Die Mitglieder des TV Helmsheim sammeln viermal im Jahr Altpapier im Ort und machen nach wie vor gutes Geld damit, obwohl die Preise für Altpapiere nach wie vor im Keller sind.
Die Mitglieder des TV Helmsheim sammeln viermal im Jahr Altpapier im Ort und machen nach wie vor gutes Geld damit, obwohl die Preise für Altpapiere nach wie vor im Keller sind. | Foto: Martin Heintzen

Verein trennt beim Sammeln

Vorsitzender des TV Helmsheim erklärt, wie man mit Altpapier noch Geld verdient

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Mit Altpapiersammlungen ist kein Geld mehr zu machen? Nicht so beim TV Helmsheim. Der Vorsitzende Thomas Witzel hat sich nach mehreren BNN-Berichten darüber gewundert, dass viele Vereine kein Geld mehr mit Altpapiersammlungen machen.

Auch der Kreistag griff das Problem jüngst auf und beschloss, die Vereine im Landkreis mit kostenlosen Containern für Kartonagen bei ihren Sammlungen zu unterstützen. Im Interview erklärt Witzel, was in Helmsheim bei den Altpapiersammlungen anders läuft, und sie zu einem wertvollen Beitrag für die Vereinskasse macht.

Seit wann sammeln Sie im Verein Altpapier?

Witzel: Altpapier haben wir früher schon gesammelt, vor ungefähr 15 Jahren haben wir damit wieder angefangen. Die Sammlungen machen wir viermal im Jahr. Wir sammeln mit den Abteilungen in unserem Verein, mit den Jugendlichen und mit vier Fahrzeugen.

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Von wem bekommen Sie die Fahrzeuge?

Die werden von Leuten aus dem Ort gestellt. Es fallen keine Kosten an.

Seit 2004 ist Thomas Witzel Vorsitzender des TV Helmsheim, seit über 30 Jahren ist er in dem 1.100 Mitglieder starken Verein für die Finanzen zuständig.
Seit 2004 ist Thomas Witzel
Vorsitzender des TV Helmsheim, seit über 30 Jahren ist er in dem 1.100 Mitglieder starken Verein für die Finanzen zuständig.
| Foto: Martin Heintzen

Also mit Traktor und Anhänger?

Auf dem Land ist das so (lacht). Es sind etwa 20 Personen daran beteiligt. Wir bekommen von einem Entsorgungsfachbetrieb ein Angebot, in dem feststeht, wie viel Euro pro Tonne Papier gezahlt wird. Wir nehmen immer zwei Container für Papier und eine Presse für die Kartonagen, die uns das Unternehmen zur Verfügung stellt.

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Wo stehen die Container?

Die stehen bei uns am Sportplatz auf dem Parkplatz. Die Leute stellen das Papier raus. Wir fahren mit unseren Fahrzeugen umher, und dann wird sortiert. Das ist der große Unterschied zu einer Sammlung mit dem Müllwagen. Denn in den fliegt halt alles rein. Da kriegen sie wirklich kein Geld dafür. Wenn Sie nach Papier und Kartonagen sortieren, ist der Preis eigentlich in Ordnung. Er war auch schon höher, bei über 100 Euro pro Tonne, aktuell ist er bei über 60 Euro. Aber das ist eben Angebot und Nachfrage.

Die Trennung ist das, worauf es ankommt.

Thomas Witzel, Vorsitzender TV Helmsheim

Durch die Schwankungen gibt es also einen immensen Unterschied?

Vor drei Monaten ist der Preis im Keller gewesen. Das ging zuletzt soweit, dass Sie für die Kartonagen hätten hinzu zahlen müssen. Aber das war einmalig. Jetzt gibt es wieder Geld dafür. Kartonage lohnt sich zwar nicht, aber man sammelt es mit, weil die Leute es mit dem Papier rausstellen. Die Trennung ist das, worauf es ankommt.

Sie sammeln und trennen auf dem Parkplatz. Das ist ganz schön Arbeit?

Ja klar. Es ist aber zu bewältigen. Und in der Gemeinschaft macht das auch Spaß.
Ihre Sammlungen sind rentabel, weil Sie eigene Fahrzeuge benutzen und Papier und Kartonagen sortieren.

Seit wann trennen Sie?

Wir trennen schon immer. Vor 15 Jahren wurde die Kartonage noch zerrissen. Heute werden sie gepresst. Das funktioniert. Man wird aber verunsichert, wenn man dann liest, dass es sich nicht mehr lohnt.

Container sind kostenfrei

Wann haben Sie das letzte Mal gesammelt?

Vor zwei Wochen, also am 5. Juni. Coronabedingt haben wir nicht mit den Jugendlichen gesammelt. Die hätten sonst alle Maske tragen müssen. Die Container standen früher bereit, und die Leute konnten ihr Altpapier vorbei bringen. Wer nicht abliefern konnte aus Altersgründen oder Ähnlichem, bei dem sind wir mit dem Auto vorbei gefahren. Das hat gut funktioniert. Man muss halt wirklich ein Angebot anfragen, Die Container sind bei uns kostenfrei.

Wie viel haben Sie denn bei der letzten Sammlung eingenommen?

Über 1.000 Euro. Wir sind ein Ort mit 2.200 Einwohnern. Unser Verein hat über 1.100 Mitglieder, ist für den Ort also relativ groß.

Da ist ja die Hälfte der Einwohner im Verein?

Es sind auch viele Auswärtige dabei. Das Angebot stimmt und ist vielseitig. Wichtig ist halt auch, dass man die Bevölkerung motiviert zu sammeln.

Und die das sogar macht, wenn sie, wie bei der letzten Sammlung das Altpapier selbst bringen muss?

Bei uns im Ort steht der Verein noch hoch und ist es wert, unterstützt zu werden. Deswegen sammeln viele Leute dann auch. Nicht alle, aber viele. Und wenn man die Sammlungen mal vier nimmt, dann kommt was zusammen. Das ist für den Etat des Vereins schon wichtig.

Geld aus den Sammlungen kommt Jugendarbeit zugute

Was machen Sie mit dem Geld aus den Sammlungen?

Das wird bei uns für die Jugendarbeit verwendet. Konkret für Anschaffungen wie Bälle, Geräte und so weiter.

Es gibt wahrscheinlich auch nicht viele weitere rentable Einnahmequellen für einen Verein?

Dieses Jahr sowieso nicht. Das Sportfest, das im Juli hätte stattfinden sollen, fällt coronabedingt aus. Im Handball spielen die Damen in der 4. Liga, die Männer in der Badenliga. Da fehlen uns die Eintrittsgelder für die Spiele. Mit dem Problem sind wir aber nicht allein.