Ein Auszubildender demonstriert in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer in Erfurt (Thüringen) das Gasschweißen.
Ein Auszubildender demonstriert in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer in Erfurt (Thüringen) das Gasschweißen. | Foto: dpa

Fachkräfte bleiben gefragt

Was die Corona-Pandemie für Ausbildung und Lehre in der Region bedeutet

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Welche Folgen haben die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Ausbildungssituation in der Region? Die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe stellen zwar eine gewisse Verunsicherung bei den Jugendlichen fest, die im Herbst eine Lehre oder Ausbildung anfangen möchten, aber als künftige Fachkräfte sind sie nach wie vor gefragt.

Beide Verbände gehen davon aus, dass aufgrund der Pandemie nicht weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. „Ich bin zuversichtlich, dass es kaum Unterschiede zu den vergangenen Jahren geben wird“, sagt Alexander Fenzl, Pressesprecher der Handwerkskammer Karlsruhe. Bislang seien zwar erst ein Drittel der abgeschlossenen Verträge bei der Handwerkskammer eingegangen – einige weniger im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr –, aber es sei rückwirkend noch kein Vertrag aufgelöst worden.

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Fenzl bezeichnet dies jedoch als Momentaufnahme: „Wirtschaft ist Stimmung“, sagt er. „Es wird wieder aufwärts gehen, und dann brauchen die Betriebe die Fachkräfte.“ Es gebe weiterhin einen Wettbewerb und den demografischen Wandel. Das Thema Fachkräfte sei deshalb aktuell wie eh und je, wenn sich die Betriebe für die Zukunft – auch nach Corona – aufstellen wollten. „Die jungen Menschen werden gebraucht“, stellt Fenzl klar.

Unserer Einschätzung nach kann jeder interessierte Jugendliche weiterhin einen Ausbildungsplatz in unserer Region erhalten.

Jörn Pelzer, Pressesprecher IHK Karlsruhe

Dass ein corona-bedingt geringeres Angebot an Ausbildungsplätzen automatisch zu weniger Ausbildungsverträgen führt, hält man auch bei der IHK Karlsruhe nicht für zwangsläufig. „Unserer Einschätzung nach kann jeder interessierte Jugendliche weiterhin einen Ausbildungsplatz in unserer Region erhalten“, sagt Pressesprecher Jörn Pelzer.

Denn in den vergangenen Jahren hätten die Unternehmen im IHK-Bezirk Karlsruhe deutlich mehr Ausbildungsplätze angeboten als von Jugendlichen nachgefragt worden seien. Aktuell sind in der IHK-Lehrstellenbörse für Karlsruhe und einem Umkreis von 50 Kilometer knapp 1.300 offene Ausbildungsangebote für das kommende Ausbildungsjahr 2020 zu finden.

Nach Restart optimistisch in die Zukunft

Die IHK rechne damit, dass vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen weniger Ausbildungsplätze angeboten werden könnten. „Valide Zahlen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen, da ein Resümee frühestens zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres möglich ist“, zeigt sich Pelzer vorsichtig. Er gehe davon aus, dass die Betriebe nach dem Restart wieder optimistischer in die Zukunft blicken und neue Ausbildungsverträge abschließen. Vorstellungsgespräche würden inzwischen online geführt.

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Großbetriebe bilden unverändert aus

Bei den Großbetrieben in der Region, die eine Vielzahl der Ausbildungsplätze anbieten, war laut IHK die Rekrutierung für das Ausbildungsjahr 2020 größtenteils schon vor der Coronavirus-Pandemie abgeschlossen – und somit auch die entsprechenden Ausbildungsverträge unterzeichnet. „Auch die Rückmeldung unserer größten Ausbildungsbetriebe in der Region lassen darauf schließen, dass die Ausbildungssituation 2020 und 2021 – Stand jetzt – unverändert ist“, so Pelzer.

Unser Eindruck ist eher, dass viele junge Menschen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie unsicher sind.

Jörn Pelzer, IHK-Pressesprecher

Eine aktuelle IHK-Umfrage unter Ausbildungsbetrieben im Bezirk Karlsruhe liefert ebenfalls ein recht optimistisches Ergebnis zur Ausbildungssituation 2020. 338 Unternehmen haben sich zum Thema „künftige Ausbildung“ rückgemeldet. Die meisten stufen die aktuellen Ausbildungsverhältnisse in ihrem Unternehmen als „wenig gefährdet“ ein.

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71 Prozent der Betriebe bieten laut IHK die gleiche Anzahl an Ausbildungsstellen an. Etwa 20 Prozent geben an, dass sie mehr ausbilden möchten, ebenfalls 20 Prozent, dass sie weniger ausbilden möchten. „Unser Eindruck ist eher, dass viele junge Menschen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie unsicher sind und sich fragen, über welchen Weg sie eine möglichst hohe berufliche Sicherheit erreichen können“, schildert Pelzer seinen Eindruck, dass Corona sich weniger auf die Zahl als auf die Wahl der Ausbildungsplätze auswirkt.