Die Beziehung zum Patienten soll vom neuen Konzept profitieren: Mit der generalistischen Pflegeausbildung lernen die Schüler an der Pflegeschule des Landkreises Karlsruhe in Bretten sowohl die langfristige Arbeit in Heimen, als auch die oft unter Zeitdruck stattfindende Fürsorge in Kliniken kennen.
Die Beziehung zum Patienten soll vom neuen Konzept profitieren: Mit der generalistischen Pflegeausbildung lernen die Schüler an der Pflegeschule des Landkreises Karlsruhe in Bretten sowohl die langfristige Arbeit in Heimen, als auch die oft unter Zeitdruck stattfindende Fürsorge in Kliniken kennen. | Foto: Seeger/dpa

Generalistische Ausbildung

Pflegeschüler machen in Bretten trotz Corona die ersten Praxis-Schritte

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Ihr Beruf erfährt derzeit so große Anerkennung, wie schon lange nicht mehr. Laura Monstadt und Amelie Weisheit werden Pflegefachfrau. Ihr Ausbildungsstart an der Pflegeschule der Kliniken des Landkreises Karlsruhe am Standort Bretten ist nicht nur aufgrund der angespannten Lage durch die Corona-Pandemie außergewöhnlich.

Die beiden zählen zu den 26 Schülern des ersten Jahrgangs, der sich nicht mehr für eine Spezialisierung entscheiden muss, sondern generalistisch ausgebildet wird – sprich: Sie erlernen sowohl die Kranken- als auch die Altenpflege. „Ich hoffe, in den nächsten drei Jahren herauszufinden, wo ich besser hinpasse“, sagt Monstadt. „Dafür sind die schließlich da.“

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Schule und Klinik entscheiden sich für den geplanten Start

Ende März stand der Start der Ausbildung zum 1. April noch auf der Kippe. Monstadt hatte dafür ihren alten Job gekündigt. Die Erleichterung, als der Unterricht doch planmäßig begann, war entsprechend groß. „Es war schnell klar, dass man anders nicht entscheiden kann. Die Folge wäre gewesen, dass alle Fachkräfte erst verspätet auf den Markt kommen“, erklärt Schulleiter Burkhard Schaarschmidt.

Und freie Stellen gäbe es genügend. Der Ruf nach Personal wurde zuletzt in der Corona-Pandemie immer lauter – sowohl aus den Kliniken, als auch den Seniorenheimen.

Jeder soll das Gefühl haben, hier richtig zu sein.

Burkhard Schaarschmidt, Schulleiter

„Durch die Krise ist die Bedeutung des Berufs in der Wahrnehmung vieler Menschen sicher nochmal gestiegen. Aber es darf nicht beim Applaudieren bleiben, sondern muss auch honoriert werden“, ergänzt Schaarschmidt. Die Wertschätzung beginne für ihn schon in der Schule. „Jeder soll das Gefühl haben, hier richtig zu sein.“

Praxis folgt auf distanzierten Unterricht

Natürlich macht Monstadt die Arbeit auch aus einer inneren Einstellung heraus. „Aber ich weiß ebenso, dass der Beruf in 30 Jahren noch gebraucht wird“, ist sie überzeugt. Die 26-Jährige sammelt nach Wochen der Theorie erste Praxis-Erfahrungen in der Rechbergklinik. „Man kann endlich etwas anwenden“, so die Schülerin.

Vieles habe man sich alleine zu Hause selbst erarbeiten müssen. Seit Anfang Mai findet Präsenz-Unterricht in kleinen Gruppen statt. Einige Klassenkameraden kenne man noch gar nicht – das bedauern Monstadt und Weisheit gleichermaßen.

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Zuvor gab es lediglich Online-Unterricht. Unterstützt werden die 26-Jährige und ihre Kollegin bei den ersten Schritten im Praxis-Alltag von Schülern aus dem Abschlussjahr. „Die Basics gerade bei der Hygiene müssen sich so verfestigen, dass sie darüber nicht mehr nachdenken“, sagt einer der Betreuenden. „Zum Beispiel wie oft man seine Hände desinfizieren sollte, das muss man lernen“, so Monstadt.

Kennenlernen auf Distanz: Laura Monstadt (links) und Amelie Weisheit sind Teil des ersten Jahrgangs, der sich nicht zu Beginn der Ausbildung spezialisiert.
Kennenlernen auf Distanz: Laura Monstadt (links) und Amelie Weisheit sind Teil des ersten Jahrgangs, der sich nicht zu Beginn der Ausbildung spezialisiert. | Foto: Keller

Hygiene-Vorschriften haben nicht nur während der Corona-Krise Priorität

Die Umsetzung der Hygiene-Vorgaben sei mit der Corona-Situation strenger geworden. „Es wurde ein anderes Verständnis für deren Notwendigkeit entwickelt“, ergänzt Schaarschmidt. Aber die Prinzipien seien immer schon die gleichen.

Wir sind gefahrenbewusst, aber nicht so ängstlich, dass wir alles blockieren würden.

Burkhard Schaarschmidt, Schulleiter der Pflegeschule der Kliniken des Landkreises Karlsruhe 

„Wir sind gefahrenbewusst, aber nicht so ängstlich, dass wir alles blockieren würden“, so Schaarschmidt besonders mit Blick auf den Unterrichtsmix aus Theorie und Praxis. „Alle Inhalte beziehen die Schüler erst einmal auf sich selbst“, sagt er. Dieses Reflektieren lebe vom direktem Austausch in der Gruppe. „Man kann vielleicht aus dem Lehrbuch Anatomie lernen.“ Das Gemeinschaftsgefühl leide aber unter den Bedingungen der Corona-Krise.

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Ausbildung stellt Absolventen für Pflege breit auf

Dennoch betont er: „Das Ziel ist es, 2023 Fachkräfte auf den Markt zu bringen, die zu Hundert Prozent ausgebildet sind.“ Während die Langzeit-Pflege etwa in Heimen mehr Beziehungsarbeit benötige, bringe die Akut-Pflege in Krankenhäusern die Notwendigkeit von schnellen Entscheidungen mit sich. „Wer mit beiden Bereichen Erfahrungen gemacht hat, weiß die Individualität eines Patienten zu berücksichtigen“, so Schaarschmidt. „Davon profitieren letztlich alle.“