Die Vorstellungsrunde kommt nach Hause: Mit digitalen Formaten reagiert die SPD Karlsruhe-Land auf die Corona-Krise inmitten der Mitgliederbefragung zur kommenden Landtagswahl.
Die Vorstellungsrunde kommt nach Hause: Mit digitalen Formaten reagiert die SPD Karlsruhe-Land auf die Corona-Krise inmitten der Mitgliederbefragung zur kommenden Landtagswahl. | Foto: Keller

Vorstellung per Video

Youtube statt Talkrunde: Mitglieder der SPD Karlsruhe-Land benennen ihre Favoriten für die Landtagswahl

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Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Mittel – eine Weisheit, auf die die SPD Karlsruhe-Land in den vergangenen Monaten zurückgegriffen hat. Anstatt persönlicher Vorstellungsrunden wurden Videos der Bewerber gedreht, die für die Partei an der Landtagswahl 2021 teilnehmen wollen, und frei verfügbar auf der Plattform Youtube hochgeladen. Die SPD warf zudem die Kandidaten der Wahlkreise Bretten, Bruchsal und Ettlingen in einen gemeinsamen Pott.

Wer letztlich die Chance bekommt, potenziell in den Landtag Baden-Württemberg einziehen zu können, entscheidet sich am Freitagabend. Dann zählt der Wahlausschuss ab 18 Uhr im Regionalzentrum in Karlsruhe die Stimmen der SPD-Mitgliederbefragung aus. Ihre Einschätzung, wer sich der Landtagswahl im kommenden Jahr stellen soll, gaben die Genossen per Brief ab, erklärt der SPD-Kreisvorsitzende Christian Holzer. Die Corona-Krise änderte den Ablauf des gesamten Vorgangs maßgeblich.

Youtube-Videos ersetzen die analoge Vorstellungsrunde

Ursprünglich sei geplant gewesen, dass die Befragung für die über 1.600 Mitglieder schon am 30. März endet, so Holzer. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das auf den 29. Mai verschoben. Auf persönliche Vorstellungsrunden wurde bewusst verzichtet: Youtube-Inhalte und Videokonferenzen mit den Bewerbern ersetzten gewohnte Formate.

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Rund 38 Prozent der SPD-Mitglieder beteiligen sich

Zur Wahl stehen in den Wahlkreisen Bruchsal Alexandra Nohl und Daniel Etzkorn, in Ettlingen Aisha Fahir und Stefan Tiede sowie in Bretten Stephan Walter, Patrick Mail und Ingo Neugart. Rund 600 SPD-Mitglieder beteiligten sich bis Montag an der Befragung, teilt Holzer mit. Das sei eine Quote von rund 38 Prozent. „Das Votum aus der Basis wird den SPD-Kandidierenden viel Rückenwind im anstehenden Wahlkampf geben“, sagt Holzer. „Zudem zeigen wir auch in der Corona-Zeit, wie moderne Basisdemokratie funktionieren kann.“

Zwei Minuten Zeit haben die Kandidaten in den Youtube-Videos, um sich vorzustellen. Anschließend müssen sie Fragen beantworten, Satzanfänge vervollständigen und sich zwischen zwei Dingen, nach dem Motto „Kaffee oder Tee?“, entscheiden. Die Mitglieder hatten die Möglichkeit, sich darüber von Zuhause aus ein Bild über die Bewerber zu machen.

Herzensangelegenheiten zur Landtagswahl

Aisha Fahir zeigt in ihrem Video auch gleich, wo sie sich privat aufhält: Darin spaziert sie über den Weinberg und spricht in einer Wohnküche. Ihr besonderes Herzensthema: die Kita-Gebühren. Sie will Gleichstellung und Bildungsgerechtigkeit vorantreiben. Aus demselben Wahlkreis will auch Stefan Tiede in den Landtag einziehen. Die Politik solle sich wieder um die Menschen kümmern, kündigt er in seiner Vorstellungsrunde an. „Es kann nicht sein, dass viele Menschen mit ihrer Arbeit ganz viel Geld verdienen und andere am Existenzminimum stehen.“

Bewerber wollen Mitglieder für sich gewinnen

Die SPD wieder zu stärken, das hat sich Daniel Etzkorn vorgenommen. „Corona wird die Gesellschaft und unsere Innenstädte verändern“, sagt Alexandra Nohl, die ebenfalls für den Wahlkreis Bruchsal ins Rennen zieht. Solidarität steht im Fokus ihres Wirkens. Digitaler Wandel, ehrenamtliches Engagement und Bürgernähe hat sich Patrick Mail für den Wahlkreis Bretten auf die Agenda geschrieben. Parteigenosse Stephan Walter setzt seinen Schwerpunkt auf Bildung.

„Dinge ändern, die ich falsch finde“, das ist für Ingo Neugart nicht nur der Grund, Teil der SPD zu sein, sondern auch sich für das Amt aufzustellen. Die drei Kandidaten, die das Votum für sich entscheiden, müssen noch formal auf einer Mitgliederversammlung nominiert werden, erklärt Holzer. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung sei zwar nicht bindend, dennoch sollen genau die Bewerber mit den meisten Stimmen im Wahlkreis auch als Landtagskandidaten vorgeschlagen werden.