Maiswurzelbohrer: Die Käfer legen bis Oktober ihre Eier. Im kommenden Jahr schlüpfen gefräßige Larven. | Foto: Baufeld/dpa

Schädling entdeckt

Maiswurzelbohrer geht in der Region um

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Der Maiswurzelbohrer geht in der Region um. Wer bei dieser Nachricht an Ernteausfälle und massiven Einsatz von Pestiziden denkt, hat Bilder aus den USA im Kopf. Dort wird der Schädling „Billion Dollar Bug“ genannt, weil er auf riesigen Feldflächen jährlich Ernteausfälle im Wert von rund einer Milliarde Dollar verursacht. Beim Landwirtschaftsamt des Landkreises Karlsruhe bleibt man indes gelassen.

„Eigentlich ist der Maiswurzelbohrer in den Griff zu bekommen“, sagt Ulrich Kraft, Chef des Landwirtschaftsamtes. Als der Maiswurzelbohrer erstmals in Deutschland auftrat, habe man zunächst mit Quarantäne und massivem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reagiert. Inzwischen wisse man mehr über den Schädling.

Ortstreue ist wunder Punkt des Schädlings

„Die Weibchen legen ihre Eier eigentlich immer auf dem gleichen Feld ab. Es sind nur zwei bis fünf Prozent der Weibchen, die migrieren“, erklärt Kraft. Aus den Eiern entwickeln sich im Folgejahr Larven, die sich an den feinen Wurzeln der Maispflanzen gütlich tun. Aus den Larven schlüpfen neue Käfer, die bis Oktober wieder Eier in den Boden ablegen. Schwachpunkt des Maiswurzelbohrers: Mit anderen Pflanzen können die Tiere nichts anfangen. Gibt es in den folgenden zwei Jahren keinen Maisanbau auf dem Feld, ist der Zyklus unterbrochen. „Nicht alle Larven schlüpfen im Folgejahr, aber wenn man eine andere Fruchtfolge hat, ist das kein Problem“, so Kraft. Und die Fruchtfolge (beispielsweise Mais, Weizen, Gerste und dann wieder Mais) würden Landwirte hier ohnehin zurückgreifen.

Zwei Dutzend Käfer in Eggenstein in Falle

Kraft kann den Befall auch in Zahlen fassen: In Käferfallen in Huttenheim wurden aktuell 24 Käfer gezählt, in Eggenstein um die zehn Tiere. Daneben gab es Funde in Bruchsal, Rheinsheim, Rußheim, Liedolsheim, Hochstetten, Leopoldshafen, Grötzingen, Weingarten, Ubstadt. Als Vergleich nennt Kraft Zählungen in Südbaden, wo bis zu 1.000 Käfer pro Falle gezählt wurden. „Ab einer Menge von 100 müsste man Maßnahmen ergreifen.“ Dann werde Fruchtfolge vorgeschrieben und eine Quarantäne eingerichtet, wie 2007 im Ortenaukreis.

Chemie kommt keine zum Einsatz

Zur Chemiekeule werde wegen des Maiswurzelbohrers ohnehin nicht mehr gegriffen. Das hatte damals in der Folge von Quarantäne und Pestizideinsatz an der Ortenau zu einem Bienensterben geführt. Immerhin: Bei den bisherigen Befallszahlen seien „sicher keine Ausfälle zu erwarten“, so Kraft.

An Mais angebaut werde im Landkreis Süßmais sowie Silomais für Tierfutter und Körnermais beispielsweise für die Verpackungsindustrie, weil sich aus der Stärke auch Folien herstellen lasse. Der Unterschied zwischen Silo- und Körnermais liege in der Reifezeit, die Sorte sei die gleiche, so Kraft.