Niedrigwasser am Rhein
Ein Tankschiff fährt bei Niedrigwasser zwischen trocken gefallenden Buhnen auf dem Rhein. | Foto: Federico Gambarini/Archivbild

Problem für Schiffe

Wenig Wasser im Rhein: Niedrigwasser in Sichtweite

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Im vergangenen Jahr war der Wasserstand des Rheins sehr niedrig. Wird es auch in diesem Herbst wieder so kommen? Die Experten gehen davon aus. Der Hauptgrund: Die niedrigen Grundwasserstände. 

Spätestens die Hitzewelle der vergangenen Woche hat Erinnerungen an den Dürresommer 2018 wach werden lassen. Wer daran zurück denkt, dem kommen Bilder beinahe ausgetrockneter Bachbette in den Kopf. Und eines Rheins, dessen Buhnen über Wochen hinweg deutlich aus dem Wasser ragten. Nachdem die Niederschläge vom Wochenende vor allem auch im Schweizer Einzugsgebiet des Rheins zu einem kurzfristigen Anstieg des Pegels Maxau geführt haben, gehen die Werte inzwischen wieder auf Talfahrt.

Wenn es in den nächsten Wochen nicht dauerhaft regnet – und davon ist momentan nicht auszugehen – rechnen wir tatsächlich damit, dass sich wieder ein konstantes Niedrigwasser ausbildet

Manfred Bremicke von der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg

Am Montagmittag lag der Wasserstand bei 5,28 Metern. Signifikanten Niederschlag wird es in den nächsten Tagen den Meteorologen zufolge wohl nicht mehr geben. Nachdem der Rheinpegel im Sommer 2018 monatelang unterhalb der 3,50 Meter-Marke gelegen hatte, mündete die Dürreperiode Mitte Oktober in einen historischen Tiefstand: Am Pegel Maxau wurden noch 3,14 Meter gemessen. Schiffe konnten nicht mehr so schwer laden, die Fähren in Leopoldshafen und Neuburgweier nur noch eingeschränkt fahren. Kommt es auch in diesem Herbst wieder so weit? „Wenn es in den nächsten Wochen nicht dauerhaft regnet – und davon ist momentan nicht auszugehen – rechnen wir tatsächlich damit, dass sich wieder ein konstantes Niedrigwasser ausbildet“, sagt Manfred Bremicke von der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg.

Schneeschmelze sorgt derzeit für Ausgleich

Dass die Situation auf dem Rhein derzeit noch relativ entspannt ist, liege vor allem an dem schneereichen Winter in den Alpen. „Die Schneeschmelze hält noch immer an. Aber auch dieser Effekt wird jetzt abebben“, schildert Bremicke. Hinzu komme, dass das Niederschlagsdefizit aus 2018 trotz des recht feuchten Winters noch nicht ausgeglichen ist. „Die Grundwasserstände sind niedriger als voriges Jahr um diese Zeit.“

Dass der Pegelstand auch in diesem Herbst am historischen Tiefstand kratzt, hält Manfred Bremicke nicht für ausgeschlossen – allerdings nur im schlimmsten Fall. „Wenn es tatsächlich gar nicht mehr regnet, könnten wir im September einen Meter weniger haben als jetzt“, sagt er. Dann würde es auch für die Schifffahrt wieder kompliziert, deren Probleme sich derzeit noch in Grenzen halten. „Momentan sind es nur die großen Frachtschiffe, die schon nicht mehr voll beladen werden können“, schildert Michael Knust, der die Außenstelle Maxau des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Mannheim leitet.

Bei Niedrigwasser fahren Kapitäne auf eigene Verantwortung

Anders als bei Hochwasser gebe es bei Niedrigwasser keine Grenze, bei deren Erreichen die Schifffahrt eingestellt werde. „Natürlich geben wir Empfehlungen raus, aber bei Niedrigwasser fahren die Kapitäne auf eigene Verantwortung“, so Knust. „Das ist nicht immer einfach: Wenn ein Schiff in Holland voll beladen losfährt und es ein paar Tage nicht regnet, kann es auf Höhe Maxau schon eng werden.“ Um das zu vermeiden, fahren die Kapitäne vorher andere Häfen an, um einen Teil ihrer Ladung zu löschen. Diese wird dann auf der Straße oder der Schiene weiter transportiert.