Notfall-Einsätze enden für Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes in Karlsruhe in Quarantäne.
Notfall-Einsätze enden für Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes in Karlsruhe in Quarantäne. | Foto: Deck/dpa

DRK bittet um Ehrlichkeit

Rettungskräfte müssen in Quarantäne, weil Karlsruher Patienten Corona-Symptome verschwiegen haben

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Mehrere Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes in Karlsruhe müssen in Quarantäne, weil Patienten Corona-Symptome und bestätigte Fälle im Haushalt verschwiegen haben. Verhalten wie dieses gefährde die Versorgung im Notfall, sagt Rettungsdienstleiter Daniel Schneider.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erhält einen Notruf, eilt zum Patienten, behandelt ihn und findet dann plötzlich heraus: Der Betroffene steht im Verdacht, das Coronavirus in sich zu tragen. Die Symptome hat er absichtlich verschwiegen.

Die Mitarbeiter müssen daraufhin unverzüglich in Quarantäne – für weitere Einsätze fallen sie aus. Zusätzlich ist das Fahrzeug mehrere Stunden nicht nutzbar, bis es vollständig desinfiziert ist. Der Kreisverband Karlsruhe erlebte solche Szenarien in wenigen Tagen gleich zweimal.

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Vier Rettungshelfer sind in Karlsruhe in Quarantäne

„Wir bitten die Patienten eindringlich darum, ehrlich zu sein, wenn sie uns anrufen und keine Symptome zu verschweigen“, sagt Daniel Schneider, DRK-Rettungsdienstleiter. Nur so könnten die Einsatzkräfte richtig handeln und sich auch selbst vor dem Coronavirus schützen.

Wenn die Menschen sich weiterhin so verhalten, können wir bald zumachen.

Jörg Biermann, DRK-Kreisgeschäftsführer

Vier Rettungshelfer sind aufgrund dieser Vorfälle bereits in Quarantäne. „Wir können nicht nach jedem Einsatz unsere Mitarbeiter für Wochen nach Hause schicken“, sagt Jörg Biermann, Kreisgeschäftsführer des DRK. Die Konsequenzen seien alles andere als lustig. „Wenn die Menschen sich weiterhin so verhalten, können wir bald zumachen.“

Neben verschwiegenen Symptomen wurde dem DRK zuletzt vorenthalten, dass sich der Notfall-Patient in einem Haushalt mit mehreren bestätigten Corona-Erkrankten befindet. Diese öffneten den Einsatzkräften sogar die Tür, so Schneider. „Das ist schon nicht mehr fahrlässig, sondern vorsätzlich“, kritisiert er. „Sicher könnte man dagegen rechtliche Schritte einleiten. Doch wir haben im Moment Wichtigeres zu tun.“

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DRK hilft auch bei Corona – Mitarbeiter müssen Bescheid wissen

Das Verhalten können sich sowohl Schneider als auch Biermann nur durch Angst bei den Patienten und deren Angehörigen erklären. „Sie befürchten wohl, dass wir je nach Symptomen oder bei einem bestätigten Corona-Fall nicht kommen“, so Schneider. „Das entspricht aber nicht der Realität.“

Auch die Behandlung sei unabhängig davon – außer, dass sich die DRK-Kräfte mit Schutzmasken und Anzügen vor einer Infektion schützen. „So können sie anschließend auch weiterarbeiten.“

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Schon beim kleinsten Verdacht auf das Coronavirus greifen die Mitarbeiter zu Vorkehrungen. Konkrete Nachfragen werden bereits am Telefon gestellt. Doch darauf brauche es auch ehrliche Antworten, so Schneider.

Die Sorge der Menschen, das DRK könnte im Notfall nicht kommen, sei unbegründet. „Wir haben schon immer mit Infektionskrankheiten zu tun. Das gehört zu unserem Tagesgeschäft. Corona ist da nur ein neuer Virus mit neuen Auswirkungen“, erklärt er. Sein Team sei daran gewohnt, unter solchen Umständen zu arbeiten.

Ich appelliere an die soziale Verantwortung jedes Einzelnen.

Jörg Biermann, DRK-Kreisgeschäftsführer

„Selbstverständlich kommen wir zu jedem Hilfesuchenden – auch wenn er bereits am Coronavirus erkrankt ist, der Verdacht vorliegt oder anderweitig medizinische Versorgung benötigt wird“, ergänzt Biermann.

Die Notfallrettung dürfe durch fehlende oder unwahre Schilderungen gegenüber den Mitarbeitern der Rettungsleitstelle nicht geschwächt werden. „Ich appelliere an die soziale Verantwortung jedes Einzelnen“, so Biermann.

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