Ab zum Unterricht: Für einige Schüler beginnt am Montag, 4. Mai, wieder der Alltag im Klassenzimmer. Damit sie auch alle pünktlich in die Schulen kommen, fahren die Verkehrsunternehmen in Karlsruhe und Pforzheim ihre Leistungen wieder auf Normalbetrieb hoch.
Ab zum Unterricht: Für einige Schüler beginnt am Montag, 4. Mai, wieder der Alltag im Klassenzimmer. Damit sie auch alle pünktlich in die Schulen kommen, fahren die Verkehrsunternehmen in Karlsruhe und Pforzheim ihre Leistungen wieder auf Normalbetrieb hoch. | Foto: Fabry

Fahrplan in der Corona-Krise

ÖPNV zum Schulstart: Verkehrsunternehmen bereiten Bus und Bahn in Karlsruhe, Rastatt und Pforzheim vor

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Fahrradfahren ist nicht für alle eine Option, einen Führerschein oder gar ein Auto haben auch nur wenige. Zum Laufen ist der Weg in vielen Fällen zu weit. Wenn am Montag die Schulen in der Corona-Krise teilweise öffnen, wollen auch zahlreiche Schüler wieder von ihrem Wohnort zum Unterricht pendeln. Der mit der Schulschließung ausgedünnte ÖPNV wird wieder zur Notwendigkeit.

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) haben ihre Leistungen bereits im Anschluss an die ersten Lockerungen zur Corona-Pandemie auf 80 Prozent erhöht. Im Mittelpunkt stehen der Berufsverkehr von Montag bis Freitag, und eben bald auch wieder die Beförderung von Schülern.

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Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sowie der Verkehrsbund Pforzheim-Enzkreis (VPE) gehen dann sogar zum regulären Fahrplan und den vollen 100 Prozent Leistung über.

ÖPNV bringt trotz Corona-Krise wieder volle Leistung

Zum Schulstart am 4. Mai ist der ÖPNV wieder auf einem hohem Level, erklärt Nicolas Lutterbach, Sprecher der VBK und AVG. Einschränkungen gebe es weiterhin etwa bei Nightlinern, nicht aber bei Fahrten für die Schüler. Die VBK habe man schneller wieder auf Stand bringen können, so Lutterbach. Schließlich fahren deren Linien nur innerstädtisch und damit in einem geschlossenen System.

Das ist ein hochkomplexer Prozess.

Nicolas Lutterbach, Sprecher der VBK und AVG

„Bei der AVG braucht es zusätzlich Abstimmungen mit dem Eisenbahnverkehr und der Deutschen Bahn, da diese dieselben Schienen nutzen“, so der Sprecher. Entsprechend begrenzt sei die Kapazität der Trassen. „Das ist ein hochkomplexer Prozess“, sagt Lutterbach. Dass die Politik zur Wiedereröffnung der Schulen zwei Wochen Zeit-Puffer eingebaut hat, sei daher sinnvoll gewesen.

Verkehrsunternehmen sind gefordert

„Das ist eine gewaltige Herausforderung“, sagte der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel jüngst im Verwaltungsausschuss besonders mit Blick auf den Busverkehr. Versetzte Unterrichtszeiten, um die Schülermassen zu entzerren, führen dazu, dass auch die Busse entsprechend angepasst werden müssten. „Wir fahren die gesamte Leistung, obwohl längst nicht alle Schüler wieder zur Schule gehen.“

ScoolCard wird zum Diskussionsthema

In der Zwischenzeit fordern Eltern die Kosten für die nicht genutzte ScoolCard während der Schulschließungen zurück. Das Land habe eine Erstattung zugesagt, erklärt Schnaudigel. Das sei so nicht umsetzbar.

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Ein Monat Rückerstattung koste den Verbund rund 1,1 Millionen Euro, so der Landrat. Um die Beträge zurückbezahlen zu können, sei eine entsprechende finanzielle Unterstützung des Landes nötig. Die VBK teilen auf ihrer Website lediglich mit, eine Lösung für die Ausgleichszahlung anzustreben.

Elternbeiräte fordern Geld zurück

Die Elternbeiräte im Stadt- und Landkreis Karlsruhe wollen die sofortige Aussetzung der Abbuchungen des Abos während der vollständigen und teilweisen Schulschließung. „Von Eltern, die teilweise durch Kurzarbeit, weggefallene Aufträge oder Arbeitslosigkeit massiv unter den Folgen der Corona-Krise leiden, monatliche Beiträge für Leistungen zu verlangen, die sie oder ihre Kinder nicht in Anspruch nehmen dürfen, ist nicht in Ordnung“, heißt es in der Mitteilung.

Personal für Bus und Bahn ist weiter knapp

Bei den VPE mit Sitz in Pforzheim soll ab Montag wieder das volle Programm für Schüler gefahren werden. Geschäftsführer Axel Hofsäß spricht ebenfalls von einer schwierigen Organisation. „Die Schulen beginnen alle unterschiedlich“, erklärt er. Man wolle im Laufe der Woche prüfen, ob Anpassungen notwendig seien.

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Bei einigen Verbindungen würden zudem mehrere Busse hintereinander fahren, um mehr Raum für Fahrgäste zu schaffen. „Wir haben nach wie vor aber einen hohen Krankheitsstand bei unserem Personal“, sagt Hofsäß. „Momentan sieht es danach aus, dass wir das schaffen, aber wir sind an der Untergrenze.“

Das wäre gar nicht zu leisten.

Nicolas Lutterbach, Sprecher der VBK und AVG, zur Kontrolle der Maskenpflicht

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und ein Sprecher des Innenministeriums hatten zunächst davon gesprochen, dass auch Angestellte der Verkehrsunternehmen die seit Kurzem geltende Maskenpflicht im ÖPNV kontrollieren sollten. „Wir sind da raus“, betont Lutterbach für die VBK und AVG. „Das wäre gar nicht zu leisten.“ Bei Fahrtkartenkontrollen würde man auf die Verordnung hinweisen.

Sollten Menschen die Bahn ohne Maske betreten, könne der Fahrer aufgrund des dichten Takts nicht warten. „Jeder Fahrgast hat erst einmal ein Recht darauf, befördert zu werden“, so Lutterbach. Gleiches gelte bei den VPE, so Hofsäß: „Unser Personal wird auf die Maskenpflicht aufmerksam machen. Es ist aber nicht möglich, das wie eine Kontrolle aufzuziehen.“