Mit Spannung erwartet wird die Mobilitätswende von vielen. Und tatsächlich steigen die Zulassungszahlen von Elektroautos auch vor den Toren des Oberzentrums Karlsruhe stetig an. | Foto: Sina Schuldt/dpa

Verkehrswende

Zahl der E-Autos im Landkreis Karlsruhe seit 2015 fast verfünffacht

Anzeige

Einige Städte in Deutschland machen schon Nägel mit Köpfen: Düsseldorf führt „Umweltspuren“ ein, auf denen Bus, Rad, Taxi und Elektroauto am täglichen Stau vorbei fahren dürfen. In Hamburg, wo Parkplätze in der Innenstadt hart umkämpft und recht teuer sind, können E-Mobile zwei Stunden lang kostenlos parken. Auch in Karlsruhe tut sich einiges – die Stadtwerke vermitteln Infos zu Elektromobilen, das Unternehmen Stadtmobil hat Elektroautos im Verleih. Aber wie sieht es vor den Toren des Oberzentrums aus?

„Stand heute sind im Landkreis Karlsruhe 995 Elektrofahrzeuge zugelassen“, teilt das Landratsamt mit. Und: „Die Zahlen steigen stetig.“ Die Voraussetzungen dafür hat der Bundestag 2015 geschaffen: Damals wurde das Elektromobilitätsgesetz verabschiedet, das Städten und Gemeinden ermöglicht, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben.

Fast 1000 „Stromer“ fahren auf dem Land

Ende 2015 waren im Landkreis Karlsruhe 208 Elektroautos zugelassen, ein Jahr später 356, Ende 2017 schon 491, zum Jahresende 2018 waren es 683 – und jetzt sind eben 995.

Gibt es Schwerpunkte, wo besonders viele Autofahrer auf E-Mobilität umsteigen, „Hotspots“ auf dem Land? „Das können wir aus dem System nicht ohne weiteres herausfiltern“, heißt es seitens des Landratsamtes, „uns sind solche ,Hotspots’ auch nicht bekannt.“

Mehr zum Thema: E-Autos werden kommunal genutzt: So sieht es im Landkreis Karlsruhe aus

Auch Zahl der Ladestationen steigt

Zum Umstieg aufs Elektroauto gehört aber auch eine entsprechende Ladeinfrastruktur: Ist ein Auto mit Verbrennungsmotor in wenigen Minuten vollgetankt, brauchen Akkus aus physikalischen Gründen Stunden, elektrische Energie zu speichern. „Im Landkreis Karlsruhe betreiben wir derzeit mehr als 50 Ladestationen“, teilt Heiko Willrett, Pressesprecher beim Energiekonzern EnBW mit. Dabei handele es sich sowohl um Wechselstrom- wie auch um Gleichstrom-Stationen, dazu kämen noch sogenannte Wallboxen beispielsweise in Parkhäusern.  „Die Zusammenarbeit mit Kommunen und Partnern ist uns sehr wichtig“, so Willrett. Zusammen mit den Stadtwerken Karlsruhe werde man zehn neue Schnellladestandorte errichten.

Kein E-Auto soll „saftlos“ liegenbleiben

„Auf Landesebene konnten wir als Konsortialführer des Projektes ,Safe’ der Landesregierung Baden-Württemberg mit rund 80 Partnern den Ausbau der Ladeinfrastruktur im Land einen weiteren Schritt voranbringen“, so Willrett. Das Projekt sei im September abgeschlossen worden. Das Safe-Projekt soll ein flächendeckendes Ladenetz für Elektrofahrzeuge gewährleisten, damit Elektro-Autos nicht irgendwo auf der Strecke liegen bleiben.

In einem Raster von zehn auf zehn Kilometern auf der Landkarte soll es mindest eine Ladestation mit 22 Kilowatt Leistung geben, in einem Raster von 20 auf 20 Kilometern mindestens eine Schnallladesäule mit 50 Kilowatt Ladeleistung. Neben der EnBW sind in Baden-Württemberg 77 Stadtwerke an dem Projekt beteiligt.

Wo bitte geht’s zur Ladestation?

Da bleibt nur die Frage: Wie findet man die nächste Ladestation? Google, sonst zuverlässiger Helfer in vielen Lebenslagen, zeigt sich bei der Suche nach den Stichworten „Ladestation Stutensee“ überfordert. Es kommt eine leere Karte und der Hinweis „Hier gibt es keine Ergebnisse. Suche bitte an einem anderen Ort.“

Was hier zappenduster wirkt, sieht auf der Homepage „goingelectric.de“ schon besser aus. Vier Ladestationen werden für die Große Kreisstadt gelistet, jeweils zwei Anschlüsse, jeweils 22 Kilowatt: eine an der Friedrich-Magnus-Schule im Stadtteil Friedrichstal, eine am Rathaus Staffort und eine am Rathaus Blankenloch (alle drei von der EnBW), dazu noch eine auf dem Lidl-Parkplatz in Blankenloch.

Sehr unterschiedliche Suchergebnisse

Für Linkenheim-Hochstetten, ein zweiter Versuch, zeigt aber auch „goingelectric.de“ nichts an. Dafür kennt „e-tankstellen-finder.com“ immerhin eine Ladestation vom Betreiber Digital Energy Solutions in der Waldstraße. „Alle Ladestationen auf einen Blick“ verspricht die App „EnBW mobiliy+“: mehr als 80.000 Ladesäulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Unternehmen nach eigenen Angaben für die App hinterlegt.

Auch interessant: Haben E-Autos bessere Ökobilanz als Benziner und Diesel?

In Stutensee zeigt die App tatsächlich vier Ladestationen und sogar ob die Ladepunkte gerade belegt sind. Die App kennt die aufgezählten Ladestationen in Friedrichstal, Staffort und am Rathaus Blankenloch – dafür nicht die Station am Lidl-Parkplatz. Ausgleichend zeigt die App eine Station im Stadtteil Spöck, die bei „goingelectric.de“ gefehlt hat. Immerhin: Für Linkenheim-Hochstetten zeigt die App dafür drei Ladestationen mit zusammen zehn „Zapfstellen“. Und es ist auch jene in der Waldstraße zu sehen, diesmal sogar an der richtigen Stelle in der Karte und nicht auf dem Nachbargrundstück: Es handelt sich um eine Ladestation mit vier Anschlüssen beim BMW-Autohaus Ratzel.