Zaisenhausens Ex-Bürgermeister Wolfgang Bratzel wird an diesem Mittwoch 70. | Foto: Hansjörg Ebert

Tiefe Wurzeln im Ort

„War seit dem 15. Lebensjahr täglich in Zaisenhausen“: Ex-Bürgermeister Wolfgang Bartzel wird 70

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Internetanschlüsse, Straßenbauprojekte und die Ansiedlung eines Allgemeinmediziners: Zaisenhausens Ex-Bürgermeister Wolfgang Bartzel hat in den 32 Jahren seiner Amtszeit viel bewegt für den Ort. An diesem Mittwoch feiert er seinen 70. Geburtstag.

Als Wolfgang Bratzel Bürgermeister in Zaisenhausen wurde, war der Ort, in dem Samuel Friedrich Sauter 25 Jahre als armes Dorfschulmeisterlein wirkte, ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf im Kraichgau.  Die Bürgermeisterwahlen fanden damals statt, weil der beliebte Schultes Hermann Kuhn während seiner Amtszeit verstorben war.

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Sieben Kandidaten standen zur Wahl, wobei sich nach dem ersten Wahlgang ein klarer Zweikampf zwischen einem Vertreter des Flurbereinigungsamtes und Bratzel abzeichnete. Letztlich ging Wolfgang Bratzel aus Gochsheim als Sieger aus der Neuwahl hervor. 32 Jahre war er dann Verwaltungschef in Zaisenhausen, bis er vor sechs Jahren in Ruhestand ging. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

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Tief verwurzelt im Ort

„Seit meinem 15. Lebensjahr war ich tagtäglich in Zaisenhausen“, erzählt der Altbürgermeister von seiner tiefen Verwurzelung im Ort. Er absolvierte eine Ausbildung beim Finanzamt Bruchsal und arbeitete dann als junger Beamter im mittleren zunächst in Sinsheim.

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Bei Wind und Wetter fuhr er mit dem Moped nach Zaisenhausen, und von dort aus mit der Bahn weiter zur Arbeit. Sein Moped stellte er stets vor der „Krone“ ab. So lernte er schnell Dorf und Leute kennen. Im Jahr 1974 heiratete er in Zaisenhausen und wurde Ratsschreiber.

Zeitweise mehr Arbeitsplätze als Einwohner

Die stetige Fortentwicklung des Dorfes lag ihm als Bürgermeister stets am Herzen. „Heute noch freut es mich, dass ich viele Leute davon überzeugen konnte, dass Gewerbeansiedlung auch in einem kleinen Dorf Fortschritt bringt“, bekundet er.

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Alle Firmen aus dem Ort seien seinerzeit bereit gewesen, ins neue Gewerbegebiet Flurscheide umzusiedeln. Mit der Firma Utescheny hatte die Gemeinde einen Autozulieferer, der nicht nur für Arbeitsplätze, sondern auch für eine hohe Gewerbesteuer sorgte. „Zaisenhausen hatte zeitweise über 650 Arbeitsplätze, also mehr als sozialversicherungspflichtige beschäftigte Einwohner“, berichtet Bratzel.

Stolz ist der Altbürgermeister auch auf vieles, das in dieser Zeit bewegt und erreicht wurde. Herausragend war für ihn in den ersten beiden Amtszeiten die Realisierung der Umgehungsstraße, verbunden mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt durch den Landkreis Karlsruhe.

Der Stadtbahnanschluss ließ die Bevölkerung wachsen

„Der Stadtbahnanschluss S4 war ein Großereignis, das auch zu einem Bevölkerungszuwachs führte“, sagt er. Neue Baugebiete wie „Auf der Ebene“, „Schließmauer“ und „Gochsheimer Pfad“ seien die Folge gewesen.

Auch der Kauf des Bahnhofs für die Vereine und die Ansiedlung eines Allgemeinmediziners waren Meilensteine. Straßen, Wege, Plätze, Kanäle und Wasserleitungen wurden ausgebaut, gemeindeeigene Gebäude renoviert. „Bereits seit 1992 hat Zaisenhausen Internetanschluss“, sagt Bratzel, damit sei man anderen Gemeinden weit voraus gewesen.

„Ich war mit Leib und Seele Bürgermeister. War Tag und Nacht erreichbar und habe meine damalige Entscheidung nie bereut. Die Bürgerinnen und Bürger aus Zaisenhausen standen hinter mir, wie es die nachfolgenden Wahlen gezeigt haben“, erzählt er weiter.

Stolz sei er auch auf seine 28 Jahre als Kreisrat und auf die vielen Bekanntschaften und die gute Zusammenarbeit zum Wohle der Gemeinde.

Seinen Geburtstag feiert Bratzel heute mit seiner Familie im Winterurlaub. Am Wochenende wird der 70. dann mit Freunden zuhause zelebriert.