Barocke Pracht: Weitgehend im Originalzustand erhalten ist die Schlosskirche der Markgräfin Sibylla Augusta in Rastatt aus dem Jahr 1723, deren Innenausstattung in den vergangenen 20 Jahren behutsam saniert wurde. | Foto: Vetter

Schlosskirche Rastatt saniert

Barocker Glanz erstrahlt nach 20 Jahren wieder

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„Das war schon ein einzigartiges Projekt“ – Nicola Beier und Eckhard Salzwedel vom landeseigenen Amt für Vermögen und Bau präsentieren nach der über 20-jährigen Sanierungszeit der Rastatter Schlosskirche das barocke Kleinod als stimmiges Gesamtkonzept, das behutsam von den Restauratoren wieder instand gesetzt wurde. Für die lange Schließungszeit hatten die Fachleute immer wieder auch Kritik einstecken müssen. Nach dem sorgsamen Umgang mit dem Denkmal aus dem Jahre 1723 dürfte mancher Rastatter überrascht sein, der die Kirche zuletzt in den 90er Jahren als verstaubten und düsteren Bau wahrgenommen hat.

Religiöser Kosmos

Eine Woche vor der offiziellen Öffnung werden in der Grabeskirche der Markgräfin Sibylla Augusta noch die letzten Arbeiten erledigt: Eine Fachfirma liefert die Vitrinen an, in denen in den Räumen der ehemaligen Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes der religiöse Kosmos Sibylla Augustas präsentiert wird. Teile des Kirchenschatzes werden ebenso zu sehen sein wie ein Splitter vom Arm Franz Xavers, einem Mitbegründer des Jesuitenordens, Messgewänder oder eine Sonnenmonstranz. Sanktuarium, Heilige Stiege und die Schlosskirche bilden dabei die religiöse Welt der Markgräfin, in deren Wiederherstellung das Land insgesamt fünf Millionen Euro steckte.

Behutsame Restaurierung

Der Einsatz hat sich gelohnt: Reinigen und festigen war das Motto bei der behutsamen Restaurierung, wobei der Umgang mit den empfindlichen Wandbehängen die Arbeit an allen anderen Materialien bestimmte, wie Eckhard Salzwedel im BNN-Gespräch erläuterte. Entstanden ist so ein geschlossenes Bild barocker Frömmigkeit, das von einer diskreten LED-Beleuchtung der Altäre und des Deckenfreskos sorgsam in Szene gesetzt wird.

Theodora ist eine der beiden Ganzkörper-Reliquien, die mit Glassteinen und barocken Kleidungsstücken geschmückt, seit vier Wochen wieder in ihrem gläsernen Sarg auf einem der Seitenaltäre in der Schlosskirche zu sehen ist. | Foto: Vetter

Seit vier Wochen liegen auch wieder die Heiligen Leiber Theodor und Theodora in ihren Schneewitchen-Särgen: Glassteine und Gazestreifen schmücken ihre Gebeine im barocken Gewand, die im Laufe des 16. Jahrhunderts in den römischen Katakomben entdeckt wurden. Die angeblichen Märtyrer der Christenverfolgung, deren Schädel sich hinter einer Pappmaske verbergen, erhielt Sibylla Augustas bei einem Romaufenthalt von Papst Clemens XI. Ursprünglich standen sie neben dem Hochaltar.
Auf ihren Originalzustand zurückgebaut wurden auch die Kirchenbänke, in denen maximal 60 Personen Platz finden und auf denen sich Generationen von Schülern des angrenzenden LWG verewigt haben – die Gebrauchsspuren wurden bewusst belassen. Die Kirchenbänke erhielten einen beheizbaren Winterboden, der ebenso wie die Verdunkelung der Kirchenfenster für eine gleichbleibende Temperatur in der Kirche ohne Ausreißer nach oben und unten sorgen soll.

Barockes Klangbild

Ganze Arbeit leisten derzeit noch Alex Matz und Raphael Vilgis, die auf der Empore die Ignaz Seuffert-Orgel gereinigt haben und nun wieder zusammenbauen: Ein schriftlicher Hinweis auf 19 Grad Windtonhöhe im Innern des Instruments hat den Orgelbauern bei der Suche nach der originalen Stimmtonhöhe einen entscheidenden Schritt weiter geholfen. Mit 409 Hertz wird die Orgel auf das alte Klangbild des 17. Jahrhunderts zurückgeführt, wie Alex Matz erläutert. Damit könnten auch wieder die Werke der Rastatter Hofkomponisten Johann Caspar Ferdinand Fischer und Joseph Aloys Schmittbaur im Originalton aufgeführt werden. Neben der Orgel wurden außerdem eine neue Keilbalg-Anlage mit drei Bälgen gebaut, die der Orgeltreter manuell mit Hilfe der Steigbügel betätigen kann. Bei Bedarf kann die Orgel aber auch elektrisch betrieben werden.
Mit einem sorgsamen Führungskonzept – maximal 20 Personen auf einmal – tragen die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) der aufwändigen Renovierung Rechnung. Die empfindliche Inneneinrichtung soll damit auch für kommende Generationen geschützt werden.

Öffentliche Führungen ab 6. Juli

Ab 6. Juli ist die Schlosskirche für geführte Gruppen offen: Für Individualbesucher von Donnerstag bis Sonntag um 12, 14 und 16 Uhr (im Winter 12 Uhr und 14 Uhr), für Gruppen von Dienstag bis Sonntag nach Vereinbarung, Telefon (0 62 21) 6 58 88 15 oder (0 72 22) 97 83 85.