Mit dem Verbot der Straßenprostitution stehen viele Prostituierte vor existenziellen Problemen. | Foto: dpa

Verbot von Prostitution

Stadt Karlsruhe schließt Bordelle und Straßenstrich wegen Coronavirus

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Nachdem die Stadt Karlsruhe aufgrund der Corona-Pandemie den Betrieb von Bordellen untersagt hatte, ist nun auch die Straßenprostitution verboten. Für viele Sexarbeiterinnen in Karlsruhe und dem umliegenden Landkreis bedeutet das einen Wegfall ihrer Existenzgrundlage.

Die Corona-Pandemie trifft nicht nur den Einzelhandel und die Gastronomie, sondern auch Berufsgruppen, die selten im Fokus der Öffentlichkeit stehen: Durch die Schließung von Bordellen verlieren viele Prostituierte in Karlsruhe und Umgebung aktuell ihre Existenzgrundlage. Mit der Ergänzung der Allgemeinverfügung vom 19. März hat die Stadt Karlsruhe Prostitution und Sexkauf jeder Art verboten. Betroffen davon sind nun auch die Straßenstriche. Im Landkreis Karlsruhe geht man unterschiedlich mit der Situation um.

Vielen Prostituierten droht Obdachlosigkeit

Anita Beneta von der Karlsruher Prostituierten-Beratungsstelle Luis.e macht sich Sorgen. Einige Prostituierte seien bereits in ihre Heimatländer zurückgekehrt – zumindest die, die das Geld dafür aufbringen konnten. „Prostitution ist kein lukratives Geschäft“, betont Beneta. Sie appelliert an Bordellbetreiber und Vermieter von Terminwohnungen, Frauen dort wohnen zu lassen, auch wenn sie nicht arbeiten könnten.

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Für die Prostituierten auf dem Straßenstrich ist die Situation ebenfalls angespannt. Dort arbeiten besonders ärmere Frauen, erklärt Liane Knauß. Sie ist Sozialarbeiterin im Karlsruher Frauencafé Mariposa, das vom Verein The Justice Project betrieben wird. Als mit der ersten Allgemeinverfügung die Bordelle geschlossen wurden, habe man mehr Freier auf dem Straßenstrich gesehen, sagt Knauß. Nun ist auch damit Schluss und die Zukunft für die Prostituierten dort ungewiss.

Wenige Prostituierte sind krankenversichert

Dabei sei das Corona-Virus auch im Milieu ein Thema. Viele Frauen machten sich Sorgen über eine Ansteckung, verrät Knauß, aber auch über sinkende Einnahmen. Eine Krankenversicherung hätten nur wenige. Teilweise gebe es Ärzte, die ehrenamtlich medizinische Hilfe für Prostituierte leisten, teilweise müssten die Sexarbeiterinnen Behandlungen aus eigener Tasche bezahlen.

Stellen die Prostituierten einen Antrag auf Arbeitslosengeld II, wären sie über das Jobcenter versichert, so die Sozialarbeiterin. Möglicherweise könnte die ein oder andere Frau angesichts der Corona-Krise über einen endgültigen Ausstieg aus der Sexarbeit nachdenken, mutmaßt Knauß. Aber: „Es braucht einen starken Willen der Frau.“ Besonders die Wohnungssuche sei eine große Hürde für Ausstiegswillige.

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Offener Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Im Sinne der Corona-Krise sei die Schließung der Bordelle wichtig zum Schutz der Frauen, betont Knauß. Umso wichtiger aber sei auch, dass man sie jetzt nicht allein lasse. Knauß und Beneta fordern deshalb schnelle Hilfen, etwa durch Unterkünfte oder Lebensmittelgutscheine – aber auch finanzielle Unterstützung.

Eine Forderung, die der Verein Dona Carmen teilt. Die Organisation setzt sich für die Rechte von Prostituierten ein und hat sich jüngst mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewandt. Neben unbürokratischen Entschädigungszahlungen fordert Dona Carmen, den Zwang für Prostituierte zur persönlichen Vorsprache im jeweiligen Gesundheitsamt abzuschaffen. Seit der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes im Juli 2017 unterliegen Sexarbeiter einer Registrierungspflicht.

Landkreis empfiehlt Kommunen ein Verbot der Straßenprostitution

Wie aber geht es weiter auf den Straßenstrichen im Landkreis Karlsruhe? Eine eigene Beratungsstelle für die Prostituierten dort gibt es nicht. Um einer Verlagerung hin zur Straßenprostitution vorzubeugen, habe der Landkreis die Ordnungsbehörden in Ettlingen und Bruchsal entsprechend informiert und ihnen ein Verbot der Straßenprostitution aus gesundheitsfachlicher Sicht nahegelegt, sagt Sprecher Matthias Krüger.

Die Stadt Bruchsal wollte sich auf Anfrage der BNN-Redaktion nicht zur Sache äußern. In Ettlingen überprüft der Kommunale Ordnungsdienst, ob Frauen der Straßenprostitution nachgehen. Bislang habe man jedoch noch keine angetroffen, sagt Sonja Reich vom Ordnungs- und Sozialamt. Einen festen Straßenstrich gebe es in Ettlingen nicht.

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„Der Kommunale Ordnungsdienst hat überprüft, ob die Prostitutionsstätten geschlossen sind. Sollte das Ordnungs- und Sozialamt erkennen, dass sich das Prostitutionsgewerbe auf die Straße verlagert, so wird eine Allgemeinverfügung zum Verbot der Straßenprostitution erlassen“ so Reich. Bislang sei dies aber nicht erforderlich gewesen.

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