Ein Lärmschutzwall entsteht an der A 5 bei Weingarten. Besondere Umstände führen dazu, dass die Gemeinde damit sogar noch Geld verdient. | Foto: Lother

Weingarten baut an der A 5

Lärmschutzwall bringt noch Geld

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Das dauert aber. Die Pendler auf der A 5 verfolgen seit November 2015 den Bau des Lärmschutzwalls beim Weingartener Ortsteil Waldbrücke. „So recht kommen die nicht voran“, denkt sich da mancher und stellt die „Frage „wird da eigentlich was geschafft“. Die objektive Antwort heißt „manchmal“ – und das hat Gründe.
Die Baustelle für den Lärmschutzwall an der Ostseite der A 5, der die Lärmbeeinträchtigung für die etwa 1 800 Bewohner der Waldbrücke mindern soll, ist etwas ungewöhnlich. Bauherr ist die Gemeinde, obwohl die Autobahn dem Bund gehört. Diskutiert wird seit Anfang der neunziger Jahre, die Bauzeit ist erheblich und das tollste ist: Die Gemeinde Weingarten bekommt sogar noch Geld dafür, dass sie diesen Lärmschutz bauen lässt.

Lange Debatte

Doch der Reihe nach. Im Februar 1992 beantragt die CDU im Gemeinderat, man möge sich um den Lärmschutz für die Waldbrücke kümmern. Der Sache wird nachgegangen, unter anderem in Gesprächen mit dem seinerzeitigen Autobahnamt. Die verlaufen ernüchternd. Der Bund übernimmt keine Kosten. „Der zahlt nur das, wozu er verpflichtet ist“, sagt Bürgermeister Eric Bänziger im Rückblick auf die damalige Entwicklung – das Thema wurde auf Eis gelegt.

Kostenfrei oder doch nicht?

1998/1999 wurde das Ganze wieder aufgewärmt. CDU und Freie Wähler berichteten vom Angebot eines Bauunternehmens, das einen 400 Meter langen Lärmschutz kostenfrei herstellen wollte. Ganz hasenrein erschien dem Gemeinderat die Sache nicht, denn er diskutierte lange Zeit weiter. Das wenig begeisternde Ergebnis kam 2002: Der Lärmschutz kostet doch Geld, 2,4 Millionen etwa für einen Wall. 2004 kam es noch dicker: Der Wall müsste, so ein Lärmschutzgutachten zehn Meter hoch werden und eine Länge von 1 400 Meter haben. Das Thema wurde gleichwohl verwaltungsseitig weiter vorangebracht mit aktualisierten Zahlen 2012: 1,6 Millionen für den Wall, 400 000 Euro für die Zuwege.

Ausschreibung mit null Euro Baukosten

Noch war die Sache nicht entscheidungsreif. Die Bürger der Waldbrücke wurden befragt, ob sie denn den Lärmschutz wünschen – sie wollten. Auch die Lärmgutachten verlangten einen Schutz. So kam es 2015 zu einer ganz und gar ungewöhnlichen Ausschreibung: Bau eines Lärmschutzwalls mit reinen Baukosten für die Gemeinde von …. exakt null Euro. Wie das? Bürgermeister Bänziger begründet dies mit den Umständen des benötigten Materials – Aushub von Großbaustellen. Vereinfacht ausgedrückt ist es so, dass die Entsorgung von Aushub sündhaft teuer ist. Deswegen wird der Aushub an Unternehmen gegeben, die ihn – nach intensiver Prüfung bezüglich der Schadstoffe – etwa in einem Lärmschutzwall einbauen können. Die bekommen dann ihrerseits noch Geld dafür, dass sie ihn abnehmen, haben also das Material umsonst. Die „Prämie“ reicht nicht nur für die Kosten wie etwa Personal, sondern auch dazu, der Gemeinde ein Angebot zu machen, das dieser noch brutto 1,5 Millionen Euro bringt. „Davon müssen wir noch Planungskosten und eine Ablöse an das Regierungspräsidium bezahlen“, sagt Bänziger, „aber unterm Strich bleiben uns noch 700 000 Euro“.

„Stoffmanagement“

Der spezielle Lärmschutzwall Weingarten braucht zur Fertigstellung Zeit. Die ist einkalkuliert. Das Unternehmen will es in fünf Jahren schaffen. Für einen Lärmschutzwall fünf Jahre? „Ja“, sagt Bauamtsleiter Oliver Leucht, „denn es ist ja nicht immer Material verfügbar“. Das ist auch die Antwort auf die Frage, ob da jemand schafft: Manchmal ja, manchmal nein. Hängt eben davon ab, ob Aushubmaterial zum Einbau angeliefert werden kann. Eine Frage des „Stoffmanagements“. So kommen die fünf Jahre zusammen, zumal es auch noch ein Probleme am Rand gibt. An zwei Stellen in den anderthalb Kilometern bedarf es nämlich doch einer Lärmschutzwand anstelle eines Walls.

Fünf Jahre Bauzeit

Nach insgesamt fünf Jahren soll das Werk abgeschlossen sein. Bislang liege man sehr gut im Plan, so Hauptamtsleiter Oliver Russel. Und das mit einer nur geringfügigen Beeinträchtigung der Bewohner der Waldbrücke. Immerhin waren 25 000 Lkw-Fahrten errechnet worden, um die geschätzten 270 000 Tonnen Masse zu transportieren.
Eric Bänziger erklärt schließlich noch eine weitere Besonderheit des kommunalen Lärmschutzwalls an der Bundesautobahn. Nach der Fertigstellung sorgt die Gemeinde noch für die Bepflanzung des Walls, um die sich dann autobahnseitig das Regierungspräsidium kümmert, ab dem Scheitelpunkt in Richtung Weingarten ist die Gemeinde zuständig.