Corona-Teststation: Einen vom Hausarzt verordneten Abstrich können Patienten ab Montag auch an der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal machen, um im Verdachtsfall eine Infektion mit dem Virus auszuschließen oder zu bestätigen.
Corona-Teststation: Einen vom Hausarzt verordneten Abstrich können Patienten ab Montag auch an der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal machen, um im Verdachtsfall eine Infektion mit dem Virus auszuschließen oder zu bestätigen. | Foto: Gollnow/dpa

Teststation in Bruchsal

Schutzmasken und Desinfektionsmittel reichen dem DRK-Kreisverband Karlsruhe etwa vier Wochen

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Die Pandemie hat weitere Folgen. Der Landkreis Karlsruhe verfolgt unverändert die Containment-Strategie: Kontaktpersonen von Infizierten werden identifiziert und isoliert. „Die Versorgung der Menschen in Quarantäne hat bislang problemlos durch Familienmitglieder, Bekannte oder in nachbarschaftlicher Hilfe geklappt“, teilt Landkreis-Sprecher Martin Zawichowski mit. Die Regionale Kliniken Holding (RKH) erweitert ihre Strategie und richtet in Bruchsal eine Teststation ein.

Die Kreisverwaltung sei derzeit in seiner Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt, so Zawichowski. Intern wurden Prioritäten anders gesetzt und nicht absolut zwingend notwendige Aufgaben verschoben. Mit Blick auf die vom Land angeordnete Schließung aller Schulen und Kitas greife man auf die Erfahrungen am Berufs- und Bildungszentrums Ettlingen zurück: Die schulischen Strukturen würden funktionieren.

Landkreis Karlsruhe reagiert auf Landesvorgaben

Da der Landkreis schon seit Donnerstag mit dieser Entscheidung gerechnet haben, habe man den Kommunen empfohlen, für Betreuungsmöglichkeiten insbesondere von Kindern zu sorgen, deren Eltern in wichtigen Funktionen, zum Beispiel in der Gesundheitsversorgung, Stadtwerken, Polizei oder in Behörden arbeiten.

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Weiter rät der Landkreis diesen zur generellen Absage aller Veranstaltungen. Das Gesundheitsamt regt an, den Betrieb von Clubs und Bars sowie öffentlichen Einrichtungen wie Kunos, Museen und Bibliotheken zu untersagen.

RKH-Kliniken stellen sich auf veränderte OP-Pläne ein

In den Kliniken der RKH in Bruchsal und Bretten gibt es bislang noch keinen bestätigten Corona-Fall. Noch habe man auch nicht vor, planbare Operationen zu verschieben, sagt Sprecher Alexander Tsongas. Dennoch sei das ein Thema, das kommen werde. Der am vergangenen Donnerstag verhängte Besucherstop werde unterdessen sowohl von Patienten, Mitarbeitern als auch Besuchern positiv aufgenommen. Man habe mit Reaktionen gerechnet, so Tsongas, das tatsächliche Ausmaß besonders im Internet habe aber auch ihn überrascht.

Wir bereiten uns so gut es geht auf eine schwierige Lage vor.

RKH-Regionaldirektorin Susanne Stalder

In der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik wird am Montage zudem eine Corona-Teststation eingerichtet. Hausärzte melden ihre Patienten dafür telefonisch bei Verdacht an. Betrieben wird sie vorwiegend von Ärzten im Ruhestand, sagt die zuständige Regionaldirektorin Susanne Stalder. Mit dem bisherigen Krisenmanagement der RKH ist sie insgesamt zufrieden: „Wir bereiten uns, so gut es geht, auf eine schwierige Lage vor.“ In Bruchsal und Bretten stelle man sich auf höhere Beatmungskapazitäten ein. Materialengpässe gebe es aktuell nicht.

DRK verfügt über ausreichend Schutzmaterial

„Wir haben ausreichend Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken geordert“, sagt Jörg Biermann, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Karlsruhe. Das Ziel sei es gewesen, vier Wochen autonom arbeiten zu können. Durch langjährige Beziehungen zu Lieferanten habe man das geschafft. „In unserem Notfallplan beziehen wir zudem mit ein, dass auch unsere Mitarbeiter erkranken können.“ Einsätze unterscheide das DRK danach, ob diese überlebenswichtig seien oder nicht.

Wir stehen an der Schnittstelle zwischen dem, was sinnvoll ist, und der Vorgabe, Kontakte zu meiden.

Jörg Biermann, DRK-Kreisverbandsgeschäftsführer

Blutspenden finden weiterhin statt, so Biermann. Diese seien notwendig für Notoperationen. Auch Erste-Hilfe-Kurse stehen noch auf der Agenda, solange das Gesundheitsamt keine andere Vorgabe gebe, sagt er. „Auf kurz oder lang werden diese aber wegfallen, weil Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht mehr schicken“, sagt er. „Wir stehen an der Schnittstelle zwischen dem, was sinnvoll ist, und der Vorgabe, Kontakte zu meiden“, so Biermann. „Wir müssen helfen, uns aber auch bewusst darüber sein, dass unsere Mitarbeiter sich anstecken können.“

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Oft wisse man im Voraus nicht, was die Einsatzkräfte erwarte. „Sie setzen sich einem Risiko aus“, betont Biermann. „Die Gesundheit der Menschen steht dem Eigenschutz der Mitarbeiter und ihrer Verpflichtung gegenüber.“

Fahrzeuge werden eine Stunde desinfiziert

Einen internen Verdachtsfall habe man im Kreisverband bisher gehabt. Dieser habe sich nicht bestätigt. „Entpuppt sich ein Patient als Corona-Verdachtsfall, wird im Anschluss an den Einsatz das gesamte DRK-Fahrzeug desinfiziert“, so Biermann. „Damit ist es eine Stunde aus dem Verkehr gezogen.“ Das führe zu Wartezeiten etwa bei Krankentransporten. „Notfälle gehen immer vor.“

DRK hofft auf finanzielle Hilfe bei Corona

Die Materialkosten sind für das DRK immens gestiegen: Über sechs anstatt knapp zwei Euro zahlt der Kreisverband inzwischen für eine Atemschutzmaske. „2.500 Stück wurden uns zudem geklaut“, sagt Biermann. Noch wisse man nicht, wie die anfallenden Mehrkosten finanziert würden. „Wir hoffen aber, dass sich der Staat im Nachhinein daran erinnert, was wir geleistet haben und es honoriert“, so Biermann. Hilfe und Schutz gingen zunächst aber vor. „Alles andere kommt später.“

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