt soll dabei weiterhin im Bereich Gemüse und Kartoffeln liegen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihre Tochter eines Tages in vierter Generation den Hof übernimmt?

Petrik: Wenn Sie dazu Lust hat, gerne. Wenn Sie etwas anderes machen will, bin ich auch nicht böse.

Haben Sie Ihre Entscheidung jemals bereut?

Petrik: Nein. Man ist mal geschafft im Sommer, ärgert sich über vertrocknete Ernte oder Vermarkter. Aber die positiven Aspekte überwiegen.

Altersstrukturen in der Landwirtschaft
Viele Landwirte bewegen sich in den kommenden zehn Jahren auf den Ruhestand zu. Betriebsnachfolger für die Höfe fehlen, prognostiziert Werner Kunz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Karlsruhe. Das führe zu massiven Strukturänderungen. Rund 36 Prozent aller Betriebsleiter in der Landwirtschaft im Landkreis Karlsruhe seien aktuell älter als 55 Jahre. Etwa 27 Prozent liegen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, so Kunz. Dem Deutschen Bauernverband zufolge wird inzwischen knapp die Hälfte der Arbeit in der deutschen Landwirtschaft von Familienangehörigen übernommen.
„Oft fragen sich die Landwirte, ob sie ihren Kindern das Geschäft antun sollen“, sagt Kunz. Mit den steigenden Forderungen an die Landwirtschaft habe sich die Situation zugespitzt. „Viele junge Menschen sind abgeschreckt. Sie wollen nicht dauerhaft die nächsten Jahre damit konfrontiert werden, woran die Landwirtschaft alles schuld sein soll“, erklärt Kunz. Der Frust sei groß. „Mit den radikalen Forderungen können viele nicht mithalten.“ Man schaffe es nur stückweise, sich den Vorgaben anzunähern. Kunz ist sicher: „Wenn wir Perspektiven aufzeigen, entscheiden sich auch wieder junge Menschen dazu, in die Landwirtschaft einzusteigen.“