Immer wieder eiskalt erwischt: Der Wintereinbruch sorgt jedes Jahr für Chaos auf den Straßen. Durch gute Vorbereitung kann man sich viel Stress ersparen. | Foto: Carsten Rehder/dpa

Experten geben Tipps

Wie kommt der Autofahrer sicher durch den Winter?

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Kommt er – kommt er nicht? Der Winter mit Schnee und allem, was dazu gehört. Laut Ankündigung der Meteorologen soll es bald damit losgehen. Und dann tritt aller Voraussicht nach wieder ein Effekt ein, der sich immer dann offenbart, wenn etwas passiert, was passieren kann.

Von Klaus Müller

Wenn es aber tatsächlich passiert, sind Mann/Frau überrascht, dass es passiert. Kurzum: Zeigt sich der Winter wieder mal von seiner normalen Seite mit Kälte, Schnee und Eis, dürfte das für viel Überraschung und Chaos auf den Straßen sorgen. Muss nicht sein. Was also als Autofahrer tun, wenn der Winter im Winter auf der Bildfläche erscheint? Die BNN fragten bei Alexa Sinz vom ADAC Nordbaden und bei Malte Dringenberg vom Automobilclub von Deutschland (AvD) nach, wie Mann/Frau sich darauf einstellen kann und sollte. Es wird dabei auch um Elektrofahrzeuge gehen. Dieses Thema wird in den kommenden Jahren sicherlich an Bedeutung gewinnen.

Schmutzige Scheibe kann teuer werden

Winterreifen oder wenigstens Alljahresreifen sollten für die kalte Jahreszeit inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden sein. Ganz wichtig, so Malte Dringenberg: auf den Luftdruck achten. In unseren Gefilden sollte er etwa 0,2 Bar höher sein als es die Herstellerangabe vorgibt. So kann das Reifenprofil besser greifen.

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Im Fahrzeug auf freie Rundum-Sicht achten, rät Alex Sinz. Ein von Schnee und Eis befreites Guckloch reicht beileibe nicht aus. Obendrein kann das bei einem Unfall teuer werden – Stichwort: Teilschuld. Die Scheiben sollten vor allem auch im Winter innen gereinigt werden. Ansonsten kann es zu fatalen Sichtbehinderungen kommen – durch Lichtbrechung und verzerrtes Sehen. Genügend Flüssigkeit sollte es immer in der Scheibenwischanlage geben. Ein Reservebehälter mit Reinigungs- und Frostschutzflüssigkeit gehört sicherheitshalber in den Kofferraum.

Das Karlsruher Schloss im Jahr 2010, links oben das Bundesverfassungsgericht. Damals fiel insgesamt rund ein Meter Neuschnee mehr als üblich.
Karlsruhe im Jahr 2010. Damals fiel ein Meter Schnee mehr als üblich. | Foto: euroluftbild.de/Werner Rehm

Die Gummis an den Fahrzeugtüren sollten gepflegt werden, damit sie nicht festfrieren. Dafür empfiehlt sich Glyzerin oder – so ein Tipp von Dringenberg – Babypuder. Für Trockenheit im Autoinneren kann ein Säckchen mit abgelagerten Walnüssen sorgen.

Mit längerem Bremsweg muss gerechnet werden

Vorausschauendes Fahren, die Straße lesen, das Tempo anpassen, sind generell Verhaltensweisen, die jeder befolgen sollte. Und dass all die anderen Verkehrsteilnehmer die Idioten sind, ist ein absoluter Trugschluss. Deswegen: den Genervtsein-Pegel zurückfahren und daran denken, dass jeder Autofahrer sicher und unversehrt sein Ziel erreichen möchte.

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Untergrund aus Matsch, Schnee und/oder Eis wirkt sich direkt aufs Bremsverhalten aus. Mit zigfach längeren Bremswegen müsse gerechnet werden, sagt Alexa Sinz. Sich zu sehr auf die Assistenzsysteme in modernen Autos zu verlassen, kann fatale Folgen haben. Wer es noch nicht wusste: Die (Fahr-)Physik hat Grenzen, die schnell und unvermittelt auf den Autofahrer zurasen können. Wenn nötig, auch mal im zweiten Gang anfahren. Überhaupt: sensibel mit Gas- und Bremspedal umgehen.

Elektroauto fährt bei Kälte nicht so weit

Das Drehmoment, also die Kraftentfaltung, liegt bei Elektrofahrzeugen sofort an. Auf Schnee und Eis könnten die Räder schnell durchdrehen. Verfügt das Fahrzeug über einen Ecomodus (reduzierte Kraftentfaltung), sollte der eingeschaltet werden.

Das Prinzip der Rekuperation ist vereinfacht ausgedrückt vergleichbar mit der Motorbremse bei kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen. Allerdings kann in Elektrofahrzeugen die Rückgewinnung von Energie (eben die Rekuperation) heftige Auswirkungen haben, die einem mehr oder weniger starken und abrupten Bremsvorgang gleichkommen – bei rutschigem Untergrund will das niemand. Die Stärke der Rekuperation lässt sich normalerweise einstellen – und das am besten, bevor es auf winterliche Straßen geht.

Mit der Batterie ist es wie beim Handy. Kälte verkürzt die Akkudauer. Und zwar massiv. Die Reichweitenverluste könnten – und das richtig schnell – 50 und mehr Prozent betragen, erklärt Alexa Sinz. Deswegen sollte eine Reichweitenreserve eingeplant werden.

Hilfreich kann es überdies sein, das Fahrzeug schon beim Aufladen an der Ladestation vorzuwärmen. In diesem Fall kommt die notwendige Energie aus dem Strom- und nicht aus dem Bordnetz.

Im Fall der Fälle: Ruhe bewahren

Mit einem Wintereinbruch sollte man als Verkehrsteilnehmer tatsächlich rechnen. 2010 kam es zum Schneechaos in Karlsruhe. Allein am 27. Dezember registrierte der ADAC Nordbaden damals 900 Einsätze.
Für den Fall der Fälle: Ruhe bewahren, nicht drängeln, Anderen, seien es Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer, auch Raum und Platz lassen.