Rund ein halbes Jahr müssen Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn auf Routen des Nahverkehrs ausweichen. Die Schnellbahntrasse zwischen Mannheim und Stuttgart wird grundlegend saniert. Das hat Auswirkungen auf Bruchsal, Bretten und Pforzheim.
Rund ein halbes Jahr müssen Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn auf Routen des Nahverkehrs ausweichen. Die Schnellbahntrasse zwischen Mannheim und Stuttgart wird grundlegend saniert. Das hat Auswirkungen auf Bruchsal, Bretten und Pforzheim. | Foto: Heintzen

Bahnübergänge schließen

Sperrung der Schnellbahntrasse fordert mehr Zeit von Pendlern in Bruchsal, Bretten und Pforzheim

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Wer am 10. Januar am frühen Morgen von Bruchsal nach Stuttgart fährt, hat Alternativen: Fünf IC fahren zwischen 6 und 8 Uhr auf direktem Weg in 30 Minuten ans Ziel. Drei Monate später sieht das mit dem Start der Sanierung der Schnellbahntrasse zwischen Mannheim und Stuttgart vom 10. April bis 31. Oktober allerdings anders aus.

Dann bringen im selben Zeitraum lediglich zwei IC Pendler auf der Strecke ab Bruchsal an ihr Ziel. Die Nahverkehrs-Optionen fordern bis zu 60 Minuten mehr Zeit und einen Umstieg. Auch in Pforzheim verschwindet während der Bauarbeiten der ein oder andere Zug vom Fahrplan.

„Die Notwendigkeit der Sanierung sowie der Vollsperrung stellen wir nicht in Frage“, erklärt Knut Bühler, Erster Landesbeamter des Landkreises Karlsruhe. „Der wesentliche Güterverkehr wird in diesem Zeitraum über das Neckartal nach Stuttgart verlagert.“ Für den Personennahverkehr nutze die Bahn größtenteils die Ausweichstrecke über Bruchsal, Bretten und Mühlacker.

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Züge werden von Schnellbahntrasse umgeleitet

„Nur wenige Züge fahren zudem über Karlsruhe, Pforzheim und Vaihingen.“ Alle Züge, die normalerweise über diese Schnellbahnstrecke fahren, würden umgeleitet, bestätigt Michael Greschniok, Sprecher der Deutschen Bahn. „Die Masse der Züge übersteigt aber die Kapazitäten der Strecken“, so Greschniok. Sowohl dem Fern- als auch dem Nahverkehr wolle die Bahn gerecht werden.

Fahrtzeiten verlängern sich

Das Ergebnis: Zugausfälle, längere Fahrtzeiten, eine höhere Auslastung. „Über 60.000 Leute sind täglich zwischen Mannheim und Stuttgart unterwegs“, sagt der Bahnsprecher. Nach fast 30 Jahren benötigen die Gleise, Weichen und die Signaltechnik jedoch eine Erneuerung. Dafür investiert die Bahn nach eigenen Angaben rund 183 Millionen Euro.

AVG und Abellio sind auch betroffen

Einzelne betriebliche Änderungen wird es während der Streckensperrung wohl auch auf den Linien der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) im Bereich Bretten/Bruchsal geben, erklärt Nicolas Lutterbach, Sprecher des Karlsruher Verkehrsverbundes.

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Auch Abellio kündigt Auswirkungen auf den Fahrplan an. Dies bedeute einen Ausfall der meisten Zwischentakte zwischen Bietigheim-Bissingen und Pforzheim, so Hannelore Schuster, Sprecherin von Abellio Rail Baden-Württemberg. „Nur die in der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 9 Uhr sowie 16 und 19 Uhr können gefahren werden.“ Zwischen Bretten und Bruchsal werden ebenfalls zwei Züge aus dem Plan gestrichen. Teilweise gebe es zudem veränderte Fahrzeiten auf der Strecke zwischen Mühlacker und Bruchsal.

„Da für die Zeit der Baumaßnahme weniger Verbindungen gefahren werden können, ist eine höhere Auslastung der Züge anzunehmen“, sagt Schuster. Betroffen seien die Linien RB 17 a/b/c, die etwa Bruchsal, Bretten, und Pforzheim bis nach Stuttgart bedienen. Für einige ausfallende Züge werde noch die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs mit Bussen geprüft.

Mannheim und Stuttgart - auf dieser Strecke sind in normalen Zeiten 60.000 Pendler täglich unterwegs. Nun wird bis Ende Oktober voll gesperrt.

Bahnübergänge werden geschlossen

Doch nicht nur auf den Schienen bringt die Sanierung rund ein halbes Jahr lang den Verkehr durcheinander. „Alle drei beteiligten Verkehrsbehörden haben beschlossen, die Bahnübergänge in Heidelsheim, Helmsheim, Gondelsheim und Diedelsheim zu schließen“, erklärt Knut Bühler. Bei Wartezeiten bis zu 56 Minuten pro Stunde würde sich massiver Rückstau bilden.

Bahn baut provisorische Brücken

„Bedingung war jedoch, dass die Bahn Übergänge für Fußgänger und Radfahrer schafft“, sagt Bühler. Das Risiko für wilde Querungen wäre zu groß. Die Bahn will provisorische Brücken aufbauen. Nicht immer könnten diese wie etwa in Gondelsheim direkt über der Straße und dem bestehenden Bahnübergang erbaut werden. Auch die Barrierefreiheit sei derzeit noch eine offene Frage, so Bühler.

Autofahrer müssen Schienen umfahren

Für Autofahrer habe das Landratsamt bereits Umleitungspläne erstellt. Die sollen räumlich begrenzt bleiben, mit längeren Fahrstrecken müssten Betroffene aber rechnen. Zusätzlicher Verkehr auf Knotenpunkten wie der Kreuzung B35 und B293 könne ebenso nicht vermieden werden, so Bühler. „Wir hoffen, dass die Baustelle auf der B35 beendet ist, bis die Sperrung beginnt.“ Das Regierungspräsidium sei optimistisch. Die Feuerwehr habe auch eine Lösung für die gesperrten Bahnübergänge gefunden, sagt Bühler: In der Leitstelle werden die Wehren alarmiert, die auf der richtigen Seite der Bahnstrecke sind.