Gelegentlich aktiv werden während ihrer Winterruhe die Eichhörnchen, die man dann bei der Nahrungssuche beobachten kann. | Foto: Franz Lechner

Dichter Pelz und Winterstarre

So überlebt die heimische Tierwelt den Winter

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Was macht man, wenn die Heizung ausfällt und die Speisekammer fast leer gefegt ist? Das ist es nämlich, was der Winter für die meisten der heimischen Tierarten bedeutet: Kälte und Futtermangel. Abhauen in den Süden ist eine Möglichkeit, gute Winterkleidung – also einen Winterpelz – zulegen eine andere. Und vielleicht die beste Möglichkeit ist: Man legt sich schlafen. Und zwar für sehr lange Zeit. All diese Möglichkeiten nutzt die heimische Tierwelt, um den Winter zu überleben.

Von Franz Lechner

Zugvögel fliegen dahin, wo es warm und der Tisch reichlich gedeckt ist. Säugetiere wie Rehe oder Fuchs legen sich einen Winterpelz zu. Und andere wie der Siebenschläfer gehen einfach schlafen. „Siebenschläfer sind die Rekordhalter unter den heimischen Winterschläfern. Sie schlafen zwischen Herbst und Frühsommer mindestens sieben Monate“, sagt der im Regierungspräsidium arbeitende Artenschutzbeauftragte für den Regierungsbezirk Karlsruhe, der Landschaftsökologe Peter Zimmermann.
Mit dem, was Menschen unter einem langen, erholsamen Schlaf verstehen, hat der Winterschlaf heimischer Säuger oder auch die Kältestarre der wechselwarmen Tiere kaum etwas zu tun. Eher schon mit dem Begriff Scheintod.

Weniger als zehn Herzschläge pro Minute

„Fledermäuse beispielsweise reduzieren ihren Herzschlag während des Winterschlafs auf weniger als zehn Schläge pro Minute, ihre Körpertemperatur sinkt deutlich unter zehn Grad“, erklärt der in Pfinztal wohnende Peter Zimmermann. Um in diesem Zustand mehrere Monate zu überleben benötigen die fliegenden Säugetiere aber störungsfreie, frostsichere und windgeschützte Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit und konstanten Temperaturen. Alte Bergwerksstollen, wie man sie im Enzkreis an den Hängen des Würmtals oder bei Neuenbürg findet, oder auch in der Untergrombacher Silberhöhle.

Dem Tod näher als dem Leben

Auch die anderen Winterschläfer sind während der Wintermonate dem Tod näher als dem Leben. Bei Murmeltieren fällt die Körpertemperatur von 39 auf sieben bis neun Grad Celsius, der Herzschlag von 100 auf manchmal nur zwei bis drei Schläge pro Minute. Igel atmen statt 40 bis 50 Mal pro Minute noch ein bis zwei Mal, das Herz schlägt statt 200 noch fünf Mal pro Minute. Die Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf ein bis acht Grad Celsius.

Einen dichten Winterpelz rägt dieser Fuchs. Wegen dieses Pelzes wurden Füchse früher vor allem im Winter gejagt. | Foto: Franz Lechner

Eichhörnchen auf Nahrungssuche

Da ähnelt der Zustand, in dem Eichhörnchen oder Dachse den Winter verbringen, schon eher einem erholsamen Schlaf. „Die beiden Tierarten halten lediglich eine Winterruhe, ein Zustand, bei dem die Lebensfunktionen nicht so extrem reduziert sind wie beim Winterschlaf, und der es den Tieren erlaubt, gelegentlich aktiv zu werden“, weiß der in Bretten wohnende Kreisvorsitzende des Naturschutzbunds Deutschland, Hans Otto Gässler. Darum kann man Eichhörnchen auch im Winter gelegentlich bei der Nahrungssuche beobachten. Damit sie dabei nicht zu viel Energie verbrauchen, legen sie sich im Herbst Nahrungsdepots mit Nüssen und anderen Früchten an.

Dem Scheintod nahe

Dem Scheintod fast noch näher als die wechselwarmen Winterschläfer sind im Winter Insekten, Reptilien und Amphibien. „Als wechselwarme Tiere können sie ihre Körpertemperatur kaum regulieren, sie verbringen die kalte Jahreszeit daher möglichst in der Erde, in Felsspalten, in Baumhöhlen oder in anderen einigermaßen vor Frost geschützten Verstecken“, sagt Peter Zimmermann. „Dort fallen die Tiere in die sogenannte Winterstarre.“ Das ist ein Zustand in dem das Leben nahezu vollständig aus dem Körper entweicht, Herzschlag und Stoffwechselvorgänge gehen dann tatsächlich gegen Null.

Flucht vor dem Hungertod: Fischjäger wie der Graureiher kommen im Winter verstärkt in die milde Rheinebene, um hier zu überwintern. | Foto: Franz Lechner

Frostschutzmittel der Insekten

Manche Insekten nutzen zudem einen besonderen Trick, um den Winter zu überleben. Sie produzieren in der kalten Jahreszeit in ihrem Körper ein spezielles Molekül, das verhindert, dass ihre Körperflüssigkeiten bei Frost gefrieren, sie sind quasi die Erfinder des Frostschutzmittels. Grundsätzlich sind es die Tiere, die im Winter nicht genug Futter finden, die entweder in den Süden oder in einen winterlichen Ruhezustand verschwinden. Für die meisten Tiere, die aktiv bleiben, ist der Winter zwar eine Zeit des Mangels, aber auch sie wissen, wie man die die kargen Wintermonate am besten überlebt. Jede unnütze Bewegung – also alles, was nicht der Nahrungssuche dient – vermeiden, lautet die Grundregel für alle Pflanzenfresser.

Überwintern in der Rheinebene

So richtig hart wird es für die Daheimgebliebenen aber nur in sehr kalten und schneereichen Wintern. Vor allem den Mäuse jagenden Beutegreifern wie der Schleiereule und dem Turmfalken oder Tieren, die sich wie der Eisvogel, die Gänsesäger und die Reiher von Fischen ernähren, droht in solchen Jahren massenhaft der Hungertod. Deshalb kommen viele Vögel aus dem Norden und Osten Europas zum Überwintern in die milde Rheinebene