Die Gotteshäuser in Rastatt haben, wie hier die Kirche Sankt Alexander, weiter ihre Türen für Gläubige geöffnet. Gottesdienste dürfen dort allerdings wegen des grassierenden Coronavirus nicht mehr gefeiert werden.
Die Gotteshäuser in Rastatt haben, wie hier die Kirche Sankt Alexander, weiter ihre Türen für Gläubige geöffnet. Gottesdienste dürfen dort allerdings wegen des grassierenden Coronavirus nicht mehr gefeiert werden. | Foto: Collet

Coronakrise

Das Coronavirus lähmt das Kirchenleben in Rastatt

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Das Land Baden-Württemberg hat wegen des Coronavirus Beerdigungen auf zehn Personen begrenzt. Das Virus hat das Rastatter Gemeindeleben fast vollständig gelähmt. Rastatter Geistliche versuchen sich mit der Situation zu arrangieren.

Das grassierende Coronavirus macht auch vor den Kirchen keinen Halt: Pfarrer Ralf Dickerhof von der Seelsorgeeinheit Rastatt hat sich mittlerweile einen Corona-Ordner angelegt. Dort sind alle wichtigen Verordnungen, Bekanntmachungen und Briefe abgeheftet.

„Bei Beerdigungen gelten die klaren Maßgaben von Land und Stadt“, sagt Dickerhof. Die Regelung der Stadt ist am vergangenen Montag in Kraft getreten. (Link zur Informationsseite der Stadt Rastatt) „Beerdigungen dürfen nur noch im engsten Familienkreis unter freiem Himmel stattfinden“, erklärt der katholische Pfarrer.

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Die Trauerhallen stehen laut Regelung der Stadt nicht mehr zur Verfügung. Zudem sei auf den empfohlenen Mindestabstand von anderthalb Metern zu achten. „Ein Sterbefall beutelt die Menschen, sie müssen sich verabschieden können“, heißt es aus dem Rathaus. Familienmitglieder sollen weiterhin die Möglichkeit haben am Grab zu stehen.

Alltägliche Gesten sind nicht mehr möglich

Leuten die Hand reichen, sie umarmen, damit signalisieren, dass man trösten oder beistehen möchte, das ist alles nicht mehr drin, so Dickerhof. Trotzdem bemühe er sich, dass es eine würdige Abschiedsfeier werde.

Die ganze Situation ist natürlich heftig

Angelika Schulze, Pfarrerin der evangelischen Michaelsgemeinde

„Die ganze Situation ist natürlich heftig“, sagt Angelika Schulze, Pfarrerin der evangelischen Michaelsgemeinde. Sie hat am Dienstagnachmittag als eine der ersten Geistlichen eine Bestattung unter den neuen Regeln begleitet. Es sei ein würdevoller Abschied gewesen. „Wenn die Angehörigen Bescheid wissen, dann gibt es keine bösen Überraschungen“, so Schulze. Man habe sich zugenickt und die Glocke wurde geläutet. Auf Weihwasser und Erdaufwürfe wurde verzichtet. Die seien verboten.

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„Urnen-Bestattungen sollen ja so weit wie möglich aufgeschoben werden“, berichtet Schulze. Das sei seelsorgerisch kein guter Umstand. Wenn ein Trauerfall aufgetreten ist, möchte sich die Familie mit einem Ritus verabschieden. „Ohne Beisetzung ist das nicht abgeschlossen“, sagt Schulze.

Beichten und Hausbesuche sind abgesetzt

Pfarrer Dickerhof hadert mit der aktuellen Lage. „Man ist dazu angehalten Abstand zu halten. Das ist schwierig.“ Es gebe Situationen, da könne man keinen Abstand halten: Genau so, wie eine Schwester auf der Sozialstation. „Wenn sie einen Patienten waschen muss, dann muss sie diesen anfassen.“ Beichten und Hausbesuche sind alle ausgesetzt.

Pfarrer hat Schutzbekleidung besorgt

Wenn ein Schwerkranker oder Sterbender Dickerhof ruft, macht sich der Geistliche auf den Weg. Natürlich würde er vorher alles mit den Angehörigen abklären. Es könnte sein, dass jemand mit dem Coronavirus infiziert ist. „Blauäugig geht man nicht in eine solche Situation“, sagt der Pfarrer. Die notwendige Schutzkleidung hat sich der Geistliche besorgt.

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Das religiöse Leben pausiert wegen des Coronavirus fast vollständig. „Wir dürfen ein Vierteljahr keine Gottesdienste mehr halten“, schildert Schulze die Lage. Das sei traurig, aber notwendig. „Die Kar- und Ostergottesdienste fallen aus“, erzählt Dickerhof. Die Kommunion werde verschoben.
Genauso sehe es mit Hochzeiten aus. „Viele verschieben sie ins Spätjahr“, erzählt der katholische Pfarrer.

Rastatter Standesamt traut Paare weiterhin

Das Rastatter Standesamt traut zwar noch, aber es sind nur der Standesbeamte und das Brautpaar anwesend, heißt es in einer Pressemitteilung. Feiern im Freien ist ebenfalls verboten. In den nächsten beiden Wochen sind es drei Paare, die sich so das Ja-Wort geben. Bislang wolle der Großteil der Paare am geplanten Termin festhalten.

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