Wenn sich die Friedrichstalerin Else Gorenflo ans Klavier setzt, dann legt sie am liebsten Mozart auf. Als Mundartautorin ist die 85-Jährige seit 30 Jahren weit über ihren Heimatort hinaus bekannt. | Foto: lie

Else Gorenflo aus Stutensee

Sympathieträgerin mit Mundart

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Oh liewe Leit’. Das sagte meine Mutter, ich weß es noch gnau, als mein erstes Buch herauskam. Für sie war das wie aus der Art zu schlage. Hervorzutreten war nicht üblich. Als Frau schon gar nicht.“ So erinnert sich Else Gorenflo an die Zeit vor 30 Jahren, als sie endlich wagte, ihr Schreibtalent zu zeigen. Bescheinigt wurde es ihrbereits in der Schule. Aber in ihrer Jugendzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, war es nicht üblich dass Friedrichstaler Mädchen daraus etwas beruflich machten. Erst seit sie 1989 die umfangreiche Gedichtsammlung „Jahresringe“ herausgab – motiviert von Ihrem Mann Bertold – erfuhr man im Ort und schnell darüber hinaus, von ihren kreativen Fähigkeiten.

Die herzliche Stimme Stutensees

Und die damals 55-Jährige schaute ihren Mitmenschen genau ins Herz und ins Haus. Mit spitzer Feder charakterisierte sie schon damals die „Franzosen“, die Friedrichstaler, die Nachfahren der Hugenotten, den Glaubensflüchtlingen, die nach Baden kamen. Ausgestattet mit einem ausgeglichenen und herzlichen Temperament entwickelte sich die Dichterin zu einer unterhaltsam-kritischen und enorm fleißigen Schreiberin. Vor allem in Dialekt. Zahlreiche Preise, auch von renommierten literarischen Wettbewerben gingen an sie. Sie wurde zur „Stimme Stutensees“ und – dank vieler Auftritte in der Region oder auch mal auf „ihrer“ Insel Norderney. Zur „Grand Dame der Mundart“ wurde sie vom Rundfunk einst erhoben. „Dass mer des sagt, do hew i jetzt nix meh degege.“

„Mozart am Klavier – und es geht besser“

Gerade 85 Jahre alt geworden, erscheint sie fröhlich und fit wie schon immer. Sie spricht Französisch, ist stark interessiert an Politik, liest viele Berichte und Kommentare. In ihrem Wohnzimmer hängen Erinrungsstücke an die Ahnen und ihren Heimatort. Gleich nebenan steht ein Lieblingsstück, das alte Klavier. „Am liebten spiele ich Mozart. Ich mach ein Heft durch un glei geht’s mer besser“, meint die für Klassik begeisterte langjährige Sängerin der Kantorei. Die Freude an Musik teilt sie mit ihrem Mann , der zu Lesungen Gitarre spielte. Die Verbundenheit zur evangelischen Kirche ist seit dem Konfirmandenunterricht geblieben.

Der Garten und die Natur

Liebe zur Natur war ebenfalls lebensbegleitend. Gorenflos Garten ist liebvoll angelegt und liefert reiche Ernte. Wenn’s Wetter gut ist, sitzt die Dichterin auf der Terrasse in einem Standkorb, denkt nach und macht sich Notizen für immer neue Texte. Hat sie einen Auftritt, komponiert sie locker neue Verse und sucht die passenden aus zwölf Büchern heraus. Ob in der Heimat oder in der Fremde: sie ist eine Sympathieträgerin mit Mundart. Sie bringt ihn den Schülern oder Neubürgern nah. Überhaupt ist sie eine bewundernswerte Vermittlerin zwischen Jung und Alt.

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Else Gorenflo wurde 1934 in Friedrichstal als Sohn des Wagners Schönthal und seiner Frau geboren. Sie besuchte Volks- und Handelsschule. Seit 1955 ist sie mit ihrem Mann Bertold verheiratet. Die beiden haben drei Kinder und viele Enkel. Seit der Jugend schrieb Else Gorenflo Gedichte und Geschichten, aber erst seit 1989 veröffentlichte sie zahlreiche erfolgreiche Bücher in Mundart und Hochsprache. Zahlreiche Preise und viele Auftritte in der Region machten sie bekannt.